UNESCO Welterbe: Bad Kissingen
Unesco - Welterbestätten

Zehn von der UNESCO ausgewiesene Weltkulturerbestätten gibt es in Bayern. Die Vielfalt ist groß. Die Liste umfasst prähistorische Relikte und Zeugnisse aus der Römerzeit ebenso wie mittelalterliche Städte und barocke Kunst. Auch ein bemerkenswertes Industrie-Denkmal ist darunter. Wir stellen euch die zehn Kultur-Highlights in Bayern vor

Lesezeit: 12 Minuten

UNESCO Weltkulturerbe Bayern

Bayern verfügt über ein großes und vielfältiges Natur- und Kulturerbe. Dazu zählen neben architektonischen und künstlerischen Meisterwerken sowie Zeugnissen gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen auch einzigartige Kulturlandschaften, Parks und Naturgebiete.

Zehn besondere Stätten in Bayern hat die UNESCO derzeit als Weltkulturerbe ausgezeichnet, darunter das Augsburger Wassermanagementsystem, die Würzburger Residenz, das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth oder die Altstadt Bamberg.

In unserer Liste geben wir einen Überblick aller zehn Weltkulturerbe-Stätten in Bayern.

Filmreif Augsburg: Auch das Wasserwerk am Roten Turm ist eine beliebte Filmkulisse

Augsburg Wassermanagement System: Die Kanäle sind voll

Die Wasserversorgung Augsburgs ist 800 Jahre alt. Sie ist ein einzigartiges Beispiel für die Wasserwirtschaft einer Stadt und wurde über Jahrhunderte entwickelt. Das System versorgte die Menschen mit Trinkwasser und Brauchwasser für Energie, Hygiene und Entsorgung. Bemerkenswert: Bereits seit dem 15. Jahrhundert wurden Trink- und Brauchwasser strikt getrennt.

Zu dem Welterbe gehören 22 Objekten, denen ein Kanalnetz zugrunde liegt: Wehranlagen, Wasserpumpwerke, Kraftwerke, Brunnen und eine Kanustrecke. Das Wasser liefern die Flüsse Lech, Wertach und Singold sowie Quellen. Am Hochablass im Süden Augsburgs wird bis heute das Lechwasser für die meisten Kanäle abgezweigt. Als Brauchwasser setzte es ehedem vor allem Mühlen in Gang.

Das Trinkwasser floss aus dem südlich gelegenen Quellgebiet, dem Stadtwald, nach Augsburg. Durch Wassertürme mit Pumpwerken gelangte es in die Oberstadt. In der Neuzeit war Augsburg europaweit berühmt für seine effektive Wasserwirtschaft. Mit der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert wuchs der Bedarf an Wasserkraft. Das Kanalsystem wurde erweitert, es entstanden zahlreiche Wasserkraftwerke. Eine spektakuläre Nutzung ergab sich 1972: Für die Olympischen Spiele in München wurde aus einem alten Kanal die weltweit erste künstliche Wildwasser-Kanustrecke.

Mehr zum Weltkulturerbe: Augsburg-Tourismus.de
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Kurgarten mit Arkadenbau des Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen

Kurstadt & Staatsbad Bad Kissingen: Höchste Trinkkultur

Bad Kissingen liegt an der Fränkischen Saale in Unterfranken. Bereits seit dem 16. Jahrhundert ist der Ort bekannt für Trink- und Badekuren. Ab dem 18. Jahrhundert entwickelt er sich zum Weltbad und zieht in seiner Glanzzeit zwischen 1830 und 1930 internationale Gäste an, viele aus England und Russland.

2021 wird Bad Kissingen mit zehn weiteren bedeutenden Kurstädten Europas („Great Spas“) Weltkulturerbe. Die Argumente: Die Stadt besitzt den ältesten Kurgarten (1738 angelegt) und das größte Ensemble historischer Kurbauten Europas, Wandelhalle und Regentenbau sind herausragende Architektur-Zeugnisse des frühen 20. Jahrhunderts.

Bad Kissingen kann als einziges Great Spa mit historischen Einrichtungen zur Siedsolegewinnung und -nutzung aufwarten. Sole (Wasser mit hohem Gehalt an Mineralsalzen) war früher ein wichtiges Heilmittel. Und nicht zuletzt pflegt die Bäderstadt immaterielle Werte wie die Tradition des „Heilwasserausschanks durch die Brunnenfrauen“, regelmäßige Kurkonzerte der eigenen Philharmonie und die Linienschifffahrt auf der Saale.

Mehr zum Weltkulturerbe: badkissingen.de

Bamberg ist Weltkulturerbestadt und hat viel Tradition und Kultur zu bieten

Altstadt von Bamberg: Fränkisches Rom

Die Bischofs- und Kaiserstadt im Herzen Frankens liegt auf sieben Hügeln. Man nennt sie auch „Fränkisches Rom“. Bambergs Altstadt gilt als einzigartiges städtebauliches Kunstwerk aus der Zeit zwischen Hochmittelalter und Barock und gehört seit 1993 zum UNESCO-Welterbe. 1.200 Baudenkmäler aus dem 11. bis 18. Jahrhundert zeichnen sie aus. Überragt wird die Altstadt vom romanischen Kaiserdom St. Peter und St. Georg mit seinen vier Türmen und mit dem berühmten Standbild Bamberger Reiter aus der Stauferzeit im Inneren.

Die barocke Neue Residenz und die Alte Hofhaltung ergänzen den Domplatz. Weitere Highlights sind das Brückenrathaus, das in die Regnitz gebaut wurde, der Rosengarten mit Blick über die Altstadt, die Gerberhäuser am Alten Kanal, das Mühlenviertel und die Fischersiedlung „Klein Venedig‘‘. Nicht auf der UNESCO-Liste, aber ebenso weltkulturverdächtig ist das Bamberger Bier, besonders das berühmte würzige Rauchbier.

Mehr zum Weltkulturerbe: bamberg.info
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Markgraefliches Opernhaus

Markgräftliches Opernhaus Bayreuth

Das Opernhaus in Bayreuth ist ein Meisterwerk barocker Theaterarchitektur. Es wurde von 1744 bis 1748 erbaut und zählt zu den wenigen original erhaltenen Theaterbauten jener Zeit in Europa. Der damals führende Theaterarchitekt Giuseppe Galli Bibiena hat es geplant und verwirklicht, beauftragt vom Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine von Brandenburg-Kulmbach, Schwester des Preußen-Königs Friedrich II. Anlass für den Bau war die Hochzeit ihrer Tochter Elisabeth Friederike Sophie.

Das Logentheater im italienischen Stil ist ganz aus Holz und Leinwand gefertigt und als selbsttragende Konstruktion in eine steinerne Gebäudehülle gestellt. Nicht zuletzt wegen der überbordenden geschnitzten und gemalten Dekorationen gilt es als weltweit einzigartig. Die Farbenpracht ist überwältigend. Die Akustik des Hauses ist noch wie im 18. Jahrhundert hörbar. Auch heute noch werden in dem Haus Opern und Konzerte gespielt. 275 Jahre nach der Eröffnung des Opernhauses öffnete im benachbarten Redoutenhaus mit dem neuen Welterbezentrum und Opernhausmuseum ein weiteres Highlight seine Tore.

Mehr zum Weltkulturerbe: Bayreuth-Tourismus.de
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Regensburg

Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof: Boomtown

Die Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof (am Donau-Nordufer) hat den größten Bestand romanischer und gotischer Architektur nördlich der Alpen. Sie wurde 2006 zum Weltkulturerbe ernannt. Das Areal umfasst 1.000 Baudenkmäler und erstreckt sich über 183 Hektar, was der Fläche von 256 Fußballfeldern entspricht. Diese Größe hatte Regensburg um das Jahr 1320. Die Stadt boomte damals als Umschlagplatz auf den kontinentalen Handelsrouten nach Italien, Böhmen, Russland und Byzanz. In dieser Zeit, dem 12. bis 14. Jahrhundert, erhielt sie ihre Gestalt.

Weithin sichtbar ragt der Dom St. Peter im Zentrum auf. Er ist die einzige gotische Kathedrale Bayerns. Mit dem Aus als Handelsmetropole im Spätmittelalter endete die Bautätigkeit. So überdauerten weite Teile der Altstadt in außergewöhnlicher Geschlossenheit die Jahrhunderte. Die Altstadt von Regensburg gilt als einzige in ihrer Gesamtheit erhaltene und bis heute funktionierende mittelalterliche Großstadt Deutschlands.

Mehr zum Weltkulturerbe: regensburg.de/tourismus
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Die UNESCO nahm die Würzburger Residenz 1981 ins Welterbe auf

Würzburger Residenz und Hofgarten: Barock in Hochform

Das Würzburger Schloss zählt zu den prächtigsten Residenzbauten seiner Zeit. Die einstige „Wohnstatt“ der Fürstbischöfe aus der Familie Schönborn wurde zwischen 1720 und 1744 errichtet und später mit einem prachtvollen Hofgarten umrahmt. Künstler aus ganz Europa haben an dem Bau in Würzburg mitgewerkelt. Er zeigt Elemente der französischen Schlossarchitektur, des Wiener Barocks und des oberitalienischen Palast- und Sakralbaus. Kurz, er ist ein europäisches Gesamtkunstwerk und spielt in der gleichen Liga wie etwa Schönbrunn in Wien oder Versailles bei Paris.

Der Würzburger Hofarchitekt Balthasar Neumann leitete das riesige Bauprojekt. Neben virtuosen Bildhauern und Schnitzern sorgte vor allem der größte Freskenmaler des 18. Jahrhunderts für Glanz: Giovanni Battista Tiepolo machte mit dem größten je gemalten Deckenfresko das prunkvolle „Treppenhaus“ zum künstlerischen Highlight der Schlossanlage. Die Residenz wurde im Krieg schwer beschädigt und danach sorgfältig restauriert. Sie ist seit 1981 UNESCO-Welterbe.

Mehr zum Weltkulturerbe: wuerzburg.de/residenz
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Römermuseen: Lebensgroße Darstellung eines römischen Soldaten im Museum Quintana in Künzig

Der Donaulimes: Grenzen des Römischen Reiches

Donaulimes nennt man die Römische Militärgrenze, die am Südufer der Donau von Bayern bis Bulgarien und Rumänien verlief. Die „nasse“ Grenze hatte eine Länge von 1.000 Kilometern und existierte vom 1. bis 5. Jahrhundert. Sie begann bei Hienheim nahe Neustadt a. d. Donau, wo der Obergermanisch-Raetische Limes auf den Fluss traf.

Da die Donau wegen ihrer sumpfigen, verästelten Ufer nur schwer zu überwinden war, legten die Römer, anders als am Obergermanisch-Rätischen Limes, keinen Grenzwall an. Das Rückgrat der Schutzlinie bildeten vielmehr die Legionslager. Dazwischen lagen Kastelle, Kleinkastelle und Wachttürme, die durch eine Straße verbunden waren. An den Garnisonsorten entstanden zivile Orte mit Bädern und Heiligtümern. So konnten Soldaten und Zivilisten auch in „Bayern“ die Annehmlichkeiten der römischen Kultur genießen. In den insgesamt fünf „Römermuseen am bayerischen Donaulimes“ in Kelheim, Regensburg, Straubing, Künzing und Passau können Besucher beeindruckende Funde besichtigen und mehr zum Leben der Römer an der Donau erfahren.

Mehr zum Weltkulturerbe: donau-limes.de

Mit der Zille auf die Roseninsel im Starnberger See

Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen

Bayern ist zeitlos beliebt! Drei Pfahlbau-Fundstellen weisen darauf hin, dass sich bereits in der Jungsteinzeit Menschen dort niederließen. Siedlungsreste wurden in Pestenacker und Unfriedshausen im Landkreis Landsberg am Lech (beide aus der Zeit ab Mitte des 4. Jahrtausends vor Christus) sowie im Bereich der Roseninsel im Landkreis Starnberg (ab 500 vor Christus) gefunden. Zusammen mit Fundstellen in weiteren fünf Ländern wurden sie als „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ zum Weltkulturerbe erhoben.

Die Siedlungen über dem Wasser und nahe der Seeufer, in Flusstälern und Mooren boten den Menschen Schutz vor Raubtieren und Feinden, Zugang zum Wasser und gleichzeitig Landnähe, sodass sie gleichermaßen Fische fangen und Äcker bestellen konnten. Besucher erhalten im „Steinzeitdorf Pestenacker“ Einblicke in das Dorfleben der frühen „Bayern“. Sie sehen ein rekonstruiertes Haus und in einem Pavillon die Nachbildungen von Keramik, Werkzeug und Waffen, aber auch Bekleidung der Siedler. Darunter der wohl älteste Hut Bayerns! Sonderausstellungen zu Themen aus prähistorischen Tagen.

Mehr zum Weltkulturerbe: weltkulturerbe-pfahlbauten.de | steinzeitdorf-pestenacker.de

Limesturm in Erkertshofen: Einziger steinerner Nachbau in Deutschland

Der Obergermanisch-Raetische Limes: "Grenzen des Römischen Reiches"

Zwischen dem späten 1. und der Mitte des 3. Jahrhunderts trennte eine befestigte Grenze das Römische Reich von Germanien. Sie verlief von Bad Hönningen/Rheinbrohl am Rhein bis zum Kastell Eining vor Regensburg. Dieser „Limes“ hatte eine Länge von 550 Kilometern (längstes Bodendenkmal Europas!), an ihm reihten sich über 100 Militärlager und 900 Wachttürme. In der Provinz Obergermanien ist er als Holzpalisade beziehungsweise Erdwall und Graben ausgeführt, in Raetien (östlich von Lorch bei Schwäbisch-Gmünd) als Steinmauer. An der natürlichen Main-Grenze gab es keine durchgehende Sperre, es genügten vereinzelt Wachtürme und Kastelle.

Neben originalen römischen Relikten sieht man heute vor allem Rekonstruktionen, Ausgrabungen und Nachbauten, stellenweise aber noch den Limes-Erdwall selbst. Er durchquert dann schnurgerade Wald und Feld. Der bayerische „Limes-Anteil“ umfasst 49 Kilometer am Main in Unterfranken und 109 Kilometer Landgrenze in Mittelfranken, Ober- und Niederbayern. Ein Highlight sind Kastell, Römische Thermen und Römermuseum mit Informationszentrum im mittelfränkischen Weißenburg. Drei touristische Routen erschließen die Obergermanisch-Raetische Grenze: die Deutsche Limes-Straße sowie der Deutsche Limes-Radweg und -Wanderweg.

Mehr zum Weltkulturerbe: roemer-welt.de

Wieskirche an der Romantischen Straße

Wallfahrtskirche Die Wies (Wieskirche Steingaden)

Die „Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies“ bei Steingaden liegt vor der prächtigen Kulisse des Ammergebirges im Südwesten Oberbayerns. Sie gilt als vollendetes Kunstwerk des bayerischen Rokokos. Ihre Gründung geht zurück auf eine Wallfahrt, die aus der Verehrung einer Statue entstand. Die Kirche wurde zwischen 1745 und 1754 von den Brüdern Johann Baptist Zimmermann, Maler und Stuckateur, und Dominikus Zimmermann, Stuckateur und Baumeister, – unter Mitwirkung weiterer Künstler – errichtet. Die Brüder stammten aus Wessobrunn, nur wenige Kilometer von Steingaden entfernt. Die Leitung beim Bau hatte das Kloster Steingaden.

Phänomenal ist der lichtdurchflutete Innenraum: Seine verschwenderischen Stuckverzierungen und Deckengemälde erzeugen eine helle, himmlisch-heitere Atmosphäre. Die Dekoration wirkt niemals überladen, ihre Feinheit ist unerreicht. Die Wies wurde 1983 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Laut UNESCO ist sie ein „Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft“. Jährlich besuchen sie mehr als eine Million Menschen. Auch finden in der Wies kirchenmusikalische Konzerte statt.

Mehr zum Weltkulturerbe: steingaden.de

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