Rapperin RiA Reiser in der Holledau
First Lady des Bavarian Rap

RiA Reiser begann ihre Karriere als Jodelqueen, dann erfand sie sich komplett neu. Nun macht sie als Rapperin RiA die niederbayerische Mundart salonfähig

Die Rapperin

Afrobeats und Reggae! Rock, Pop und Funk! Hip-Hop und Gospel! Es gibt kaum eine Stilrichtung, die RiA (früher Maria Reiser) nicht beherrscht und in ihren Sound mit einfließen lässt. Die „Femcee“ und Powerfrau aus der Hallertau startet gerade mit ihrer zweiten Karriere und einem völlig neuen Genre durch.

Als zweifache Mutter hat sie mittlerweile sehr viel zu erzählen und wechselt vom Jodel-Pop über zur schlagfertigen Rap-Musik. Lediglich die dicken HipHop Beats sind neu, ihrer Muttersprache bleibt sie weiterhin treu und rappt auf niederbayrisch.

Die Titel ihrer Songs heißen „KuntaBuntaHund“, „Watschn Bamm“ oder „Huastnguadlbua“: Seit 2019 hat RiA eine Single nach der anderen veröffentlicht. „Mein Sound besteht aus mehrstimmigen Chören, schiebenden Bässen, hookenden Refrains und chefigen Rap-Lines“, sagt sie.

Wie jetzt, hookend und chefig? „Naja, ich gebe eben gerne den Ton an“, erklärt die Musikerin und lacht. „Und hookend sind Refrains, die einfach im Ohr bleiben, also sehr eingängig sind.“

Vom Jodel-Pop zur schlagfertigen Rap-Musik

Erfinderin des Jodelpop

Manche kennen RiA noch ganz anders, denn die selbstbewusste Künstlerin begann ihre musikalische Laufbahn ursprünglich als jodelnde Popmusikerin: „Auf die Idee des Jodel-Pop kam ich 2008 während eines Selbstfindungstrips durch Afrika. Ausgerechnet in Namibia und Südafrika, wo die Menschen in ihren Liedern auch viel Kehlkopfschlag einbauen, habe ich zurück zu meinen bayerischen Wurzeln gefunden.“

"Ausgerechnet in Afrika habe ich zurück zu meinen bayerischen Wurzeln gefunden"

Dass die Menschen im südlichen Afrika kein Bayerisch verstehen, spielte keine Rolle: „Die Musik hat uns verbunden. Das war eine wahnsinnig tolle Erfahrung!“ Zurück in Deutschland startete Maria durch – ausgerechnet in Berlin, wo sogar bayerische Filme im Kino mit Untertiteln laufen.

Die Zeit war damals wohl reif für bayerische Mundartmusik, meint RiA rückblickend: „Dialekt und traditionelle Einflüsse in der Musik waren auf einmal nicht mehr uncool, sondern richtig gefragt!“

Cooles Bayerisch

Doch dann kam eine Krise: RiA trennte sich von ihrem damaligen Mann und Co-Produzenten. Dadurch musste sie schon aus rechtlichen Gründen ihre Karriere als „Maria Reiser“ beenden. „Das war ein derber Rückschlag“, erinnert sie sich, „aber eine echte Leidenschaft lässt sich nicht so leicht beerdigen.

Nach einer zweijährigen Pause von der Musik habe ich mir gedacht: ‚Ich habe schon so viel erreicht, ich gebe das jetzt nicht einfach so auf.‘ Also habe ich alles nochmal ganz von vorne aufgezogen.“

Ein Schlüsselmoment war ihr Auftritt bei The Voice of Germany. „Ich bin nach den Blind Auditions nicht weitergekommen, auch weil mein Mundart-Gesang nicht so richtig zum Showformat gepasst hat. Hinter der Bühne habe ich aber so viel Zuspruch bekommen, gerade das Bayerische fanden alle cool. Das hat mir den entscheidenden Motivationskick verpasst.“

„Meine Erfahrung lehrt mich: einfach drauf loslegen, anfangen und machen."

Vom Background ins Rampenlicht

RiA war zu Jugendzeiten schon Mitglied einer Rap-Band: „Rap-Musik begleitet mich seitdem ich Teenager bin und der Sprechgesang bedeutet für mich ultimativen textlichen Ausdruck – Storytelling at its best“, erzählt sie.

Doch in ihrer damaligen Band durfte sie zunächst nur auf hochdeutsch im Background singen. „Irgendwann dachte ich mir: Ich fange jetzt einfach selbst zu rappen an, und zwar in meiner Muttersprache Bayerisch!“

Dafür musste sie erst einmal lernen, wie man Layouts produziert und übernahm dafür eine Technik ihres Idols Timbaland, der auch die Alben der Hip-Hop-Ikone Missy Elliott produziert hat. Inzwischen gibt RiA ihre Kenntnisse auch an Newcomer weiter.

Ihr Stil ist dem Entertainment-Rap zugeordnet: „Mein Sound macht Spaß, ist tanzbar und man soll unbedingt darüber lachen, da alle Texte mit einem gewissen Augenzwinkern geschrieben wurden.“

"In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“

Botschaft an die Frauen

Mit ihren Songs will RiA auch eine Botschaft vermitteln: Zusammenhalt, Respekt und weibliche Durchsetzungskraft. „Ich bin nicht so tiefgründig wie im Concious-Rap, aber sage in meinen Texten ganz klar, für was ich stehe, was ich gut finde und was gar nicht geht. Außerdem richte ich mich explizit an Frauen. Als alleinerziehende Mutter weiß ich, wie viel Kraft die Doppelbelastung Familie und Karriere kostet.“

Besonders junge Frauen, Mütter und Alleinerziehende möchte die Musikerin dazu inspirieren, ihre Träume zu verwirklichen – und versucht, sie mit ihrer Energie anzustecken: „Meine Erfahrung lehrt mich: einfach drauf loslegen, anfangen und machen. In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“, sagt RiA.

Auftritt im Lady Style

Bislang waren die neuen Songs von RiA Reiser nur auf digitalen Streamingportalen und ihrem YouTube-Kanal anzuhören. Doch nun brennt sie dafür, auch live wieder richtig loszulegen: „Immer wenn ich auf der Bühne stehe und die Nähe zum Publikum spüre, fühle ich mich wie energetisiert“, sagt sie. „Sobald es wieder richtig losgehen kann, werde ich mit meiner Band und meinen TänzerInnen auf Album Release-Tour durch Bayern und Österreich gehen.“

Ein Dirndl wie als Jodelqueen trägt RiA bei ihren Auftritten allerdings nicht mehr, ihren Bühnenoutfit bezeichnet sie als „Grown up Lady Style“: „Ich möchte als rappende Frau weltkompatibel sein und nicht nur den Bierzelt-Entertainment-Stempel aufgedrückt bekommen“, erklärt sie.

Ihren bayerischen Wurzeln bleibt sie durch ihr Leben in einem kleinen Dorf treu. Und natürlich durch ihre Mundart: „Da der Dialekt zu mir gehört wie das Wasser zum Fisch, wäre es etwas unnatürlich für mich, auf Hochdeutsch zu rappen und zu singen. Nicht dass ich es nicht könnte, aber ich bevorzuge grundsätzlich das was am authentischen ist!“

Mehr zu RiA und ihrem Sound unter ria-sound.com

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... von RiA

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