... sondern auch exotische Bäume wie der Chinesische Mammutbaum
Ein Hauch von Süden

Römer, Salzhandel, Inn-Schifffahrt, Eisenbahn – viele Einflüsse haben Rosenheim geprägt. Heute punktet die Stadt mit reizvoller Architektur und südlichem Flair, bayerischem Charme und herrlicher Lage zwischen Bergen und Badeseen. Text: Markus Stein, Fotos: Bernhard Huber

Lesezeit: 15 Minuten

Lovely Rosenheim

Wer wüsste es besser als die weitgereisten Engländer! Mit „Rosenheim, The Loveliest Health Resort of South Bavaria“ wirbt „The Rosenheim Kaiserbad Tourist Association“ in London für einen Trip in den fernen Chiemgau. Über Holland, am Rhein entlang und über München soll’s für fünf Tage nach Rosenheim gehen. Das Kurhaus sei mit allen modernen Vorrichtungen ausgestattet.

Und erst die Umgebung: „Splendid Fishing and Boating on the Lakes and Rivers. Mountain Climbing, Cricket, Polo & Golf. Magnificent Scenery.“ Nachzulesen auf einem Plakat von 1908 im Städtischen Museum Rosenheim. Die kurze splendide Existenz als Kaiserbad von 1882 bis 1917 ist zwar längst vorüber – siebenmal war Kaiser Wilhelm I. zu Gast –, aber lovely, das ist Rosenheim mehr denn je.

Der Max-Josefs-Platz mit seinen Patrizierhäusern im italienisch anmutenden Inn-Salzach-Stil

Dolce vita bavarese!

Besonders an einem sonnigen Septembertag wie heute. Nach Regentagen ist der Himmel wieder in bayerischer Bestform, mit weißen Wolkenschäfchen auf endlos blauer Weide. Sonnenbebrillte Passanten schlendern übers Kopfsteinpflaster. Stimmengewirr dringt unter Sonnenschirmen hervor. Aufgespannt haben sie die Cafés und Gasthäuser am Max-Josefs-Platz, darunter so traditionsreiche Institutionen wie das „Gasthaus zum Stockhammer“, „Fortner – Weinhaus zum Santa“ oder „Café Bergmeister“.

Arkaden und heitere Töne

Der Platz ist die Herzkammer Rosenheims, geprägt von alten Patrizierhäusern im italienisch anmutenden Inn-Salzach-Stil. Mit Arkaden und auffallend hohen, kubischen Fassaden, dazu die Vorschuss- oder Brandschutzmauern, die seit dem großen Stadtbrand von 1641 als eine gute Idee galten! In den sogenannten Grabendächern, die man von unten nicht sieht, wurde Wasser gesammelt zur Feuerbekämpfung.

Die Farben der Fassaden sind freundlich und heiter, hellgrün, rosa, hellgelb oder hellblau. Dazu passt das kräftig leuchtende Orange der vollen Aperol-Spritz-Gläser auf den Tischen. Die Häuser sind so hoch geraten, dass vom Turm der Nikolaus-Kirche im Osten nur die Zwiebelhaube zu erspähen ist.

"Wirtshaus zum Johann Auer": Terrasse über dem Mühlbach
Wirt Toni Sket ist auch Caterer der Rosenheim Cops

Toni Sket, seit 50 Jahren Wirt

„Rosenheim ist das Tor zum Süden, hat viel südländisches Flair“, beschreibt Toni Sket seine Stadt. Toni, ein begeisterter Trachtler, ist zwar in Passau aufgewachsen, aber „Rosenheim ist meine Heimat“, bekennt er stolz.

"Rosenheim bietet so viele Möglichkeiten für Gäste"

Seit 50 Jahren ist er Wirt mit Leib und Seele, seit 2005 im „Wirtshaus Zum Johann Auer“, einem stattlichen Gebäude aus der Gründerzeit. „Rosenheim bietet so viele Möglichkeiten für Gäste“, so Toni weiter, „man genießt alle Annehmlichkeiten einer Stadt, wie Cafés, Restaurants und kulturelle Angebote, und hat’s doch nicht weit in die Chiemgauer Berge und an die vielen Seen im Umland. Und man ist für einen Kurztrip schnell in München, Salzburg oder Innsbruck. Ideal für den Urlaub!“

Tonis Wirtshaus findet man am Ludwigsplatz, die Terrasse wurde direkt über dem Mühlbach gebaut und ist im Sommer ein herrlich lauschiges Plätzchen. Eine Spezialität der Küche ist Wildbret aus den Bayerischen Staatsforsten von Ruhpolding: Reh, Hirsch, Gams. Frischer Fisch, vor allem Renken, kommt aus dem Chiemsee. Zur Mahlzeit schmeckt das vollmundig-würzige „Johann Auer“, ein dunkles Weizen und Tonis Favorit.

Der umtriebige Gastronom verpflegt als Caterer die Filmleute der „Rosenheim Cops“. Toni: „Die Stadt hat die letzten 20 Jahre viel von der TV-Serie profitiert.“ Hin und wieder sind Schauspieler bei ihm zu Gast.

Der Ludwigsplatz: Beliebter Treffpunkt der Rosenheimer mit Piazza-Flair
Ausgehviertel en miniature: Die Weinstraße

Hygge? Lieber rosenheimelig!

Der Ludwigsplatz mit seinen einfachen Handwerkerhäusern ist der zweite Hotspot der Altstadt. Dort treffen sich die Rosenheimer gern zum Ratsch oder zur Mittagspause am Würstelstand, vor allem am Samstagvormittag. Geduldig stehen sie für Weißwurst, Wiener oder Pfefferbeißer an.

Viele freudige Begrüßungen wie „Hey ... servus ... ja, grias di, wie geht’s ... ciao“ hört man beim Vorübergehen. Die Atmosphäre ist entspannt, alle wirken gut gelaunt und relaxt, mit einem Wort: rosenheimelig!

Beim Flanieren durch die angrenzenden Straßen (Färber-, Adlzreiter-, Wein- und Kaiserstraße) passiert man weitere Restaurants und Läden, darunter den altehrwürdigen „Flötzinger Bräu“, Brauereigasthof des zweiten „local hero“ in Sachen Bier. Ein Ausgehviertel en miniature, zu dem auch „Das Ballhaus“ gehört, eine Location für Ausstellungen und Events, entstanden aus einer Brauerei.

Zusammenfluss von Mangfall (braun) und Inn (grün) am Innspitz

Inn meets Mangfall

Rosenheim liegt am Zusammenfluss von Inn und Mangfall, in einer Gegend so schön, dass dort seit Menschengedenken und sicher schon davor Menschen siedeln. In römischer Zeit trafen sich hier zwei Handelsstraßen: die vom Brenner nach Regensburg und die von Salzburg nach Augsburg. Die Römer schützten die Kreuzung durch eine Militärstation. Eine Siedlung entstand.

Der Name „Rosinheim“ taucht erstmals im Jahr 1234 in einer Urkunde auf. Im Mittelalter sorgte der Handel auf dem Inn für Wohlstand. Niedergang brachte der Dreißigjährige Krieg, der Wiederaufschwung begann ab 1810, als sich Rosenheim zur wichtigsten Saline Bayerns entwickelte. Sie existierte bis 1958.

Die Sole wurde über eine mehr als 80 Kilometer lange Holzpipeline aus Berchtesgaden hergeleitet, das Brennholz aus den Waldgebieten um Schlier- und Tegernsee auf der Mangfall getriftet. Ein weiterer Meilenstein für Rosenheim war der Anschluss an die Eisenbahn 1858, gefolgt von der Erhebung zur Stadt durch Ludwig II. im Jahr 1864.

Auf zum Mangfallpark

Nur wenige Gehminuten von der Altstadt erlebt man im Mangfallpark die beiden Flüsse Rosenheims. Das ehemalige Gelände der Landesgartenschau erstreckt sich eineinhalb Kilometer entlang der Mangfall bis zur Mündung in den Inn. Dort am Inn-Spitz unterscheidet sich deutlich das braune Wasser der Mangfall vom grün schimmernden des Inns.

Ein magischer Ort, an dem die beiden zusammenkommen, eilig Richtung Norden weiterziehen und schließlich zwischen dunklen Auwäldern verschwinden. In entgegengesetzter Richtung, im Süden, trifft der Blick auf den breiten Rücken des Riesenbergs am Horizont.

Ein Hut mit Löchern?

Viel Grün, alte Bäume und Bänke im Park animieren zum Verweilen, ein Skulpturenweg zum Verwundern. Installationen mit Widerhaken. So gedeiht auf einer Wiese der „Leuchtenwald“, ein Wald aus Straßenlaternen, die nachts leuchten.

Ein Aufruf gegen das Vordringen der Städte und den Raubbau an der Natur? Oder der „Regnende Hut“, ein löchriger Riesenhut, über einen Bach gespannt, durch den das Wasser tropft – Symbol dafür, dass nichts vollkommen und Perfektion nur eine Illusion ist?

Bildergalerie

Mehr Impressionen aus Rosenheim

Nachschub für die Auslagen des "Mamma Bavaria"
Kette von Florian Blickenberger

Heimat immer griffbereit

Keine Illusion hingegen ist die Heimatliebe des Schmuck- und Modedesigners Florian Blickenberger. Der Enddreißiger ist gebürtiger Rosenheimer und betreibt seinen Laden „Mamma Bavaria“ in Riedering, wenige Kilometer außerhalb. Der Bayern-Botschafter ist viel in der Welt herumgekommen – und wieder nach Rosenheim zurückgekehrt.

"Wir leben in einem Paradies!"

„Alles ist so gemütlich und überschaubar. Man geht durch die Stadt und trifft viele Bekannte, schaut aufeinander. Dazu die Berge und Seen in der Umgebung, wir leben in einem Paradies!“, freut sich Florian über seine Heimatstadt.

Die Reisen und die Veränderungen, die er erlebt habe, brachten ihn auf die Idee, „ein Stück Bayern zum Mitnehmen und Dabeihaben zu schaffen“, erzählt Florian. So entstehen hochwertige Ringe, Armbänder oder Trachtenmode mit Symbolen wie dem bayerischen Löwen oder der Bavaria-Figur.

Highlight sind von Hand gemachte Kettenanhänger in Form von Gipfelkreuzen, für die er sich „von den schönsten Gipfeln der Region hat inspirieren lassen“. Natürlich mit dabei ein Gipfelkreuz von Rosenheims Hausberg Hochries. „Der Gipfelkreuz-Anhänger ist ein Sinnbild für das Erreichen der eigenen Lebensziele“, beschreibt Florian den Gedanken hinter dem Schmuckstück.

Stadtpfarrkirche St. Nikolaus am Ludwigsplatz

Farbenprächtige Glasfenster

Vom Gipfelkreuz ist es, spirituell betrachtet, nicht weit zur Nikolaus-Kirche nahe dem Max-Josefs-Platz. Ein guter Ort für eine stille Pause oder Inspiration. Blickfänger sind zwanzig farbkräftige, moderne Glasfenster in dem ansonsten weiß verputzten Innenraum des neu gestalteten gotischen Gotteshauses.

Die Fenster der Südseite symbolisieren mit vielen Rosenblüten in warmen Farben – Gelb, Orange, Rot – die schönen Seiten des Lebens, für die weniger schönen, Schmerz und Leid, stehen die kalten Blautöne an der Nordseite. 30 Minuten Orgelmusik gibt’s jeden Samstag ab 12 Uhr, die neue Orgel gilt als ein Instrument von europäischem Rang.

Nicht nur Rosen sind im Riedergarten zu finden ...
... sondern auch exotische Bäume wie der Chinesische Mammutbaum

Im Namen der Rose

Rosen wachsen wenige Schritte in südlicher Richtung im Riedergarten, einem kleinen Stadtpark. Zum Park gehören ein Apothekergarten mit Heilpflanzen, ein Kinderspielplatz und ein Kneipp-Becken. Schatten spenden alte, zum Teil exotische Bäume wie Chinesischer Mammutbaum, Rotbuche, Japanische Zelkove oder Mehlbeere.

Woher kommt nun aber die Rose im Namen und Wappen der Stadt? Die einen sagen, dass sie ursprünglich Rossenheim hieß, benannt nach den Rössern, die die Transportschiffe innaufwärts zogen. Andere führen das Wort „Roas“ an, das früher Sumpf- und Torfgebiete bezeichnete. Es gibt sie immer noch im Umland.

Mit „Rosen“ könnten aber auch die vielen hübschen, jungen Mädchen der Stadt gemeint gewesen sein. Weniger romantisch, aber plausibel: Die Wasserburger Grafen, die zur Ritterszeit in der Region das Sagen hatten und in ihrem Wappen drei silberne Rosen führten, haben der damaligen Siedlung quasi eine Rose spendiert – und die hat Rosenheim mehr als verdient!

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