Kanufahrer bei einer Kanufahrt auf der Donau, in einem roten Kanu, nahe der Weltenburger Enge
Mitten durch!

Weltenburg ist bekannt für die älteste Klosterbrauerei der Welt. Seit 1050 wird dort gebraut. Hinter der nächsten Flussbiegung beginnt die Weltenburger Enge, der Donaudurchbruch mit bis zu 80 Meter hohen Kalkfelsen. Wir erkundeten Bayerns erstes Nationales Naturmonument im Kanu

Lesezeit: 15 Minuten

Kanufahren auf der Donau: Weltenburg und Donaudurchbruch

Dreimal Gold beim prestigeträchtigen World Beer Cup – das muss man erst mal hinkriegen! Dem untergärigen „Barock Dunkel“ aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt ist es gelungen. Auch „Asam Bock“, „Märzen Anno 1050“ und Co. räumen regelmäßig ab. Ein Reigen von über hundert internationalen Medaillen spricht für sich.

Die Lage des Klosters Weltenburg berauscht auch ohne Bierkonsum. Bayerns älteste Klosterniederlassung thront in einer großen Donauschleife. Das Setting? Ums Eck der felsenreiche Donaudurchbruch, gegenüber ein dichter Waldhang, oberhalb der Frauenberg und unten an der Donau eine barfuß- und flipsteinfreundliche Kiesbank.

Die fällt je nach Wasserstand mehr oder weniger groß aus, bei unserer Ankunft eher größer. Markierungen an der Klosterwand erinnern jedoch an verheerende Hochwasserfluten, die bis ins Erdgeschoss schwappten, zuletzt 1999.

Blick auf das Kloster Weltenburg an der Donau

Davon sind wir weit entfernt, mit jedem heißen Sommertag fällt der Pegel. Unterschreitet er in Kelheim die Marke von 2,25 Metern, müssen die Ausflugsschiffe den Verkehr einstellen.

Wer dann die Weltenburger Enge „erfahren“ will, muss umsteigen. Etwa auf Zillen, traditionelle, längst motorisierte Open-Air-Holzboote für ungefähr zehn Passagiere. Oder – gewerbliche Mietgefährte sind in diesem Abschnitt tabu – ins private Kanu. Genau damit wollen wir uns auf den (Wasser-)Weg machen, Vorlauf inklusive.

Ein Mann und eine Frau sitzen am schattigen Ufer der Donau, zwei rote Kanus stehen vor ihnen auf der Kiesbank
Schafherde im Schatten der Bäume am Ufer der Donau

Immer anders, immer aufregend

Unsere Begleitung, Franziska Fruth, treffen wir um 9 Uhr an der Donaubrücke in Vohburg. Großes Hallo. Großes Vorbereiten, samt Kanu aufpumpen, Brotzeit verstauen, Schwimmwesten anlegen. Dann setzen wir ein. Ein erhabenes Gefühl, befahren wir doch die „Königin unter Europas Flüssen“, bei zehn Anrainerstaaten und 2.850 Kilometern Gesamtlänge ein berechtigter Titel.

Erst Ende Juni sind im nahen Ingolstadt bei der Tour International Danubien (TID), die sich als weltgrößte Kanuwanderfahrt bezeichnet, wieder rund hundert Kanuten gestartet. Für die Reise ins Donaudelta veranschlagen sie elf Wochen. Unsere Endstation hingegen ist nur 28 Kilometer entfernt: Kelheim lässt sich in etwa fünf Netto-Paddelstunden erreichen.

Eigentlich bräuchte es auf der selbst für Einsteiger und Familien geeigneten Etappe keinen Guide. Doch dank Franzi erfahren wir mehr. Schließlich hat sie während ihrer Zeit im Kanu-Club Kelheim unzählige Stunden auf dem Wasser verbracht. Auch wenn die 42-Jährige mittlerweile am Alpenrand lebt, bleibt die Verbundenheit mit Familie, Fluss und Verein. Praktisch: Mutter Marianne fungiert dort als erste Vorsitzende.

„Ich bin die Doana schon Hunderte Male gefahren“, so Franzi, „und doch ist sie jedes Mal anders. Manchmal schneller, manchmal langsamer, manchmal braun, manchmal blau.“ Heute eher grün, klar und mit 23 Grad recht warm.

Eine Zille, ein flachbodiges Holzboot, chauffiert Gäste durch die Weltenburger Enge
Zwei Kanufahrer auf der Donau steuern auf die Kiesbänke vor Kloster Weltenburg zu

Zwei Künstlerbrüder, sieben Mönche

Friedrich Hölderlin nannte die Donau einen „erfrischenden, melodischen Strom, mal übermütig schäumend, mal heiter träumend“. Auf die Etappe Vohburg–Kelheim trifft Letzteres zu. Der bis zu 100 Meter breite Strom fließt sanft dahin, ab und an ragen Ufersteine aus dem Wasser. Generelle Kulisse: Weidengewächse, Wiesen, Wald. Alles im grünen Bereich, Ausstieg schwierig. Für weiße Farbkleckse sorgt einmal eine riesige Schafherde am Wasser. Von Menschen oder ihren Behausungen, etwa bei Neustadt, kriegt man kaum etwas mit.

In Eining lassen wir die Überreste des Römerkastells Abusina, Bestandteil des UNESCO-Welterbes Obergermanisch-Raetischer Limes, rechts liegen. Ebenso den Biergarten an der Fähre: Montag ist Ruhetag! Also auf zu den Kiesbänken gegenüber von Haderfleck. Picknicken, baden, Graureiher spotten.

Idyllisch, doch Franzi weiß: „Das Beste kommt erst!“ Mag sein, doch ums nächste Eck folgt zuerst eine weitere Seilfähre, ein Busparkplatz, pilgernde Ausflügler auf dem Weg zum Kloster Weltenburg eine Flusskurve weiter. Die meisten Besucher kommen stromaufwärts mit dem Ausflugsschiff aus Kelheim.

Blick von oben auf ein Ausflugsschiff auf der Donau
Sauerbraten mit Knödel und dunklem Radler in der Klosterschenke des Kloster Weltenburg

Da wir unter der Woche unterwegs sind, finden wir locker einen Platz in der Klosterschenke und genießen Eiskaffee, Apfelkuchen und dunkles Radler. Süffig, erfrischend, ungewöhnlich. Mit Kühle punktet auch das Besucherzentrum im Felsenkeller. Wir reißen uns vom weltberühmten Weltenburger Stier los, einer Kopie der kleinen, keltischen Bronzefigur.

Gleich beginnt die Führung in der Klosterkirche, eine der wichtigsten Barock-Sakralbauten Europas. Bereits mit ihrem ersten Werk haben die Brüder Asam ein Fanal gesetzt. Der Bühnenaltar samt Pferd und heiligem Georg, der gegen einen Drachen kämpft! Zahlreiche Wimmelwandbilder! Das Deckenfresko, auf dem sich die Asam-Brüder aus Jux selbst verewigt haben (sie erinnern an den jungen Thomas Gottschalk!). Die halbstündige Führung ist überraschend kurzweilig.

Über Langeweile kann sich Frater Matthias, einer von sieben Brüdern im Benediktinerkloster, ebenfalls nicht beschweren. Im „Gästehaus St. Georg“ hat er alle Hände voll zu tun, im kaufmännischen wie im kommunikativen Bereich. Zeigt Seminarteilnehmern, Pilgern, „normalen“ Gästen den Weg und die Zimmer, ermuntert zum baldigen Essen: „Um halb sieben machen wir dicht.“ Für danach empfiehlt er uns einen Spaziergang zur Frauenbergkapelle – ein guter Tipp, denn im Abendlicht wirkt das Klosterareal besonders beschaulich.

Blick aus einem der Zimmer des „Gästehaus St. Georg“ im Kloster Weltenburg auf die Donau
Blick vom Kiesbett auf die Donau und die Weltenburger Enge im Abendlicht

Unterwegs mit dem Ranger

Was es mit dem Etikett „Bayerns erstes Nationales Naturmonument“ auf sich hat, erklärt Andreas Kerner, den wir tags darauf in Stausacker treffen. Auf dem Weg zum Aussichtsfelsen erzählt der Ranger, warum es 2020 zu dem Schutzgebiet-Upgrade kam: „Mit einer Größe von 197 Hektar beherbergt das Gebiet beeindruckende und geologisch wertvolle Kalkfelswände mit einem hohen Fossilienreichtum sowie Karsthöhlen.

Darüber hinaus umfassen die dortigen Laubwälder Relikte des Steppenheide-Eichenwalds und Bestände mit alten Eiben.“ Aha! Diesen Naturraum gilt es zu schützen und das bedarf Aufklärung, weshalb gleich drei Ranger im Einsatz sind. Ihr Credo: „Naturschutz geht nur mit den Leuten, nicht gegen sie.“

Ranger Andreas Kerner stellt am Donaudurchbruch Schilder für den Naturschutz auf

Uhus und Wanderfalken

Wie bestellt kommt uns im Wald ein Biker entgegen. Andreas weist ihn höflich auf das im Kernbereich geltende Radfahrverbot hin. „Oh, wusste ich nicht“, erwidert der und deutet auf sein Navi. Ein klarer Fall für Andreas‘ Kollegen, der als Digitalranger bei Komoot und Outdooractive fragwürdige Routen im Netz aufspürt. Kurz danach erinnert Andreas ein Pärchen an das Wegegebot. Immerhin: „Die allermeisten zeigen Einsicht, nur etwa jeder Zehnte stellt sich quer.“

„Naturschutz geht nur mit den Leuten, nicht gegen sie“

Zu Andreas‘ Job gehören auch Führungen, Schwerpunkt Pflanzen- und Tierwelt. „Zwanzig Arten entdeckt man leicht bei einer Wanderung“, meint er und zählt einige prominente Bewohner der Weltenburger Enge auf: Uhu, Wanderfalke, Eisvogel, Bussard, Gelbbauchunke, Feuersalamander, Kelheimer Glanzschnecke und viele mehr.

Im Bereich Botanik ragt die Küchenschelle heraus. Für ihren Schutz wurden etliche Trampelpfade zu den Felszacken mit Blick auf Kloster und Durchbruch gesperrt, einer jedoch ausgeschildert. Stichwort „Leute mitnehmen, nicht alles verbieten!“

Ranger Andreas Kerner und Autor Christian Haas blicken von oben auf die Weltenburger Enge
Informationstafel zu den Weltenburger Wanderwegen am Donaudurchbruch

Alles im Fluss

Wandern und Ausblick von oben – schön und gut. Aber uns juckt’s, wir wollen „den Bruch“ endlich live erleben. Zillenfahrer Erwin bringt uns zum Kloster gegenüber. „Ich fahr’ nach Bauchgefühl und Situation. Einen Fahrplan gibt es nicht.“

Wir steigen in die eigenen Boote um, los geht’s. Ob es im Donau-Canyon Strudel gibt, gefährliche Strömungen, wollen wir wissen. Kam es doch immer wieder zu Unfällen, gar mit tödlichem Ausgang.

„Kann tatsächlich mal kritisch werden, etwa bei zu viel Wasser“, so Franzi. Neben dem höheren Donaupegel, der den Fluss schneller macht, sorgte in der Vergangenheit wohl eher manch erhöhter Bierpegel für Probleme, insbesondere beim Manövrieren mit Motorschiffen.

Auf den nächsten fünf Kilometern kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. Steile Felswände ragen bis zu 80 Meter über das Wasser. Franzi erklärt wie am Fließband. Hier: die monströse Römerwand! Dort: die kleinen „Feindlichen Brüder“, ein halbkugeliges Steintrio! Im Fels eine Nepomuk-Statue. Und da hinten „Napoleons Reisekoffer“, „Riesenechse“ und „Bischofsmütze“. Viele Felsnamen, viele Mythen.

Kanufahrer auf der Donau im Hintergrund die Befreiungshalle bei Kelheim

Erhabener Hingucker

Nach gut 20 Minuten Paddeln ragt die Befreiungshalle aus dem Wald empor. Monumental! Mehr davon! Also landen wir beim Vereinsheim des Kanu-Clubs Kelheim an, verstauen die Boote und marschieren hinauf zu dem imposanten Rundbau, bei dessen Eröffnung im Jahr 1863 König Ludwig I. angeblich in Tränen ausbrach.

Auch heutzutage sind viele Besucher ergriffen angesichts der 18 kolossalen Frauenstatuen, die Schilder mit den Namen all jener deutschen Völker hochhalten, die Napoleon in Leipzig besiegten: Schwaben, Bayern, Franken und viele mehr. Der 45 Meter hohe Kuppelraum prunkt mit vielfarbigem Marmor, einem Marmormosaik auf dem Boden und 34 Siegesgöttinnen, natürlich auch aus Marmor.

18 kolossale Frauenstatuen aus Marmor befinden sich außen an der 1863 eröffneten Befreiungshalle in Kelheim
Blick in den Innenraum der Befreiungshalle mit vielfarbigem Marmor, einem Mosaik am Boden und 34 Siegesgöttinnen, natürlich auch aus Marmor

Ganz oben genießen Besucher einen letzten Wow-Moment: den Blick auf die ebenfalls zum Naturschutzgebiet zählenden Altmühlleiten und Hirschberg, das Hopfenland Hallertau in der Ferne und Kelheim sowie die Donau zu Füßen.

Ob man eigentlich noch weiter paddeln könne, fragen wir Franzi. „Na klar, bis zum Schwarzen Meer!“, lacht sie. Oder bis Matting vor Regensburg. Wobei es dort nicht mehr ganz so romantisch zugeht. Bundeswasserstraße bedeutet halt auch: große Schiffe, Motorboote, Wing-Foiler.

All das hat man in der Weltenburger Enge nicht. Und Frater Matthias im Ohr: „Im Sommer herrscht rund ums Kloster oft Halligalli, doch wenn die Schifffahrt Mitte Oktober eingestellt ist, kommt plötzlich der Tag, an dem alles ganz still wird.“ Dann entfalte der Donaudurchbruch seinen ganz eigenen Reiz.

Kanufahrer auf der Donau paddeln unter den tief hängenden Ästen eines Baumes hindurch

Paddel-Knigge

  1. Abstand zu den Schilf- und Uferzonen sowie zu den Ausflugsschiffen halten.
  2. Schwimmwesten tragen.
  3. Anfänger sollten nur bis zu einem Pegelstand von 300 cm (Mess-Stelle Kelheim) fahren, Geübte bis 350 cm. Bei Hochwasser besteht Lebensgefahr!
  4. Die Donau darf aus Naturschutzgründen im Bereich zwischen Kloster Weltenburg und Kelheim nur mit eigenen Booten befahren werden.

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