Audienz in der Klamm

Mona Sommer ist Bayerns Bierkönigin. Wir machten mit der Regentin eine Tour durch die wilde Starzlachklamm, ihre Allgäuer Heimat, zu Brauern und Hüttenwirten. Dabei sprachen wir über Sehnsuchtsorte, Lebensgefühl sowie über Maßkrug und Zapfhahn als Insignien der Macht

Lesezeit: 12 Minuten

Unterwegs mit der Bayerischen Bierkönigin

Ganz zum Schluss tischt der Rudi noch mal ordentlich auf. Es ist kurz vor sechs abends. Eigentlich hat der Wirt am Eingang der Starzlachklamm um diese Zeit so gut wie Feierabend. Aber für solch hohen Besuch stellt er sich gern nochmal in seine Küche des „Klammwirt“.

In den 21 Jahren als Wirt und Wächter der Klamm hat Rudi Löwenhagen schon einiges erlebt: Unwetter, Sturzfluten und viele Besucher. Allein an diesem warmen Sommertag waren es 500 Gäste, am Sonntag davor an die 1.000.

Aber dass eine echte Monarchin wie heute Mona Sommer bei ihm vorbeischaut, das kam noch nicht vor.

Hoher Besuch am Eingang zur Klamm

Deshalb deckt er zu diesem feierlichen Anlass die Holzbank auf der Terrasse freudig mit der Spezialität des „Klammwirt“: ein üppig bestücktes Brettl mit kräftigem Bergkäse und würzigem Brie, Schinken und Salami, Kaminwurzn und Essiggurkerl und dazu ein erfrischend kühles Radler. Die passende Festtafel für Ihre Exzellenz Mona I.

Im Vergleich zu ähnlichen Regentinnen verkörpert die Bayerische Bierkönigin eine eher junge Monarchie. Weinköniginnen in Franken gibt es schon seit 1950, die Dynastie der Hopfenköniginnen in der Hallertau reicht zurück bis 1952. Die erste Krönungsmesse einer Bayerischen Bierkönigin vollzog sich erst 2009.

Durch eine Bierlaune auf den Thron

Davon, dass Mona im Mai 2023 als Nachfolgerin der Oberpfälzerin Sarah Jäger die Thronfolge antreten würde, war Anfang des Jahres noch keine Rede. Die Idee, erzählt Mona zu Beginn unseres gemeinsamen Tags im Allgäu, kam ihr Ende Februar. Mehr aus einer Bierlaune heraus reichte die gebürtige Kemptenerin ihre Bewerbung ein und ging wochenlang auf Wahlkampftour.

Einer der 4.500 Unterstützer, die im Online-Voting für sie stimmten, war Kilian Stückler. Beim Braumeister vom „Hirschbräu“ in Sonthofen schaut Mona vor Beginn unserer Wanderung noch kurz vorbei. Für ein Gespräch zwischen Maischepfanne und Läuterbottich und für den Besuch des historischen Malzbodens im Dachgeschoss des alten Brauereigebäudes.

Mona ist gelernte Brauerin und Mälzerin

Zur Verkostung des frisch gebrauten, kastanienfarbenen Exports aus Drucktank Nr. 2 wird ausgiebig gefachsimpelt. Schließlich brachte die 24-Jährige eine zwar nicht zwingend erforderliche, aber doch hilfreiche Voraussetzung für die Wahl zur Bierkönigin mit: Mona ist gelernte Brauerin und Mälzerin.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Elektronikerin hatte Mona in Isny ihre Brauer-Lehre begonnen und diese nach zwei Jahren mit Bravour bestanden.

Seit Januar arbeitet sie in einer Brauerei in Leutkirch, nicht weit von ihrem Wohnort Weitnau.

Als sie Ende Mai im Münchner Löwenbräukeller auf der Bühne stand, war sie unter den sechs Finalistinnen, die sich aus den 75 Bewerberinnen für den Showdown qualifiziert hatten, übrigens die einzige Brauerin.

Als wir in Richtung Starzlachklamm aufbrechen, erzählt sie, dass die Lehre  geholfen habe, die Fachfragen zu beantworten. Bei denen ging es beispielsweise darum, welches Bier in welches Glas gehört. Oder welches Getränk am besten zu welcher Speise passt. Ein Pils zum Salat. Ein Bock zum Nachtisch. Solche Sachen. Das reichte, um das Publikum im Festsaal sowie die Jury aus Experten zu überzeugen.

In der Gesamtwertung gewann sie zusammen mit dem Online-Voting haushoch und souverän. Mit 49 Prozent aller Stimmen. Fast mit absoluter Mehrheit ...

So bestieg mit ihr nach elf Vorgängerinnen aus Oberbayern und Unterfranken, aus Nordschwaben und der Oberpfalz die allererste Allgäuerin den Thron der Bayerischen Bierkönigin. Das war höchste Zeit für eine Region, in der sich die Menschen schon vor 2000 Jahren zu Zeiten der Kelten einiges zusammenbrauten.

Bierkönigin Mona Sommer und Autor Florian Kinast auf einer Brücke in der Starzachklamm bei Sonthofen im Allgäu
Die Starzachklamm bei Sonthofen im Allgäu

Was für eine Schlucht!

Das Allgäu ist nicht nur Heimat von mehr als dreißig Brauereien, sondern auch von grandiosen Naturschönheiten wie der Starzlachklamm am Fuße von Grünten und Wertacher Hörnle.

Seit Jahrtausenden bahnt sich die tosende Starzlach ihren wildromantischen Weg. Die Felsabstürze dieses steilen Canyons höhlt der reißende Bach unaufhörlich aus und bildet große Kessel und tiefe Gumpen.

Beim Gang über die Brücken, die schmalen Stege und durch die dunklen Tunnel zeigt sich auch Mona beeindruckt von diesem gewaltigen Spektakel, das seit seiner Erschließung 1932 rund zwei Millionen Besucher in seinen Bann zog.

Ein guter Moment, um am oberen Ende der Klamm mit Mona über den Reiz ihrer Heimat zu sprechen. Über ihre Wanderungen auf den Hauchenberg, ihren Hausberg zwischen Weitnau und Immenstadt, ihre Ausflüge mit dem Rennrad, ihre Touren mit dem Mountainbike. Vor allem aber über die tiefe Verbundenheit mit der Heimat.

„Das Allgäu ist für mich ein Lebensgefühl. Das ist der Ort, an dem es mir gut geht.“

„Das Allgäu ist für mich ein Lebensgefühl“, sagt sie. „Das ist der Ort, an dem es mir gut geht.“ Immer wieder denke sie darüber nach, ob sie irgendwann mal beruflich ins Ausland gehen solle. Nach Skandinavien vielleicht, nach Australien, nach Amerika, um Erfahrung zu sammeln beim Brauen, um die Welt besser kennenzulernen.

„Aber so richtig zieht’s mich grad gar ned weg“, sagt sie. Was im Moment und in den kommenden Monaten auch gar nicht ginge, als Bierkönigin des Freistaats ist schließlich Präsenz gefragt im großen Reich.

Es geht weiter, vorbei an einer steilen und bei Kletterern sehr beliebten Felswand, auf eine freie Lichtung, als Mona von ihrem Aufgabenbereich berichtet. Als Bierkönigin ist sie gefragt. Unmittelbar nach der Inthronisierung gab sie viele Interviews, Zeitungen, Rundfunk und Fernsehsender wollten mit ihr sprechen.

Dann begann die bunte Palette der öffentlichen Auftritte – ob beim Volksfest in Maisach, bei der Eröffnung eines Sudwerks im Münchner Stadtteil Hadern oder beim Bezirksmusikfest in Hochgreut im Osten Kemptens. Zwischendrin folgte sie einer Einladung nach Berlin zum Besuch des Bundestags.

Mona Sommer, die Bierkönigin 2023/2024

Dirndl, Krone und Charivari

Zu Monas Dienstracht gehört die Krone aus Gold und Silber, eines der vielen Dirndl, die vom Sponsor gestellt wurden, und der Charivari. Diese schmückende Kette zieren Assoziationen rund ums Brauen: Maßkrug, Gerstenähre, Zapfhahn und natürlich das Wappen des Freistaats Bayern, also die Insignien von Königin Monas Macht.

Bei den vielen bevorstehenden Auftritten die Marke ihrer Vorgängerin zu erreichen, das ist freilich illusorisch: 278 Termine und 57.000 Reisekilometer notierte Bier-Queen Sarah. Aber durch pandemiebedingte Absagen und Verschiebungen schwang Sarah Jäger ausnahmsweise zwei Jahre das Zepter.

Neben den vielen offiziellen Veranstaltungen freut sich Mona vor allem über die kleinen und oft zufälligen Begegnungen. Wie jetzt am Ausgang der Klamm mit dem Rudi, der an die letzten Wanderer des Tages noch Steckerl-Eis verkauft und sich dann zu uns an den Holztisch setzt und erzählt, dass er in seinen 21 Jahren auf der Hütte noch keinen Tag gefehlt habe und er die zwei Jahre bis zu seinem geplanten Abschied zu seinem Siebzigsten auch noch so rumbringen wird.

Mona Sommer, Bierkönigin von 2023, vor dem Hotel Sonnenklause

Königlicher Absacker

Ein Foto von Ihrer Majestät Mona macht der Rudi zum Abschluss noch. Dann machen wir uns in der langsam einsetzenden Dämmerung auf den Rückweg entlang der Starzlach, die als Rinnsal friedlich vor sich hinmurmelt. Kaum vorstellbar, dass sie sich nur wenige Hundert Meter aufwärts mit mächtigem Lärm als ungezähmter Wildbach so ins Zeug legte.

Für einen Absacker geht es im Süden Sonthofens noch hinauf zur „Sonnenklause“.  Bei einem finalen kühlen Flaschengetränk genießen wir den Blick hinüber auf die lieblichen Matten des Ofterschwanger Horns.

Als die untergehende Sonne zwischen den Wolken hervorblinzelt, spricht Mona noch einmal von ihrem Allgäu als einem Sehnsuchtsort, den sie nicht wirklich dauerhaft verlassen könne. Auch nicht nach dem Ende ihrer Amtszeit im Frühjahr 2024, wenn sie die Krone und das Charivari abgeben muss, die vielen schmucken Dirndl aber behalten darf.

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