Das hochwertige Hirschleder wird in einer kleinen Gerberei bearbeitet
Lederhosen-Tätowierer

Michael Thalhammer verhilft dem bayerischen Bekleidungsklassiker mit Tätowierungen zu neuem Glanz. Der Lederhosen-Rebell nennt das Ganze „Bavarian Surfstyle“

Lesezeit: 5 Minuten

Lederhosen-Rebell

Für viele Menschen stehen Dirndl und Lederhose – neben Bergen, Blasmusik und Bier – für Bayern. Zu Recht! Tracht verkörpert das bayerische Lebensgefühl. Durch das Tragen von Tracht repräsentiert man seine Heimatregion, identifiziert sich mit ihr. Trachtenmode wird nach wie vor gern getragen, sie wurde in den vergangenen Jahren sogar immer populärer.

Michael Thalhammer aus Sauerlach ist gelernter Sozialpädagoge, ehemaliger Musiker und führt in seiner Heimat einen Laden für traditionell bayerische Kleidung. Doch seine Modelle sind anders, ausgefallen, modern. Michael Thalhammer verkauft nicht nur hochwertige Lederhosen, er tätowiert sie und verhilft ihnen so zu einem völlig ungewohnten Look.

Nur Hirschleder, maßkonfektioniert

Der Sauerlacher ist in seiner Heimat tief verwurzelt. Das spiegelt sich auch in seinen Lederhosen wider. „Meine Hosen sind genauso, wie ich mir ordentliche Lederhosen vorstelle“, erzählt Michael. „Traditionell und doch ganz lässig. Kombiniert mit ’nem passenden T-Shirt, nenne ich das gerne ‚Bavarian Surfstyle‘. Darin vereinen sich meine Liebe zu Bayern und meine Leidenschaft zu Strand und Meer.“

Dabei liegt ihm die Qualität der Hosen am Herzen. Das hochwertige Hirschleder kommt aus heimatlichen Gefilden und wird in einer kleinen Gerberei seines Vertrauens bearbeitet. Thalhammer lässt die Hosen in der Region maßkonfektionieren. Mit viel Aufwand und Hingabe brennt er die Motive in das Leder. Dabei gleicht kein Motiv dem anderen, sie sind so individuell wie Tattoos, die man sich in die Haut stechen lässt.

Paten der bayerischen Lederhosen

So individuell wie Tattoos, die man sich in die Haut stechen lässt

Individuell, wild und originell sind Michaels Kreationen – und so ist auch er selbst. Da lag es nahe, dass die legendären bayerischen Freigeister Brandner und Kneißl Pate für den von Thalhammer 2015 eröffneten Laden stehen sollten, dem auch ein Tattoo-Studio angeschlossen ist.

Nach der literarischen Figur des Brandner Kaspar, der mit reichlich Schnaps beim Kartenspiel sogar dem Tod ein Schnippchen schlug, ist eine kurze, klassische Lederhose mit Stickerei im Latz und am Bein, mit Hirschhorn-Schlitzknöpfen und Messertasche benannt. Sie sitzt nicht ganz so lässig wie das Modell, das nach dem Räuber Kneißl benannt ist. Der stellte sich als Robin Hood der Voralpen gegen die Obrigkeit und endete mit 30 Jahren auf der Guillotine.

Michael: „Meine Hosen sind genau so, wie ich mir ordentliche Lederhosen vorstelle“

Großvaters Brandmalereien als Inspiration

Schon als Musiker zeigte Thalhammer Verbundenheit zu seiner bayerischen Heimat und trat in Lederhosen auf. „Damals ließ ich mir einen Totenkopf mit Gamsbart auf die Hose sticken. So ganz glücklich war ich aber damit. Durch die Stickerei war die Hose hart, wie ein riesiges Brett.“ „Eines Tages hab‘ ich an meinen Großvater gedacht. Daran, dass bei ihm früher überall diese gebrannten Holzbrettchen mit Motiven und Sprüchen hingen. Da überlegte ich: Warum kann ich nicht einfach eine Lederhose mit Motiven brennen?“

Auch wenn seine Lederhosen bei seinen Kunden sehr gefragt sind, in einer Sache gibt sich Michael ganz traditionell: „Für Frauen mach’ ich keine Lederhosen. Eine Frau sieht im Dirndl viel zu schön aus, um sie in eine Lederhose zu stecken.“ Rebellentum hin oder her!

Mehr über Michaels Lederhosen unter brandner-kneissl.bayern

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