Radfahrer auf dem Oberpfälzer Bockl-Weg
Bahngleise, Bier und Brotzeit

Die knapp 52 Rad-Kilometer auf der ehemaligen Eisenbahntrasse „Bockl“ sind voller Überraschungen, auch kulinarischer Art. Wir radelten einem Tag von Neustadt an der Waldnaab bis Eslarn nahe der tschechischen Grenze – mit viel Zeit und Genuss

Lesezeit: 10 Minuten

Radweg in der Oberpfalz

SPONSORED STORY  Auf den Altweibersommer im Oberpfälzer Wald ist Verlass. Ein prächtiger Abend empfängt uns bei der Ankunft in Neustadt an der Waldnaab. Vor knapp anderthalb Stunden sind wir in Nürnberg in den Zug gestiegen, jetzt startet unser Kurztrip am beschaulichen Zielbahnhof direkt am Bockl. Rechts und links des Gleises beginnt schon der Wald. Es duftet nach Tannen, schwerer Erde und Pilzen.

Schild mit der Aufschrift

Wir reisen am Vorabend an, weil wir vom Restaurant „Kuhlemann“ gehört haben. Das Lokal ist fast immer voll, aber es gelingt uns, einen Platz zu ergattern. Inhaber Adrian Kuhlemann hätte überall auf der Welt kochen können: New York, Rio, Tokio. Aber er wollte sich in seiner Heimat, in seinem Elternhaus in der Oberpfalz verwirklichen. Der unkonventionelle Chefkoch serviert Aromaüberraschungen, die sogar Feinschmecker aus dem 100 Kilometer entfernten Regensburg anlocken.

Oberpfälzer Gemüsesorten

Kuhlemann baut sein Gemüse im eigenen Gewächshaus an. Längst vergessene Oberpfälzer Sorten wie Winterrettich oder spezielle Kräuter, den „Geschmack der Heimat“, aus den Wäldern und den Wiesen der Umgebung. Mit diesen ist Kuhlemann aufgewachsen.

Warmes Licht erhellt kantige Holztische im Gastraum. Als Kind habe er hier schon geholfen, sagt der 32-Jährige und schmunzelt. Auf meinem Teller umgibt ein Feldsalat-Kartoffel-Püree mit Vogelbeeren den zarten Ochsen. Der Nachbar schwärmt von seiner gelben Tomatensuppe.

Adrian Kuhlemann wie er seine selbstgekochten Gerichte anrichtet

„Regionaler geht es nicht“, sagt Bio-Fan Adrian Kuhlemann. „Wir holen fast alle unsere Produkte bei örtlichen Landwirten.“ Mit dieser Art zu kochen kennt er sich aus: Er arbeitete schon in Andree Köthes Essigbrätlein in Nürnberg und bei Vincent Klink im Restaurant Wielandshöhe in Stuttgart. Beide Sterneköche waren Pioniere regionaler und saisonaler Kost von höchstem Niveau.

Felder, Apfelbäume und Tannen

Nach einer kühlen, klaren Nacht glitzern die taubedeckten Fäden der Spinnennetze in der Morgensonne, als wir uns auf unsere Räder schwingen. Erst treten wir noch angestrengt in die Pedale, bald gleiten wir in einem fließenden Rhythmus vorbei an abgeernteten Feldern, üppig tragenden Apfelbäumen und Schatten spendenden Tannen, deren Kronen schützend unseren Radweg säumen.

Die nächsten Kilometer gibt es kaum Steigungen. Wir erreichen gut gelaunt den historischen Marktplatz von Vohenstrauß. Schnell noch einen Abstecher zum Schloss Friedrichsburg, dem Wahrzeichen der Stadt, dann wollen wir in den hiesigen Hofladen. Dort treffen wir Veit Reisberger und Sandra Stengel-Rewitzer. Das liebevoll eingerichtete Geschäft der ortsansässigen Händler ist so gut bestückt, dass man sich sowohl mit täglichem Bedarf als auch mit Geschenken eindecken kann. Es gibt Käse, Wurst und Schokolade, aber auch Kaffee, Spirituosen und Kunsthandwerk.

Im Hofladen am Marktplatz lassen sich Spezialitäten aus der Region und Kunsthandwerk erstehen

Sandra Stengel-Rewitzer ist Herz und Seele des Hofladens und beschäftigt sich seit sie denken kann mit Wildkräutern. Sie hat sogar ein Diplom als Wildkräuterführerin. Noch wichtiger sind die 3000 Quadratmeter direkt neben ihrem Wohnhaus, wo sie ihre Kräuter hegt und pflegt. Aber natürlich sind nicht alle 800 Artikel im Hofladen alleine von Sandra. Sie deutet auf Whisky, Straußeneierlampen und Gewürzkissen.

Inhaber Veit Reisberger, graue Haare, verschmitztes Lächeln, ist in der Stadt ebenfalls kein Unbekannter. In Vohenstrauß aufgewachsen, zog es ihn als 19-Jährigen hinaus in die weite Welt der Luxushotellerie und Spitzengastronomie. 36 Jahre war er weg. Seit 2019 ist er wieder daheim und betreibt das Inklusionscafé „friedrich“ und – gemeinsam mit Sandra – den Hofladen Vohenstrauß.

Inhaberin Sandra Stengel-Rewitzer und Geschäftspartner Veit Reisberger vom Hofladen

Wallfahrtskirche oder Selfie-Hotspot?

Gut gestärkt geht es ins Städtchen Pleystein. Ein mächtiger Berg erhebt sich am Dorfrand, ein Felsen aus Rosenquarz 38 Meter hoch. Wir lassen die Räder unten stehen, um über Treppenstufen das Gipfelplateau zu erklimmen.

Der Ort ist wie aus der Zeit gefallen. Umrandet von Grünschattierungen thront die stolze Wallfahrtskirche auf dem Fels. Kein Wunder, dass dieser Ort zu den „100 schönsten Geotopen Bayerns“ zählt.

Die sanften Hügel der nächsten Etappen meistern wir mit eingebautem Rückenwind. Denn wir wechseln auf E-Bikes. Praktischerweise gibt es einige Verleihstellen und Ladestationen entlang des Bockls. Wir bewundern die Natur jetzt noch aufmerksamer. Singvögel flattern durchs Geäst, Pferde lassen ihre Schweife pendeln.

In der Ortschaft Waidhaus, am früheren Bahnhof, entdecken wir einen historischen Güterwaggon – ein beliebtes Selfie-Motiv von Instagramern. Wir knipsen auch. Wie es wohl war, als der Bockl noch täglich fuhr und die Menschen hin- und hertransportierte? Als er über ein Jahrhundert lang als lokaler Zug durch die Landschaft tuckerte?

Wallfahrtskirche auf einem auf einem Rosenquarzfelsen
Historischer Güterwagon am Bahnhof in Waidhausen

Geheimnisse von Kommunbier und Zoigl

Endstation unserer Fahrradtour ist der Markt Eslarn. Im Museum „Biererlebnis Kommunbrauhaus“ werden wir bei einer Führung in die Geheimnisse von Kommun- und Zoiglbier eingeweiht: Ein naturtrübes Bier, gebraut wie vor Jahrhunderten.

Das dazugehörige Kommunbrauhaus ist das Reich von Georg Zierer. Er ist stolze 95 Jahre alt und – vermutlich – dank seines Gerstensaftes so vital, dass ihn jeder wesentlich jünger schätzt. Seit sechs Jahrzehnten braut er in Eslarn, ein Bier, das es nur im Oberpfälzer Wald  gibt. Zwei von Zierers Söhnen helfen tatkräftig mit. Vater und Söhne sind stolz, dass der Zoigl mit dem Titel „Immaterielles Weltkulturerbe“ von der Unesco geadelt wurde.

Darauf stoßen wir an. Mit einem süffigen Hellen feiern, dass wir die 52 Kilometer vom Bockl an einem Tag geschafft haben.

Bierkrüge im Museum Biererlebnis in Markt Eslarn

Weitere Infos zur Region Oberpfälzer Wald und dem Bockl.

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