Der Rundweg um den Soier See im Pfaffenwinkel ist auch mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen gut befahrbar
Stufenlos dem Himmel näher

Die Landschaft zwischen Starnberger See, Lech und Loisach ist ein Traum. Das erkannten schon die Mönche und Künstler, die es in Scharen in den Pfaffenwinkel zog. Barrierefrei ihren Spuren zu folgen ist ganz einfach. Text: Dietmar Denger

Lesezeit: 10 Minuten

Barrierefrei rund um den Pfaffenwinkel unterwegs

SPONSORED STORY Was haben die Opas im schwarzen Anzug sich nur dabei gedacht, einfach auf einem Schwan herumzufliegen? Warum macht es sich ein Krake auf einem Autodach gemütlich? Und was treibt Maler in den Farbenrausch? Darüber kann man sich im barrierefreien „Museum der Phantasie“ seine eigenen Gedanken machen. Oder man lässt sich inspiriert durch diese Ausstellung aus witzigen Installationen, großartigen Objekten und Werken weltbekannter Expressionisten treiben.

Der elegante Bau am Starnberger See in Bernried beherbergt das bunte und oft schräge Ergebnis einer lebenslangen Sammelleidenschaft. Lothar-Günther Buchheim war Maler, Filmemacher, Fotograf, Verleger und Autor – unter anderem des Bestsellers „Das Boot“. Und er hortete Kunst, viel Kunst, die er der Nachwelt vermachte.

Das zaubert den Besuchern aus aller Welt ein Lächeln ins Gesicht, wie an diesem milden Nachmittag im Herbst. Und wem zwischendurch ganz blümerant wird von all den Formen und Farben, geht oder rollt den zwölf Meter langen Steg bis ans Ende entlang und schnuppert Seeluft. Wie der Bug eines Schiffs ragt er weit aufs Wasser hinaus.

Ausstellung im Museum der Phantasie in Buchheim
Das Gebäude in dem sich das Buchheimmuseum befindet

Pfaffenwinkel: Blauer Reiter im Museum, blaue Stunde mit Alpenblick

So wie das Buchheim Museum lässt sich fast die ganze „MuSeenLandschaft Expressionismus“ barrierefrei entdecken, das Franz Marc Museum in Kochel etwa, das Schloßmuseum Murnau oder das Museum Penzberg – Sammlung Campendonk.

Spannende Architektur, spannender Inhalt, mit den Gemälden jener Künstlerinnen und Künstler, die es Anfang des 20. Jahrhunderts von München aus vor allem in den Pfaffenwinkel zog, um sich dort von Farben und Formen der Natur beeindrucken zu lassen. Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner kamen, insbesondere aber die Künstler des Kollektivs „Blauer Reiter“: Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Franz Marc, Alexej von Jawlensky und Heinrich Campendonk.

Erst Blauer Reiter, dann blaue Stunde mit Alpen-panorama

Die Gegend zwischen Lech und Loisach macht es einem leicht, begeistert zu sein. Und die Frage aller Fragen bei der Urlaubsentscheidung – ob ans Wasser oder in die Berge – wird im Pfaffenwinkel auch hinfällig.

Nachdem die Eiszeitgletscher sich in die Berge verkrümelt hatten, machten es sich zwischen den grünen Hügeln überall Seen gemütlich. Manche leuchten in allen Karibikfarben, die Osterseen bei Iffeldorf beispielsweise. Bei anderen spiegelt sich das Himmelblau auf geheimnisvollem Schwarz, etwa beim Soier See, der mittendrin liegt im Hochmoorgebiet und daher selbst einen hohen Anteil des heilsamen Moors aufweist. Lange nach der Zeit der Mammuts und Säbelzahntiger entdeckten dann auch die Römer die Region.

Dann kamen die Mönche: Eine derartige Klosterdichte gibt es nirgendwo in Deutschland. 159 Kirchen und Klöster harren der Andacht oder Betrachtung. So kam der Pfaffenwinkel auch zu seinem Namen.

Herbstliche Landschaft mit Blick auf den Soier See

Während es innerhalb von Klostermauern noch meist eben ist, kann die Topografie des südlichen Oberbayerns draußen mit Rollstuhl schon herausfordernd sein. Da trifft es sich gut, dass das Thema Barrierefreiheit im Pfaffenwinkel schon lange eine Herzensangelegenheit ist.

„Vor 20 Jahren bereits gab es bei uns Tandem-Fallschirmsprünge für Menschen mit Handicap oder einen barrierefreien Walderlebnispfad“, erinnert sich Susanne Lengger vom Tourismusverband Pfaffenwinkel. Mit ihrem Team arbeitet sie daran, das Angebot stetig auszubauen, auch für Sehbehinderte.

Schongau: Stadtbummel mit den Fingern

Auf dem Marienplatz von Schongau etwa kann man mit den Fingerspitzen die mittelalterliche Stadt am Lech erkunden. Das Tastmodell ist eine Station bei den Stadtführungen, die ganz auf Inklusion setzen.

Durch die engen Altstadtgassen geht es bei den Touren zur perfekt erhaltenen Stadtmauer und schließlich ins barrierefreie Stadtmuseum, das mit Exponaten aus drei Jahrtausenden in den Räumen der 600 Jahre alten, ehemaligen Spitalkirche St. Erasmus spannend inszeniert wurde.

Auch das Moor am Soier See ist ein Erlebnis für alle. An manchen Stellen gluckert und blubbert es auf dem Rundweg unter den Füßen und Rollireifen, denn die Torfschicht am Moorlehrpfad ist bis zu zehn Meter dick und wirkt wie ein riesiger Schwamm. Die gemütlichen Holzliegen auf dem Steg am See lassen sich ganz bequem vom Rollstuhl aus erreichen.

Apropos Wasser: Das „Plantsch“ in Schongau ist ein Frei- und Hallenbad mit tollen Saunen und wurde ganz aktuell nach den bundeseinheitlichen Kriterien von „Reisen-für-Alle“ zertifiziert. Am Badesee in Hohenpeißenberg gibt es einen Baderolli, mit dem man ins Wasser fahren kann. Und auch die Schiffstörns auf dem Starnberger See oder dem Ammersee sind barrierefrei möglich.

Das Innere des barrierefreie Stadtmuseums in Schongau
Barrierefreie Stadtführung in Schongau

Landlust: Bauernhof barrierefrei

Wer von der Moorlandschaft rund um Bad Bayersoien, wo weiße Birkenwäldchen sich vor den grünen Hügeln abheben, gar nicht genug bekommt, kann gleich hinterm Soier See einchecken. Das Vier-Sterne-Parkhotel am Soier See ist einer der ersten für „Reisen für Alle“ zertifizierten Betriebe gewesen. Inzwischen gibt es im Pfaffenwinkel aber auch tolle Unterkünfte, die Landlust wecken. Urlaub auf dem Bauernhof etwa am bedingt barrierefreien „Berghof Heger“ bei Peißenberg, mit sympathischen Tieren, herzlichen Gastgebern und grandiosem Alpenblick.

Oder ein Aufenthalt im „Gasthaus Steidl“ im Bauerndörfchen Bauerbach. Eines der neuen Gästezimmer oben wurde barrierefrei gebaut und ist direkt per Rollstuhl-Aufzug zu erreichen. Und die Schmankerln der Landküche beim „Steidl“ sind legendär! In der „Bildungs- und Erholungsstätte Langau“ ist die Unterkunft sogar ein 400 Jahre altes Anwesen. Der ehemalige Wirtschaftshof des Prämonstratenserklosters Steingaden ist komfortabel für alle umgebaut. Zum Märchenschloss Neuschwanstein ist es von dort aus nicht mehr weit.

Blick auf das Äußere des Parkhotels Bayersoien

Übrigens, der Märchenwald in Schongau, ein kleiner Freizeitpark mit fantastischen Geschichten und echten Tieren, ist auch barrierefrei. Für Handbiker gibt es neue attraktive Routen entlang des Lechradwegs. Und das Highlight schlechthin steht natürlich auch allen Besucherinnen und Besuchern offen: das UNESCO-Welterbe Wieskirche. Auf einem Grashügel bei Steingaden steht das Meisterwerk des Rokoko. Draußen bimmeln vergnügt die Kühe, drinnen reitet Jesus auf einem Regenbogen. Die Darstellung ist das zentrale Motiv des riesigen Deckengemäldes.

Dem Himmel kommt man im Pfaffenwinkel stufenlos ein ganzes Stück näher!

Mehr Infos zum Pfaffenwinkel: pfaffenwinkel-barrierefrei.de

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