Regelmäßiges Barfußgehen fördere das Wohlbefinden, sagt Pfarrer Kneipp
Bayern-Insider | Martl Jung

Schuhe aus, Gefühle an!

Martl Jung hat die Alpen überquert – barfuß! Nun bietet er Barfußwandertouren an. Das haben wir uns für euch näher angesehen

Barfuß-Guide Martl Jung

Sein Leben ist ein Barfußpfad. Martl Jung ist schon seit seiner Kindheit viel barfuß unterwegs, als Jugendlicher ging er sogar barfuß in die Disco. Später ging der Buchautor, Fotograf und Bergwanderführer noch weiter und wanderte barfuß über die Alpen. Die Freude daran möchte er anderen Schritt für Schritt näherbringen.

Dabei tritt Martl in große Fußstapfen: Schon Pfarrer Sebastian Kneipp predigte das Barfußgehen. „Wir entdecken barfuß vieles wieder, was wir schon verloren haben: den Kontakt zur Natur, einen natürlichen Gang und den Blick für die kleinen Dinge.“

Die Leute sind wie befreit, wenn sie die Erde unter den Füßen spüren

Die Leute sind wie befreit, wenn sie die Erde unter den Füßen spüren

Keine Blasen, kein Umknicken, kein Gelenkstress

Vorteile gibt es viele: „Man hat barfuß ganz andere Sinneseindrücke, zum Beispiel sind ohne Schuhe die Bodenfeuchtigkeit und -beschaffenheit spürbar.“ Martl ist sicher: „Barfuß sieht man einfach mehr!“ Und der Gang wird automatisch gelenkschonend: „Man läuft natürlich gedämpft auf dem Vorderfuß.“

Weitere Pluspunkte? Es gibt keine Schweißfüße, keinen Fußpilz. Und: Barfuß kann man nicht umknicken, Blasen sind natürlich Geschichte. Nachteile? „Alles hat seine Grenzen. Und Barfußlaufen soll Spaß machen. Wenn es steil bergab geht oder der Untergrund scharfkantig wird, sollten die Schuhe wieder angezogen werden.“

Martl selbst macht das nur selten. Bei seiner Alpenüberquerung, insgesamt 500 Kilometer und 30.000 Höhenmeter von München nach Verona, ließ er die Schuhe zu Hause: „Ich wusste, es werden herausfordernde Stellen kommen. Die kamen auch, aber da ich keine Schuhe dabeihatte, brauchte ich dann gar nicht mit mir ringen, ob ich sie anziehen sollte.“

Sein Erfolgsrezept: „Wie auch sonst im Leben muss man das Tempo den Bedingungen anpassen, dann ist vieles möglich, auch barfuß über die Alpen zu gehen.“

Barfußgehen als Kreislauf-Booster

Die klassischen Kneipp-Becken zum Wassertreten kennen viele, doch auch beim Barfußwandern hat man diesen Kältereiz. „Man betritt in der Natur eigentlich immer eine Bodenfläche, die kälter ist als der Fuß“, weiß Jung. Der Körper muss so bei jedem Schritt Energie nachführen, das regt den Kreislauf an, macht wach. „Nur wenn man Schuhe trägt, schlafen einem im wahrsten Sinne die Füße ein“, lacht Jung.

„Wenn du Schuhe trägst, schlafen dir im wahren Sinne die Füße ein

Kneipp ist für Martl allgegenwärtig. „Ich kneippe überall, wo Wasser in der Nähe ist. Beim Spazierengehen mit meinem Hund laufe ich, je nach Jahreszeit, einfach in der Ammer.“

Allen, die nicht so trittsicher sind, empfiehlt er Barfußpfade mit zusätzlichen Kneipp-Möglichkeiten, die Geländer zum Festhalten haben. „Sehr schön kneippen kann man rund um den See in Bad Bayersoien oder am Kurpark in Bad Wörishofen. Die Barfußpfade in Penzberg und Benediktbeuern haben zusätzlich die sehr beliebten Schlammkuhlen, da kann man noch mal Kind sein.“

Barfuß-Anfänger sollten auf Wiesen und Waldwegen starten

Barfuß-Anfänger sollten auf Wiesen und Waldwegen starten

Das Glück, die Erde direkt zu spüren

„Immer wieder schön ist die Tour aufs Hörnle von Bad Kohlgrub aus“, sagt Martl. Das Hörnle ist ein Grasbuckel mit rund 700 Höhenmetern. Hier können sich auch Anfänger im Barfußwandern probieren, denn der Aufstieg erfolgt über Wiesen und etwas Waldweg. Als Bergwanderführer ist Jung auch in hochalpinen Bereichen unterwegs. Da wartet auf die Füße zum Beispiel Granit, der bricht in schönen Platten und hat eine glatte Oberfläche: „Quasi wie beim Fliesenboden“, weiß Jung.

Das sind per se keine Barfußtouren, aber er als Guide zieht, wenn es angenehm ist, seine Schuhe aus. Diese Erfahrung bietet er privat auch für Firmen oder als Event an, führt etwa eine Gruppe gestresster Manager aufs Hörnle. „Die Leute sind wie befreit, wenn sie die Erde unter den Füßen spüren, sie freuen sich barfuß wie die kleinen Kinder.“

Mehr über Martls Barfußwanderungen

Wie auch sonst im Leben: "Das Tempo den Bedingungen anpassen"

2 Tipps

... von Martl

Wanderung zum Hohen Peißenberg
Ich wohne nur rund 200 Höhenmeter unterhalb des Gipfels des Hohen Peißenberg und laufe sehr oft hoch, in der Regel barfuß. Am Gipfel stehen unterhalb des Sendeturms zwei fest installierte Liegestühle, da kann man die Aussicht genießen. Die ist einmalig, im Voralpenland ist der Hohe Peißenberg weit und breit der höchste Punkt. Ihr habt alle Berge von der Benediktenwand über die Zugspitze bis zum Grünten im Allgäu alles im Blick. 

pfaffen-winkel.de

Murnauer Moos
Fotografisch bin ich sehr gern in kleinräumigen Oasen unterwegs, zum Beispiel im Murnauer Moos. Dort kann man tolle Naturaufnahmen machen, von Insekten, besonders Schmetterlingen, und Kreuzottern etwa. Es gibt auch viele seltene Pflanzen wie den Sonnentau. Barfuß seht ihr auch hier mehr, weil ihr einfach genauer auf den Boden schaut. 

murnau.de

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