Passau
Bier und Barock

Passau, die Dreiflüsse-Stadt, ist für ihre Lage zwischen Donau, Inn und Ilz, sakrale Pracht und für eine der größten erhaltenen Burganlagen Europas bekannt. Aber das Passauer Land hat noch mehr zu bieten: Gutes Bier etwa, Schweinsbraten und die weltweit größte Dom-Orgel

Lesezeit: 15 Minuten

Bier und Barock im Passauer Land

SPONSORED STORY Ob sein erstes Bier hopfig, malzig, herb, mild, süß oder süffig geschmeckt hat, weiß Ferdinand Freiherr von Aretin nicht. Heute achtet er genau auf die Details. Der 46-Jährige ist Brauereidirektor der Klosterbrauerei Aldersbach und Biersommelier, somit also verantwortlich für das Aroma von 56.000 Litern Bier im Jahr. Mit dem Gebräu der Zisterziensermönche, die hier bis zur Säkularisierung wirtschafteten, könnte man die Ansprüche der Bierkenner heute nicht mehr zufriedenstellen.

Bier ist zwar immer noch gut, um den Durst zu löschen oder sich einen Rausch zu gönnen, entwickelt sich aber immer mehr zum edlen Getränk. Dem jungen Team um Braumeister Lorenz Birnkammer verdankt Aldersbach den Ruf als eine der kreativsten Klosterbrauereien in Bayern.

Besucher dürfen in der gläsernen Schaubrauerei beobachten, wie India Pale Ale, Chocolate Stout und andere Craft-Biere entstehen. Wer will, braut sich selbst in einem Workshop etwas zusammen.

Kloster Aldersbach aus der Vogelperspektive
Brauereidirektor in der Klosterbrauerei Aldersbach: Ferdinand Freiherr von Aretin

Bier für alle

Die meisten Besucher trinken lieber das Helle. Ferdinand von Aretin weiß warum: „Unser Helles ist sehr ausgewogen, gut vergoren und leicht zu trinken. Wir brauen für jeden etwas.“ Dem Klischee vom Brauereidirektor mit barocker Fülle und gemütlichem Wesen entspricht der frühere Unternehmensberater so gar nicht, aus ihm spricht eher die Marketingabteilung.

„Sechzehn Sorten traditionelle Biere und fünf Craft-Biere bieten wir im Moment an. Um feine und vielfältige Aromen zu erhalten, züchten wir unsere Hefen selbst, auch einen Hopfengarten haben wir angelegt.“

Hopfen der Klosterbrauerei Aldersbach

Im Schein der Lüsterweiberl

Im urigen Bräustüberl hocken die Beweise dafür, dass von Aretins Rechnung aufgeht. Ihre steinernen Bierkrüge parken sie bei Abwesenheit in Wandschränken, die Brotzeiten haben sie mitgebracht, der Schankkellner in Lederhosen zapft Aldersbacher aus einem Holzfass, mit Glück spielt einer Ziehharmonika.

Tratsch und Schmarrn, der über den Bierkrügen erzählt wird, geht nur die Lüsterweiberl etwas an, die über den Tischen hängen und ein freundliches Licht auf die Bierkultur werfen, die hier noch gepflegt wird.

Eine solche Wirtschaft gehört schon fast ins Museum. Die Ausstellung zur Wirtshauskultur im Brauereimuseum gleich nebenan zeigt, was für ein Kosmos sich über die Jahrhunderte in bayerischen Boazn und Schenken entfaltet hat. In der Hauptrolle: Bier. Da wurden Geschäfte und Ehen angebahnt, Haus und Hof verzockt, Umstürze geplant, da wurde gerauft und geknutscht und es wurden kühne Ideen geboren. Über allem herrschten die Bedienungen, die oft mehr wussten als die Pfarrer in ihren Beichtstühlen.

Restaurant das asam
Restaurant das asam: Gericht

Speisen unter Fresken

Nebenan im feinen „Das Asam“ weht ein anderer Wind. Unter den Deckenfresken des früheren Speiseraums des Abts der ehemaligen Zisterzienserabtei diniert man international.

Josef Kapser, der 33-jährige Koch und Wirt, hatte es anfangs nicht leicht mit seiner anspruchsvollen regionalen Küche und dem schlichten Mobiliar, das den barocken Deckenfresken der Klostersäle den Vortritt lässt.

„Erst einmal kamen die Nachbarn. Den meisten war es zu überkandidelt“, bedauert er, „aber unser Bib Gourmand zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Übernachten kann man in den 27 ehemaligen Mönchszellen.

Arbeiten und arbeiten lassen

Mehr als ein Bett in einer schmalen Kammer brauchten die Mönche nicht, sie lebten nach der benediktinischen Regel: Ora et labora. „Arbeite und bete“ war der Imperativ, „lass auch andere für dich arbeiten“ könnte man ergänzen. Ein Viertel ihrer Erträge mussten die Lehenbauern an das Kloster entrichten, dazu kam Fronarbeit in der Küche und im laufenden Betrieb des Klosters.

„Früher war hier was los, an den Stammtischen hams gsuffa wia die Ochsen“

Die Mönche kümmerten sich derweil um Gott und die Welt. Sie komponierten und musizierten, betrieben Schulen, eine Krankenstation und eine Apotheke, erforschten die Natur, stellten ihre berühmte Bibliothek mit 30.000 Bänden zusammen und nicht zuletzt brauten sie Bier.

Im Bierbrauen lagen die Klöster an der Spitze, schon aus Eigeninteresse verfeinerten die gebildeten Brüder ständig ihre Rezepturen, denn Flüssigkeiten fielen nicht unter die Fastenregel.

Schweinebraten im „Goldenen Schiff“ in Passau

Ein Traum von Schweinebraten

An den vierzig Fastentagen zwischen Aschermittwoch und der Osternacht konnten die frommen Brüder von Würsten, Knödeln und Schweinebraten nur träumen. Wenn sie wussten, was gut ist, dann schwebte ihnen ein Braten vor, wie ihn Peter Wolf vom „Goldenen Schiff“ in Passau auftischt, selbstverständlich bio und nach Slow-Food-Prinzipien entstanden, dazu ein gscheites Bier.

„Früher war hier was los, an den Stammtischen hams gsuffa wia die Ochsen“, behauptet der Wirt. Er muss es wissen, seit 36 Jahren steuert er als Käptn das zeitlose und bodenständige Schiff.

Kirche im Passauer Land

Die schönste Marienkirche Bayerns

1720 begannen die Aldersbacher Mönche mit dem Neubau ihrer Stiftskirche. Dass sie zur schönsten Marienkirche Bayerns werden würde, konnten sie nicht ahnen, als sie die damals noch nicht so bekannten Brüder Cosmas Damian Asam und Egid Quirin Asam beauftragten, den Rohbau mit Fresken und Stuck auszuschmücken.

Der „Dom vom Vilstal“ sollte ihr Meisterwerk werden, er gilt als „Die Asamkirche“ schlechthin und bescherte den Künstlern Ruhm und weitere Aufträge. Um das riesige Werk zu stemmen, holten sie Unterstützung von namhaften Kollegen. Auch ein Mönch des Klosters, ein begnadeter Holzschnitzer, trug zur barocken Pracht der Kirche bei: Vierhundert geschnitzte Engel umschwärmen alleine den Hochaltar.

Kirchenrestaurateurin Martina Oetel

„Mariä Himmelfahrt“ wird geputzt

303 Jahre später. Martina Oetel legt vorsichtig ein Blatt Japanpapier über ein Fresko in der Taufkapelle, pinselt es mit Wasser ein. Das feuchte Papier zieht beim Austrocknen das Salz aus dem Putz, das den Untergrund mit der Zeit zerstören würde und damit auch das Bild, das darauf gemalt wurde. Die 61-jährige Kirchenmalerin hat vor drei Jahren mit einem Team begonnen, Fresken und Stuck der Kirche „Mariä Himmelfahrt“ zu reinigen und fehlerhafte Stellen zu ergänzen.

„Die Deckenbilder im Chor zeigen die Vision des heiligen Bernhard, sie sind von unglaublicher Fröhlichkeit! Strahlend öffnet sich der Himmel, es gilt schließlich Jesu Geburt zu feiern“, erzählt sie, während sie das nächste Blatt auf das Fresko legt. „Dieser Jubel ist ansteckend! Ich arbeite gerne hier, es macht mich zufrieden, dass ich helfen kann, dieses Kunstwerk zu retten.“

Schmutz, Feuchtigkeit, Holzwürmer und die Erschütterungen durch das schwere Geläut hatten der Barockkirche zugesetzt. Fast ein Dutzend Gewerke arbeiten seit zehn Jahren daran, dass Mariä Himmelfahrt 2024 in neuem Glanz wieder eröffnet werden kann.

Passau: Drei Flüsse Stadt, Blick auf St. Stephan
Barockkirche St. Stephan in Passau

Barock für Augen und Ohren

Die bedeutendste Barock­kir­che ita­lie­ni­scher Prä­gung auf deut­schem Boden steht im 30 Kilometer entfernten Passau: St. Stephan. Jeden Tag um 12 Uhr mittags setzt sich der Domorganist an die Register der größten Orgel Europas, sie hat unglaubliche 17.974 Pfeifen. Die Domkonzerte sind eine Überwältigung durch Musik, die einen direkt in den Himmel schickt. Heute braust der Klang von Bachs Toccata und Fuge in d-Moll durch den größten barocken Innenraum nördlich der Alpen.

Leicht benommen von diesem umwerfenden Erlebnis stolpert man ans Licht und steht schon wieder inmitten eines Gesamtkunstwerkes: dem Residenzplatz. Eingerahmt von prächtigen Häuserfassaden, der Residenz und dem gotischen Domchor plätschert der Wittelsbacher Brunnen. Im Barockfieber schwelgten auch die Brunnenbauer, so perfekt haben sie im Jahr 1903 diesen Stil nachgeahmt.  Maria steht auf der hohen mittleren Säule, drei kleine Engel zu ihren Füßen stellen Donau, Ilz und Inn dar, die drei Flüsse Passaus.

Zaubertrank in Hauzenberg

Nach so viel Überschwang, Begeisterung und Schnörkel schnell ein Bier zum Neutralisieren. Am besten einen Zaubertrank. Also auf in den Süden des Bayerischen Walds, nach Hauzenberg, der Granitstadt eine halbe Stunde von Passau.

Rudi Hirz steht neben seinem einzigen Kessel, darin gärt eines seiner Experimente. „Mein Urgroßvater war Wagnermeister und Wahrsager, manchmal trafen seine Prophezeiungen auch zu, weit über Hauzenberg hinaus war er als ,Apostel‘ bekannt“, erzählt der 53-jährige Braumeister, „1890 begann er auch Bier zu brauen, doch es muss katastrophal schlecht gewesen sein. Aber er war beliebt und konnte der Bevölkerung weismachen, dass sein Bier Heilwirkung besaß.“

Braumeister Rudi Hirz im Apostelbräu Hauzenberg
Bierfässer der Brauerei Apostelbräu in Hauzenberg, Passauer Land

Frischer Hopfen für Hammer-Aroma

Hundert Jahre später gibt es trotz vieler Krisen die kleine Brauerei, die nach dem Urahn Apostelbräu heißt, immer noch. In Rudi Hirz müssen irgendwelche Genschnipsel des Urgroßvaters kreisen, sonst hätte er aus der Lehre von Hildegard von Bingen nicht den Entschluss gezogen, ein Bier mit Dinkel zu brauen. In ein vernünftiges Bier gehöre nur Braugerste, mahnten Biertrinker und Konkurrenten, egal was „die Bingen“ an Zeug zum Thema Dinkel geschrieben habe.

Nach 18 Jahren Tüftelei geschieht wirklich ein Wunder: Das Dinkelbier gewinnt eine Silbermedaille beim World Beer Cup in den USA. Der Urenkel des Wahrsagers experimentiert längst weiter, in seinem Hexenkessel landen Einkorn, Hafer, Emmer und andere Getreide. Aber anders als das Gebräu des Vorfahren: Es schmeckt!

Braumeister Rudi Hirz im Hopfenfeld des Apostelbräu im Passauer Land

Sein neuester Versuch gilt dem Grünhopfensud. Dafür hat er ein eigenes kleines Hopfenfeld angelegt. „Wie vor hundert Jahren ernten wir die Hopfendolden von Hand“, sagt er. „Sie kommen sofort in den Kessel. Die Biere sind der Hammer an Aroma und Frische. Leider immer gleich ausverkauft.“ Blumen und Kräuter wuchern in seinem Bio-Hopfengarten, Insekten summen. Ein Mauersegler dreht einen pfeilschnellen Loop.

Wolkenberge bilden immer neue Formen am niederbayerischen Himmel. Das sieht so barock aus wie das Firmament in Mariä Himmelfahrt, das die Asambrüder über die Szene mit der Geburt Jesu gespannt haben.

Eine Schwalbe haben sie am Rand des Freskos versteckt. Wer sie nicht findet, beschäftige sich nicht genau genug mit dem Gemälde, so heißt es. Kaum hat man eine Flasche Apostelbier in der Hand, sieht man die Sache mit der Kunst gelassener: Es gilt auch der Mauersegler über dem Hopfenfeld.

Weitere Infos zur Stadt Passau unter passauer-land.de und passau.de

Passauer Land

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