Kiosk Reichenbachbrücke
Berlin an der Isar

München ist nicht nur Schickeria. Beim Besuch der etwas „schrägeren“ Ecken der Stadt merkt man schnell: München kann auch anders. 12 Orte, an denen ihr das hautnah erlebt. Text: Ornella Cosenza, Fotos: Thomas Linkel

Lesezeit: 15 Minuten

12 x München angesagt und kreativ

Von wegen „Schickeria“ und „Bussi Bussi“! Abseits der bekannten und vielbesuchten Sehenswürdigkeiten wird es erst richtig spannend in München. Unsere Autorin empfiehlt 12 Orte, an denen man die Landeshauptstadt kiezig, kreativ und knallbunt erleben kann. Ein bisschen wie Berlin, nur an der Isar.

Schiff ahoi: Alte Utting

Ein altes Schiff auf einer stillgelegten Eisenbahnbahnbrücke, und das mitten in der Stadt – so was gibt es nur in München! Die Brücke mit dem Schiff im Stadtteil Sendling sticht sofort ins Auge. Im Sommer kann man hier wunderbar mit einem kühlen Getränk an Deck sitzen und den Sonnenuntergang genießen, im Winter gibt’s Glühwein und Lagerfeuer. Das ganze Jahr über werden Pizza, Crêpes, vegane und westafrikanische Gerichte serviert und, wenn es pandemiebedingt möglich ist, gibt es ein abwechslungsreiches Kulturprogramm für Jung und Alt. Die „MS Utting“ war bis Ende 2016 auf dem Ammersee in Betrieb. Der Transport des 144 Tonnen schweren Dampfers nach München gestaltete sich äußerst aufwendig, doch seit Juli 2018 thront das Schiff nun in Sendling.
alte-utting.de

 

Bahnwärter Thiel: Graffiti, Club und Ateliers

Auf dem Gelände des ehemaligen Viehhofs lautet das Motto: nachts Techno, tagsüber Kunst und Biergarten. Das „Bahnwärter Thiel“ hat sich als Treff- und Angelpunkt für Nachtschwärmer und Künstler und Künstlerinnen etabliert. In alten Schiffsfrachtcontainern arbeiten die Kreativen der Stadt, Sprayer schmücken die Wände mit Graffitis. Bei Sonnenschein sitzt es sich hervorragend im Biergarten. Wer Lust hat, bleibt, bis es dunkel wird, und tanzt bis in die frühen Morgenstunden. Im Sommer wird schon mal ab Mittag zu Techno-Raves unter freiem Himmel getanzt. Wer es lieber ein bisschen ruhiger mag, erlebt Lesungen, kleine Konzerte oder Ausstellungen in einem alten Münchner U-Bahn-Wagen oder schaut vorbei, wenn mal wieder ein Flohmarkt auf dem Gelände stattfindet.
bahnwaerterthiel.de

„Gans am Wasser

„Gans am Wasser“: Kaffee und Kuchen am Mollsee

Entspannt Kaffee trinken und Kuchen essen, während Gänse über den See steuern – das geht im Bauwagencafé „Gans am Wasser“. Der Name ist Programm. Das Café liegt direkt am Mollsee im Westpark und ist damit ideal für einen Zwischenstopp bei einem Spaziergang durch den Park. Hier findet man Ruhe und ist doch noch mitten in der Stadt. Im Winter muss man nicht frieren – die kuschelig beheizte Jurte lädt zum Verweilen ein. In den Sommermonaten gibt es Plätze im Freien unter Sonnenschirmen. Liebevoll gestaltet mit bunten Lichterketten und Leuchten ist das Café ein echter Hingucker. Ein Kulturprogramm mit Workshops, Live-Musik und Lesungen sorgt für Abwechslung und lädt zum Mitmachen ein.
gansamwasser.de

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Giesinger Grünspitz: Entspannen unter Kastanienbäumen & Urban Gardening

Wo früher mal Autos verkauft wurden, steht heute ein Gemeinschaftsgartenprojekt von Green City e.V.: der Giesinger Grünspitz. Konzerte, Beete bepflanzen, Yoga oder einfach nur eine Pause vom Stadttrubel machen – das alles ist dortmöglich. Der Grünspitz hat sich zu einem beliebten Treffpunkt der Giesinger Nachbarschaft entwickelt, aber alle anderen sind hier auch willkommen. Besonders schön wird’s im Sommer. Wer Schatten sucht und ein bisschen Ruhe, der wird hier fündig. Die Kastanienbäume auf der Freifläche sorgen für angenehme Frische. Und wer mal keine Lust auf den klassischen Münchner Biergarten hat, der kommt eben zum Kiosk-Café am Grünspitz – auch Mitgebrachtes darf gegessen werden.
greencity.de/projekt/giesinger-gruenspitz

„Gans wo anders

Märchenhaft: Das Hexenhäusl „Gans Woanders“

Ist das noch München oder schon ein Märchen? Ein bisschen wie bei Hänsel und Gretel fühlt man sich im Hexenhäusl „Gans Woanders“ nicht weit vom Kolumbusplatz. Das verwunschene, verwinkelte Holzhäusl samt Außenbereichen mit Sitzgelegenheiten passt so gar nicht zu seiner Umgebung, es sticht geradezu heraus. Täglich geöffnet, auch abends, gibt es hier alles von Kuchen bis Pizza, auch vegetarische Speisen. Außerdem: Nachhaltigkeit wird großgeschrieben. Gäste dürfen ihre eigenen Becher für Getränke mitbringen. Bei heißem Pudding und Glühwein lässt es sich auch in der kalten Jahreszeit auf den Terrassen gut aushalten. Ob allein oder in Begleitung – im Hexenhäusl in Giesing fühlt sich jeder wohl.
ganswoanders.de

Container Collective im Werksviertel

Container Collective: Zwischen Graffiti und Bahnhofsflair

Das Container Collective im Werksviertel direkt am Ostbahnhof besteht aus 39 ausgedienten Übersee-Containern. Natürlich haben sich auch dort lokale Graffiti-Künstler ausgetobt. In der „Transit“ Rooftop-Bar sitzt man mit Blick auf die Gleise des Ostbahnhofs und auf das Werksviertel. Sundowner mit Live-DJ und Großstadt-Flair oder Kunstvergnügen mit Kaffee – hier wird es nicht langweilig. Auch nicht im Winter. Ab November wird's in der kleinen Container-Stadt gemütlich: Bio-Glühwein, warme Leckereien, bunte Lichter und Eisstockschießen machen einen Besuch dort auch während der dunklen Jahreszeit zum Vergnügen.
werksviertel-mitte.de

Kiosk Reichenbachbrücke

Reichenbachkiosk: Späti in München

„Spätis“ wie in Berlin sucht man in München vergeblich. Einzigartig in der Stadt und schon eine Legende ist deshalb der Reichenbachkiosk. Nur eine Stunde ist er geschlossen: von 5 bis 6 Uhr morgens. Ansonsten ist der Kiosk rund um die Uhr geöffnet. Dort bekommt man alles: Getränke, Snacks, Postkarten. Außerdem bietet der Kiosk über 300 verschiedene Biersorten aus aller Welt an. Wie der Name verrät, liegt er an der Reichenbachbrücke an der Isar. Schon vor der Pandemie kam es zu Schlangenbildung, das ist unverändert geblieben. Nicht selten trifft man Freunde und Bekannte beim Warten und mit irgendwem kommt man sowieso immer ins Gespräch. Das Schönste: An diesem Ort treffen wirklich alle Altersgruppen aufeinander.
kiosk-muenchen.de

Beliebt bei Studenten und Studentinnen: Das „Lost Weekend“

Lost Weekend: Workspace und Kunst im Univiertel

Wo früher eine Universitätsbuchhandlung war, ist heute ein bei Studenten beliebtes Café: das „Lost Weekend“. Hinter den großen Fensterscheiben in der Schellingstraße sitzen meist viele Studenten, die sich Notizen machen oder auf ihren Laptops tippen. Manche treffen sich auch einfach nur zur Kaffeepause. Serviert werden vegane Snacks und Kuchen. Das Motto des Cafés lautet „Love kills capitalism“. An den Schaufenstern werden Arbeiten von Kunststudenten ausgestellt, abends finden Live-Sessions, Lesungen, Open Stages und Künstlergespräche statt – alles zu studentenfreundlichen Eintrittspreisen.
lostweekend.de

Rote Beete Hummus im „Servus Habibi“

Döner und Falafel: Türkitch & Servus Habibi

Die wohl beliebteste Dönerbude in München heißt „Türkitch“ – mit mittlerweile drei Filialen in Untergiesing, in der Maxvorstadt und am Hauptbahnhof. Halloumi und Döner und die große Auswahl an Soßen locken Jung und Alt. Ob es den besten Döner in München oder Berlin gibt, darüber kann man sich später streiten. Falafel gibt es natürlich auch, aber wer mal etwas Neues ausprobieren möchte, der sollte bei „Servus Habibi“ in der Schillerstraße nahe dem Hauptbahnhof vorbeischauen – Libanon trifft Israel trifft Bayern! Falafel und Rote Beete? Klingt nur so lange komisch, bis man es probiert hat.
servus-habibi.de, tuerkitch-koefte-kebap-muenchen.de

Kreativquartier „Import Export“

Import Export: Raum für Kreativität

Das „Import Export“ im Kreativquartier liegt in Schwabing-West und ist die Adresse für die kreative Szene Münchens. Es lädt aber auch Menschen dazu ein, sich zu begegnen und einzubringen. Neben einer Werkstatt für Kinder und Jugendliche und einer Kantine mit Gerichten aus aller Welt wird auch politische und kulturelle Bildung betrieben. Auf dem Gelände des Kreativquartiers arbeiten Künstler und Künstlerinnen aus den verschiedensten Bereichen. Fast jeden Abend steht etwas auf dem Programm – von bildender Kunst und Performances über Musik bis hin zu Theater.
import-export.cc

Café „Bellevue di Monaco

Bellevue di Monaco: Engagement statt Gentrifizierung

Das Konzept des Bellevue di Monaco ist einmalig in München: Es ist ein Wohn- und Kulturzentrum für Geflüchtete und Münchnerinnen und Münchner mitten im Glockenbachviertel. Seit 2018 trifft man im „Café Bellevue“ nicht nur die Nachbarschaft und die Bewohner. Dass das ein toller Ort ist, hat sich schnell herumgesprochen. Auf der Mittagskarte stehen äthiopische, syrische oder senegalesische Spezialitäten, denn die Bewohner des Bellevue di Monaco arbeiten hinter der Theke mit. Die Einnahmen des Cafés kommen gemeinnützigen Projekten der Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco e. G. zugute. Finanziell wird damit beispielsweise das „Info Café“ in der Müllerstraße getragen, wo Geflüchtete und Münchner kostenlos jeden beraten, der Hilfe benötigt.
bellevuedimonaco.de

Minna Thiel

Minna Thiel: Tischtennis und Tauschzelle vor der Filmhochschule

Die „Minna Thiel“ ist so was wie die kleine Schwester des „Bahnwärter Thiel“, genauer genommen ist es ein Berliner MAN-Schienenbus aus den 50er-Jahren, der auf der Wiese vor der Hochschule für Fernsehen und Film im Kunstareal in der Maxvorstadt steht. Am Schönsten ist es dort im Sommer, dann lässt man unter einem Zeltdach auf Bierbänken gemütlich den Abend ausklingen. Die „Minna Thiel“ ist ein beliebter Treffpunkt für Studenten, die Uni liegt in unmittelbarer Nähe. In Zusammenarbeit mit Doris Dörrie und der Hochschule für Fernsehen und Film gibt es während der Sommermonate Workshops, Live-Musik und eine Tischtennisplatte für Turniere. Für Secondhand-Fans: In der Tauschzelle, einer zu einem Regal umfunktionierten Telefonzelle, kann man die verrücktesten Dinge tauschen statt kaufen.
minnathiel.de

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