Der Regensburger Künstler in seinem Atelier
Bayern-Insider | Andre Maier

Kommando Street-Art

Andre Maier ist Mural-Artist. Er bringt meterhohe Kunstwerke auf Regensburger Wände und macht die Stadt damit bunter. Ganz legal und mit offiziellem Auftrag. Wir haben uns mit ihm auf die Spuren seiner Arbeit begeben

Künstler Andre Maier

Verwinkelte Gassen, pastellfarbene Fassaden, Kopfsteinpflaster und mittendrin der Dom. Das 2.000 Jahre alte Regensburg, ein UNESCO-Welterbe, versprüht jede Menge Mittelalter-Flair. „Eine der schönsten Städte der Welt“, schwärmt Künstler Andre Maier von seiner Wahlheimat. „Trotzdem möchte ich sie noch ein bisschen schöner machen.“

Andre ist auf Mural-Art spezialisiert, Wandkunst. Er bemalt Fassaden nicht im Rahmen von illegalen, nächtlichen Spraydosen-Aktionen wie die Graffiti-Writer, sondern mit Fassadenfarbe, Pinsel und Wandroller. Völlig legal und mit Street-Art-Auftrag in der Tasche. Der kommt mal von Privatkunden, mal von städtischen Institutionen.

Der Künstler hat alle vier Fassaden des „Jugendzentrums Kontrast“ mit bunten Fantasiewelten verschönert, er hat die „Bar Palletti“ und den Eingangsbereich des Kultur- und Kreativzentrums „Das Degginger“ künstlerisch bereichert. Sein in jeder Hinsicht überragendes Werk ist der Innenhof des Hotels „Münchner Hof“. Dort hat er auf einer Hauswand das Bildnis einer Frau realisiert, das sich über fünf Stockwerke erstreckt.

Fünf Stockwerke hohes Mural des Hotels "Münchner Hof"

Fünf Stockwerke hohes Mural des Hotels "Münchner Hof"

Miss Regensburg mit Schoßhund

Die Frau trägt eine mittelalterliche Rüstung und einen Schoßhund im Arm. „In ihr habe ich Regensburg porträtiert“, erzählt Andre. „Die Rüstung symbolisiert das Mittelalter. Das Hündchen steht für uns Bewohner, um die sich die Stadt fürsorglich kümmert. Dieses Mural war für Regensburg etwas wirklich Neues. Aber ich habe bisher nur absolut positives Feedback bekommen.“

Andre Maiers Stil orientiert sich an klassischer, akademischer Kunst. Aber auch Jugendstilelemente spielen eine Rolle. Oft stehen Frauengestalten und -gesichter im Mittelpunkt, eingebettet in dekorative Elemente, und immer mal wieder lugt irgendwo das majestätische Gesicht eines bayerischen Löwen hervor. Ein gewisser Fantasy-Zauber weht durch sein Werk.

„Heute müssen wir halt schauen, dass die neue Mural-Art zur Stadt passt."

 

Löwe in Lederhose, Krokodil im Dirndl

„Manchmal gehe ich ins Historische Museum von Regensburg und sehe mir alte Zeichnungen vom mittelalterlichen Stadtbild an. Schon damals waren viele Fassaden bunt bemalt“, erzählt Andre. Später seien Barockfassaden draufgesetzt worden.

„Heute müssen wir halt schauen, dass die neue Mural-Art zur Stadt passt. Sie muss ruhig sein, nicht zu bewegt, sie muss die Wände, die Farben von Regensburg respektieren. Dann ergibt sich am Schluss ein harmonisches Ganzes.“

Maier, der weißrussische Künstler mit dem Hipster-Bart, ist auch sonst eine enge Verbindung zu seiner Heimat eingegangen. Er grüßt mit „Servus“, liebt Trachtenumzüge und die Dult und hat sich vor einigen Jahren „Zoo Bavaria“ ausgedacht. Das sind Bilder aller möglichen Tiere vom Mops über den Löwen bis hin zum Krokodil, die fesch in Dirndl, Lederhose und Karohemd stecken.

Diesen bayerischen Tierpark gibt es auch aufgedruckt auf Taschen, Rucksäcken und vielen anderen Artikeln. Wildfremden Menschen zu begegnen, die zum Beispiel ein „Xaver, das Krokodil“-T-Shirt tragen, erfüllt den Wahl-Regensburger immer wieder mit großem Glück. Sein persönliches Lieblingsmotiv? „Natürlich Loisl, der Löwe!“

Mural am Eingang zum "Degginger"

Mural am Eingang zum "Degginger"

Street-Art nur in Innenhöfen, bitte!

Wer durch Regensburgs Altstadt spaziert und den Blick über die Fassaden der frühgotischen Wohnhäuser mit ihren Zinnendächern, Erkern und Sprossenfenstern gleiten lässt, bekommt von Maiers Wandkunst nichts zu Gesicht. „Als UNESCO-Welterbe steht die Stadt unter besonderem Schutz. Ich kann nur in Passagen oder Innenhöfen arbeiten“, meint der zweifache Vater augenzwinkernd.

Andre lebt seit 2010 in Regensburg. Ursprünglich stammt er aus der weißrussischen Stadt Witebsk, der Geburtsstadt von Marc Chagall. Im Alter von 25 Jahren kam der Russlanddeutsche als Spätaussiedler nach Deutschland. „Ich liebe Regensburg“, erklärt der studierte Kunstlehrer voller Überzeugung. Er hat sich ausführlich auch mit der Geschichte der Stadt beschäftigt und findet, dass moderne Wandkunst und 2000-jährige Historie hervorragend zusammenpassen.

Andre gestaltete auch die Speisekarte des „Degginger“

3 Tipps

... von Andre

Kreativzentrum „Das Degginger“

Einer meiner Lieblingsorte in Regensburg ist „Das Degginger“ in der Wahlenstraße. Einfach, weil ich dort schon so viele Projekte gemacht habe. Ausstellungen, dann das Mural im Eingangsbereich und viele Live-Paintings. Zu dem Kreativzentrum gehört auch ein schönes Café, da habe ich übrigens die Speisekarte gestaltet. Mit ungefähr 100 Illustrationen!
regensburg.de

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Das Museum der Bayerischen Geschichte gefällt mir sehr. Es erzählt Bayerns Entwicklung zum Freistaat, auch anhand von Exponaten aus der Alltagskultur. Dass auch solche Dinge erhalten bleiben, finde ich sehr wichtig.
museum.bayern

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