Ilonka mit Traktor
Die mit den rosa Gummistiefeln

Jungwinzerin Ilonka Scheuring bringt frischen Wind in die Branche. Mit Individualität, einem Blick für Details und viel Expertise stellt sie Weine her, die nicht nur gut schmecken, sondern auch nachhaltig sind. Text: Ornella Rosaria Cosenza, Fotos: Bernhard Huber

Wir stellen vor: Jungwinzerin Ilonka Scheuring  

Ilonka Scheuring fällt auf. Mit knallig rosa Gummistiefeln, ihrem Markenzeichen, streift sie durch ihre Weinberge bei Margetshöchheim in Franken. Ilonka macht nicht nur herausragenden Wein mit Namen wie „Femina Glut“ oder „Drei Aged Sweet“, die Winzerin legt auch großen Wert auf eine ressourcenschonende und umweltfreundliche Weinproduktion.

Und die beginnt schon im Weinberg. „Steillagen prägen das Landschaftsbild im Würzburger Umland und wir erhalten unsere Kulturlandschaft. Außerdem sind unsere Hänge ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Diese Biodiversität fördern wir durch Blühstreifen und natürliche Begrünung.“

Gemeinsam mit zwölf weiteren fränkischen Winzern ist Ilonka Mitglied in der ETHOS-Gruppe. Das Leitbild: Ökologie, Ökonomie und Soziales in Einklang bringen. Die Gruppe hält sich an ihren strengen Kodex, um die fränkische Weinkulturlandschaft nachhaltig zu pflegen.

Ilonka Scheuring auf dem Weinberg

One-Woman-Show

Aber noch einmal zurück zu Ilonka: Ihre Eltern begannen vor rund 38 Jahren mit dem Weinbau in der Region, erzählt sie, während sie den steilen Weinberg hochwandert. Heute führt Ilonka das Unternehmen als Inhaberin weiter. Sie kümmert sich vom Papierkram bis zur Weinlese um alles selbst.

Es ist ein sehr milder, sonniger Tag Ende September. Ilonka und ihre Mitarbeiter sind mit der Lese der letzten Trauben beschäftigt. „Dieses Jahr haben wir am 3. September mit der Lese begonnen, weil der Sommer so heiß war“, sagt sie. Zum Vergleich: Noch vor etwa 20 Jahren fiel die Weinlese auf den Oktober. Mittlerweile verschiebt sich dieser Zeitpunkt immer weiter nach vorn, auch im August wurde schon gelesen.

Weinlese
Handlese

Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Während Ilonka per Hand die grün schimmernden Trauben in ihren Weinlese-Eimer sammelt, erzählt sie von ihrem Beruf: „Was mir am meisten Spaß macht, ist, dass man ein Lebensmittel produziert, das Genuss, Geselligkeit, Spaß und die Landschaft verkörpert.“ Die Landschaft am Stettener Stein, 80 Meter über dem Main gelegen, ist traumhaft schön.

„Das ist Arbeiten, wo andere Urlaub machen“, sagt Ilonka. Und es sieht nicht nur hübsch aus, sondern diese fränkische Steillage mit 50 bis 80 Prozent Hangneigung bietet bodentechnisch, dank Muschelkalk, sowie mit dem dort herrschenden Kleinklima beste Voraussetzungen für guten Wein.

Winzerin Ilonka Scheuring
Weißweine Weingut Scheuring

Vielfalt muss man pflegen

Die Steillagen prägen Frankens Kulturlandschaft und machen den Wein zu etwas Besonderem. Ilonka Scheuring liegt die Erhaltung der Kulturlandschaft und der Natur im Weinberg sehr am Herzen. „Man hat immer unkalkulierbare Parameter in der Natur. Das ist mir auch wichtig. Zum Erhalt der Vielfalt der Kulturlandschaft haben wir hier viele Streuobstbäume und Wiesen.“

„Zum Erhalt der Vielfalt der Kulturlandschaft haben wir  viele Streuobst-Bäume und Wiesen.“

„Zigtausende Lebewesen leben auf einem Baum, egal ob er lebendig oder tot ist. Wenn er nicht da wäre, gäbe es weniger Lebensraum“, so Scheuring. Die Lebewesen, die man in den Weinbergen findet, sind Schmetterlinge, Spinnen, Schnecken und Marienkäfer und noch mehr große und kleine Krabbeltiere.

Man findet sie auch auf den violetten Etiketten der Weine von Ilonka Scheuring. „Wir wollten so den Weinberg auf die Flasche bringen“, sagt sie.

Ilonka mit einem Glas Federweißer

Fitness-Studio? Nein, Steillagen!

Aber nun runter vom Berg! Zurück aufs Weingut. In der Einfahrt des Weinguts Scheuring steht ein großer Traktor. „Das erste Mal Traktor gefahren bin ich mit sechs oder sieben Jahren“, sagt Ilonka im Vorbeigehen. Zwei große Tonnen mit Maische stehen auch auf dem Gelände. Die Winzerin hebt die Plane ab, steigt auf den Rand. Es sind Spätburgundertrauben, die zu Rotwein verarbeitet werden.

„Es gibt eben nicht so viele Frauen in diesem Beruf, auch wenn es immer mehr werden.“

„Zwei bis drei Wochen bleibt die Maische in der Kiste, sie wird zwei- bis dreimal am Tag mit dem Stößl gestoßen“, sagt Ilonka, während sie mit dem Stößl kräftig zupackt. „Beim Gären werden schwere Teile nach oben geschwemmt“, deshalb müsse man immer wieder „umrühren“. Und: „Wenn die Maische schon ziemlich durchgegoren ist, also eher zum Ende hin, wird es leichter mit dem Stößeln.“

Die Arbeit in den steilen Weinbergen, das Stößeln, der Papierkram – Ilonka ist von frühmorgens bis abends auf den Beinen. „Da braucht man kein Fitness-Studio mehr“, sagt sie und lacht. Der Beruf fordert eben auch körperlich, aber Ilonka lebt und liebt das mit Leidenschaft.

Ilonka auf der Maische
Rote Maische

Weinproben, Weinwanderung und Heckenwirtschaft

Von der Leidenschaft der Winzerin aus Margetshöchheim – oder auch „Maroggo am Main“, wie Ilonka und andere Einheimische den Ort liebevoll nennen – kann man sich vor Ort überzeugen. „Ich biete Weinproben und geführte Weinwanderungen durch die „Wengert"  an. Da ist jeder willkommen, vom Weinanfänger bis Weinkenner.“

Im Frühjahr und Herbst öffnet traditionell die Heckenwirtschaft oder kurz „Hecke“ des Weinguts. In der gemütlichen Weinstube können sich Gäste durch Ilonkas Sortiment probieren und dabei fränkische Spezialitäten wie Bratwürste mit Weinsauerkraut genießen. „Das mag ich sehr gerne, wenn die Leute kommen. Es ist sehr gesellig. Man teilt sich mit Fremden einen Tisch und kommt so ganz automatisch ins Gespräch“, sagt sie.

Für alle, die die fränkische Kulturlandschaft auf eigene Faust erkunden wollen, gibt es die Möglichkeit, einen Bollerwagen zu mieten, den Ilonka mit Gläsern, Wein und Wasser bestückt. Insider-Tipps für eine gelungene Route werden natürlich mitgeliefert!

Weingut Scheuring

Das Gute liegt so nah

Viel Freizeit hat Ilonka eigentlich nie. Das Weingut, ihre Kinder, ihre Familie und natürlich noch ihre Ziegen – all das erfordert volle Aufmerksamkeit. Ilonka, eine Power-Frau durch und durch, bekommt alles unter einen Hut.

Wenn sie doch mal Zeit zum Durchschnaufen hat, zieht es sie zum Erlabrunner Käppele auf dem Volkenberg, keine 10 Minuten mit dem Auto von ihrem Weingut entfernt. Dort kann sie durchatmen, mit Blick auf den Main und natürlich auf die Weinberge.

Ob sie auch schon mal weg wollte aus dem kleinen Margetshöchheim? „Ich war in Südtirol und in Neuseeland“, sagt sie. Dennoch habe sie gemerkt, wie schön es direkt vor ihrer Haustür ist.

Zwei Jahre lang besuchte Ilonka die Technikerschule für Weinbau und Oenologie in Weinsberg, zuvor absolvierte sie eine Ausbildung zur Weinküferin, 2010 übernahm sie das Weingut ihrer Eltern.

Erlabrunner Käppele
Auf dem Volkenberg

Die Kunst des guten Weins

Immer mehr Frauen steigen in das Weingeschäft ein. Nach wie vor ist es aber eine Branche, die männerdominiert ist. „Es kommt ab und an vor, dass man auf einer Messe steht und gefragt wird: ‚Kann ich mal mit dem Winzer sprechen‘. Es gibt eben nicht so viele Frauen in diesem Beruf, auch wenn es immer mehr werden“, sagt sie.

Ob Mann oder Frau, am Ende zählt: Ist der Wein gut oder nicht? Ilonka jedenfalls achtet auf Qualität bei all ihren Weinen von Silvaner über Scheurebe und Riesling bis zu Spätburgunder. Mit Zielstrebigkeit und gleichzeitiger Lässigkeit setzt sie mit ihren Weinen neue Akzente, die so individuell und eigen sind, wie es auch ihre Persönlichkeit ist.

Nach einem Tag auf dem Weingut Scheuring steht fest: Die Kunst des guten Weins ist da zu Hause, wo die Winzerin rosa Gummistiefel trägt. Oder auch: These boots are made for winegrowing.

Ilonka Scheuring, Winzerin Weinbauerin in Margetshöchheim bei Würzburg
Ilonka Scheuring

... von Ilonka

Das Erlabrunner Käppele auf dem Volkenberg bei Erlabrunn mit Blick auf die Weinberge und den Main bis nach Würzburg. Auf dem Volkenberg befindet sich ein Schwarzkiefernwald, er ist mit 400 Hektar sogar Deutschlands größter

Weinfeste in der Region: Das Uferweinfest in Randersacker, das Weinfest in Hammelburg und die Afterworkparty bei Markus Meier in Ulsenheim

Restaurant- und Café-Tipps: Eisdiele „Eis Stephan“ in Veitshöchheim („Die machen auch leckere Torten, da gehen wir gern hin.“), das „Glouglou“ in Würzburg („Eine Kombination aus Restaurant und Vinothek, dort bekommt man an der Theke wirklich gute Produkte“), und das „Main Mäuerle“ in Karlstadt, eine Mischung aus Café, Wein & Bar

Geheimtipp zur Anreise nach „Maroggo“ aka Margetshöchheim: „Reisen Sie per Schiff an! Die ,Alte Liebe‘ verkehrt regelmäßig zwischen Würzburg und Veitshöchheim. Über die Fußgängerbrücke erreichen Sie in Kürze Margetshöchheim.“

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