Thomas verfremdet die Themen durch leichte Abstraktion
Tracht abstrakt

Thomas Neumanns Bilder sind dort zu sehen, wo München am bayerischsten ist: Im Wiesn-Festzelt und im „Wirtshaus am Nockherberg“. Er verrät uns zudem sein Münchner Lieblingsviertel

Künstler Thomas Neumann

War das hier wirklich mal eine Garage? Mit der Wandverkleidung aus altem, dunklem Holz, dem antiken Schrank voller Malsachen und dem schönen Holztisch sieht der Autoschuppen im Münchner Vorort Oberschleißheim eher aus wie eine Berghütte. „Das soll er auch“, lacht Thomas Neumann und bittet in sein Atelier. „In dieser Atmosphäre kann ich einfach gut malen.“

Der Münchner ist Werbegrafiker – und Kunstmaler. Sein großes Thema? Bayerisches Brauchtum. Am liebsten malt er Dirndl und Lederhosen, Kühe und Berge, Schuhplattler und Holzhacker. Nicht als Klischees und auch nicht als pflichtschuldige Verneigung vor der Vergangenheit, sondern weil er in diesen Motiven die Symbole einer sehr lebendigen, bayerischen Identität sieht.

Thomas hat sich einen Autoschuppen als Atelier ausgebaut

„Die Tracht zum Beispiel ist auch in unseren Zeiten noch sehr präsent. Es beschäftigt mich, dass ein Kleidungsstil, der so alt ist, heute noch eine so starke Aussage haben kann.“

Garantiert kitschfreies Brauchtum

Thomas malt keine Kitsch-Tracht-Bilder. Er verfremdet seine Themen durch leichte Abstraktion. Die Formen verwischen, nie werden die Köpfe der Menschen gezeigt. Er hat Bilder gemalt von jungen Männern in Lederhosen, die Hemdsärmel hochgekrempelt, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Nur einer hält etwas in der Hand – es könnte ein Handy sein.

Obwohl keine Gesichter zu sehen sind, gelingt Thomas in diesem Bild ein Porträt der Jugend, ihrer Verbundenheit zu Bayern, der Selbstverständlichkeit, mit der sie in ihrer Identität verwurzelt sind.

„Natürlich könnte ich auch Gesichter malen“, räumt der Künstler ein. „Technisch bin ich sehr wohl dazu in der Lage. Aber Gesichter lenken ab. Und ich will die Aufmerksamkeit des Betrachters ja auf etwas anderes lenken. Auf die Tracht in diesem Fall.“

Tracht ist auch in unseren Zeiten noch sehr präsent

Kunst fürs Wiesn-Bierzelt

Thomas‘ Bilder sind dort zu sehen, wo München für ihn am bayerischsten ist: im Festzelt „Goldener Hahn“ auf dem Oktoberfest zum Beispiel, das er jedes Jahr mit rund 60 seiner Werke bestückt. Oder im Kaminsaal des legendären „Wirtshaus am Nockherberg“, einer Münchner Institution, in der jedes Jahr zur Fastenzeit der berühmte Starkbieranstich stattfindet.

Ebenfalls sehr brauchtumsorientiert ist Thomas‘ künstlerischer Beitrag zum Ortszentrum von Johanneskirchen bei München. Dort hat er alle Tafeln des Maibaums gestaltet. Auch in der Theaterwelt ist er neuerdings unterwegs. 

So hat er für den Haimhauser Kulturkreis das Bühnenbild für das Stück „Haimhauser Ball der Vampire“ gemalt. „Eine echte Herausforderung, denn die Leinwand war 80 Quadratmeter groß!“

Im Hauptberuf arbeitet er als selbstständiger Werbegrafiker

Zwischen Agentur und Atelier

Dabei ist der gebürtige Münchner mehr so nebenbei Kunstmaler. Im Hauptberuf arbeitet er als selbstständiger Werbegrafiker mit eigener Agentur. „Ich brauche beides in meinem Leben“, gibt er augenzwinkernd zu. „Wenn die Hektik in der Agentur groß ist, wird die Malerei zum Ruhepol. Wenn ich dagegen nur malen würde, würde sich mein Kopf leer anfühlen und ich würde den kreativen Druck vermissen.“

Der Agenturjob mit den vielen Kunden führt Thomas auf Reisen durch die ganze Welt. Doch er kommt immer wieder gern nach München zurück. „Ich wollte noch nie richtig weg von hier“, gibt er zu, „München ist Heimat, und Heimat bedeutet für mich Zurückkommen zum Selbst.“

München ist seine Heimat

Münchens Magic Mix: Surfboard und Charivari

Gern ist der Künstler in seiner Stadt unterwegs, besucht Biergärten, stöbert auf Flohmärkten nach bayerischem Krimskrams wie Charivaris, alten Lederhosen, Holzgeschnitztem. „Außerdem mag ich den Englischen Garten, wo sich übrig gebliebene 68er nackt sonnen, dazwischen Geschäftsleute im Anzug und junge Typen in Lederhosen, die mit Schlappen und Surfbrett zum Eisbach unterwegs sind. Das ist mein München, mein Bayern.“

Mehr zu Thomas‘ Kunst und zu weiteren Sehenswürdigkeiten in München

„München ist Heimat. Das bedeutet für mich Zurückkommen zum Selbst“

... von Thomas

Giesing
Giesing, das frühere Glasscherbenviertel. Heute finde ich dort das, was es vor vielen Jahren mal in Schwabing gegeben hat. Ein echtes Insider-München. Dort wird Tradition auf sehr lässige und junge Art gelebt. Man merkt es auch beim Starkbier, wo das Publikum wieder jünger wird. Und mit dem Giesinger Bräu gibt es sogar eine stadtteileigene Brauerei! 

muenchen.travel/giesing

Bier- und Oktoberfestmuseum
Ein absoluter Geheimtipp ist für mich das Bier- und Oktoberfestmuseum beim Isartorplatz. Das kennen nicht mal die Münchner. Es liegt versteckt im ältesten Bürgerhaus der Stadt. Man lernt also nicht nur etwas über die Münchner Bierkultur, sondern auch über die Wohnkultur.

bier-und-oktoberfestmuseum.de

Valentin-Karlstadt-Musäum
Das nach Karl Valentin und seiner Schauspielpartnerin Liesl Karlstadt benannte Valentin-Karlstadt-Musäum muss man gesehen haben. Weil es absurd ist. Weil Karl Valentin ein Revoluzzer in schweren Zeiten war, der seinen Humor nicht verloren hat. Dieser Humor ist sehr speziell und vielleicht versteht ihn nicht jeder. Ich mag ihn. 

valentin-musaeum.de

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