Die Wehrmauern der Burg Pappenheim
Burgen im Altmühltal

Ganz bei Zinnen?

Im Naturpark Altmühltal zackt fast überall eine Burgmauer in den Himmel. Viele der Anlagen halten Überraschungen bereit: Geier-Sturzflug, moderne Kunst, der kleinste Dinosaurier der Welt und himmlische Himmelbetten!

Lesezeit: 10 Minuten

Burgen und Geier

Wenn Gänsegeierdame Mary langweilig ist oder die Thermik fehlt, lässt sie sich gern mal im Biergarten des Städtchens Riedenburg blicken. Da gibt es immer was zu holen. Oder sie sammelt auf dem nahen Tennisplatz die Bälle ein.

„Die sehen so köstlich nach Küken aus“, erzählt Gunter Hafner amüsiert. Dem Falkner der Rosenburg sind die Eskapaden seines Schützlings vertraut. Und für die Riedenburger sind Riesenvögel am Himmel und beim Stadtbummel ein gewohnter Anblick, seit der gelernte Steinmetz vor Jahren sein Hobby zum Beruf machte und die Falknerei hoch über den Dächern der Stadt übernahm.

Rosenburg: Unter Geiern

Im hübschen Innenhof des fast 800 Jahre alten Gemäuers setzt Hafner damit eine ebenso lange Tradition fort. Minnesang und die Jagd mit Greifvögeln waren die vornehmen Hobbys im Mittelalter, auch für die Grafen von Riedenburg. Auf Liebesgesänge versteht Gunter Hafner sich weniger, in Sachen Vögel aber würden die alten Burgherren der Rosenburg heutzutage wohl vor Neid erblassen.

Unter den 50 Bewohnern des Falkenhofs sind einige der größten Vogelarten vertreten, darunter Mönchsgeier, Steppen- und Kaiseradler, dazu die Medium-Fraktion wie Bussarde und Eulen und schließlich die klassischen XS-Größen wie Lannerfalke, Ger- und Wanderfalke. Die Angeber-Haustiere der Ritterzeit sind zwar vergleichsweise klein, so wie Falkenweibchen „Minnie“, die sich auf der Rosenburg von Besuchern fürs Selfie auf den Arm tragen lässt. Doch bei den Flugvorführungen zeigt sie, was in ihr steckt.

 Schloss Rosenburg hoch über dem Altmühltal

Schloss Rosenburg hoch über dem Altmühltal

Adler mit Elefanten-Gedächtnis

Schön aufgereiht im Burghof fiepen, krächzen und schreien die Tiere aufgeregt, bevor sie an der Reihe sind. Mit einem internationalen Team von Falknern und Vogeltrainern lässt Hafner seine gefiederten Stars zweimal täglich so dicht über den Köpfen der Besucher abheben, dass einem unter den Schwingen von Adlern und Geiern die Haare umherwirbeln.

Adler können extrem eifersüchtig sein

Mit der Geschwindigkeit eines Formel-1-Wagens flitzen Minnie und ihre Falkenkollegen um die Zinnen und durchs Burgtor, stürzen sich mit Anlauf so schnell auf die Fleischsnacks, die Hafner an einem Seil rotieren lässt, dass die Augen kaum folgen können.

Während der Vorführung erzählt Hafner spannende Anekdoten. Beispielsweise, dass Adler alles andere als Spatzenhirne haben, sondern ein Elefantengedächtnis besitzen und dabei alle menschlichen Charaktereigenschaften zeigen können.

Bis hin zu dramatischer Eifersucht, was zur Folge hat, dass sich Hafners Frau vor manchen Sitzstangen gar nicht mehr blicken lassen darf. „Meine Familie“, nennt er seine bunte Vogelschar dennoch Und die genießt auch in ihrer Tagesfreizeit das Vergnügen, frei zu sein wie ein Vogel.

Rabenstein, Tachenstein und Burg Prunn

Wenn Geier Mary und Falke Minnie in den Himmel über der „Drei-Burgen-Stadt“ Riedenburg steigen, blicken sie auf ein wahres Burgen-Land. Gleich neben der Rosenburg sind die Reste von Rabenstein und Tachenstein zu sehen.

Etwas weiter taleinwärts spitzt Schloss Eggersberg in den Himmel, keine zwei Kilometer in die andere Richtung erhebt sich Burg Prunn auf einem steilen Kalkfelsen hoch über der Altmühl. Burg Prunn sieht mit den wehrhaften hohen Mauern und dem Turm wie das Idealbild einer Ritterburg aus.

Dazu passt, dass dort im 16. Jahrhundert eine der ältesten Handschriften des Nibelungenlieds gefunden wurde. Die Zeitreise setzt sich drinnen fort, mit dem großen gotischen Saal, den spätgotischen Wandmalereien und einer Ausstellung zu den Themen Jagd und Kleidung, Recht und der Rolle der Frau im Mittelalter.

Die Reste von rund 100 Burgen

Es gibt kaum einen Ort in dieser Gegend, wo nicht am nächsten Bergkamm eine Burgmauer oder ein Schlossturm in den Himmel ragt. Wie viele Anlagen der Naturpark Altmühltal beherbergt, können nicht einmal die Fachleute beantworten.

„An die hundert müssen es in jedem Fall sein“, schätzt der Kipfenberger Archäologe und Kreisheimatpfleger Karl-Heinz Rieder. Einige Burgen wurden noch im Mittelalter Opfer garstiger Nachbarn. Längst haben Farne, Bäume und anderer üppiger Wildwuchs der Südlichen Frankenalb fast alle Spuren beseitigt.

Hier wartet vielleicht noch der einen oder andere echte Schatz darauf, entdeckt zu werden! Und eine tolle Landschaft sowieso. Zwischen Treuchtlingen im Westen und dem Donaudurchbruch bei Kelheim, von Ingolstadt im Süden bis Greding im Norden vereint der Naturpark auf fast 3.000 Quadratkilometern viele Schönheitspunkte.

Jede Menge Bilderbuch-Bayern

Bezaubernde Städtchen, deren umlaufende Stadtmauern wie aus der Zeit gefallen scheinen. Barocke Opulenz in Kirchen und Klöstern. Leuchtend grüne Wälder und sonnenverbrannte Wacholderheiden. Enge Seitentäler und steile Felsen. Und mittendrin mäandert die Altmühl von einem schönen Picknickplatz zum nächsten. Deutschlands langsamster Fluss ist bei Kanuten, Bibern und Ausflüglern mit Sinn für Romantik gleichermaßen beliebt. Und spätestens über der nächsten Flussbiegung steht schon wieder eine Burg!

Ursache für die emsige Bautätigkeit des Mittelalters war laut Karl-Heinz Rieder ein territoriales Kleinklein, ein halbes Jahrtausend bevor die Gegend in der Zeit Napoleons dem Königreich Bayern zugeschlagen wurde. „Im Süden und Osten des heutigen Naturparks hatten die Wittelsbacher das Sagen. Im Zentrum regierten die Fürstbischöfe von Eichstätt, während im Westen die Hohenzollern die Macht an der Altmühl waren.“ Mittendrin gab es noch die Grafschaft Pappenheim und das Kloster Kaisheim.

„In Weißenburg bestimmte jahrhundertelang der Rat der Stadt. Und dann war da noch die Stammeszugehörigkeit!“ Heute gehen die Altmühltaler überaus friedlich miteinander um, doch Franken, Schwaben und Altbaiern trauten sich nicht immer über den Weg, gibt Rieder zu bedenken. Da verschanzte man sich lieber.

Schloss Eggersberg: Burgfräulein für eine Nacht

Das Burg und Schloss gewordene Wehr- und Imponiergehabe alter Tage ist eine der Hauptattraktionen im Naturpark Altmühltal. Zu erleben beispielsweise auf dem Altmühltal-Panoramaweg, der 200 Kilometer lang und in zehn Tagestouren die Highlights im Naturpark ansteuert.

Eine der schönsten Unterkünfte am Weg ist „Schloss Eggersberg“. Hier kann man wunderbar Burgfräulein und Burgherr spielen und sich am Abend in einem der 14 farbenfrohen Gästezimmer ins Himmelbett fallen lassen kann. Aber Vorsicht: Alles altes Originalmobiliar!

Zuvor lohnen Streifzüge durch den schönen Garten, der von Pächterfamilie Schwarz liebevoll gepflegt wird. Und durchs kleine Privatmuseum. Eggersberg ist ein Ort mit viel Geschichte, die Millionen von Jahren zurückreicht.

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Römerbrücke bei Pfünz

Der Dino, der so klein wie ein Pudel war

Einer der kleinsten Dinosaurier der Welt wurde hier gefunden. Compsognathus longipes war ein Fleischfresser, doch nur so groß wie ein Pudel, weshalb das ausgestellte Modell kaum Albträume verursachen kann. Beim Bau des Main-Donau-Kanals, der unterhalb von Eggersberg entlangführt, entdeckte man außerdem ein Gräberfeld aus der Keltenzeit. Im Schloss ist daraus der längste, komplett erhaltene Bronze-Keltengürtel zu sehen.

Überhaupt wird so mancher Ausflug im Altmühltal zur Zeitreise. Der weltberühmte Urvogel Archaeopteryx wurde hier gefunden, Neandertaler setzten Mammuts nach, Menschen der Bronze- und Eisenzeit verstauten ihre Toten in Grabhügeln. Die Kelten siedelten an der Altmühl und die Römer überzogen am Limes die Landschaft mit Wällen und Kastellen, bevor Ritter und Grafen die Bergrücken mit Burgen verzierten.

Burg Kipfenberg: Von Römern und Urbayern

Wer sich für die Geschichte interessiert, kommt an Kipfenberg nicht vorbei. Und wer in Bayern seine Mitte finden möchte, auch nicht. Der geografische Mittelpunkt des Freistaats beherbergt mit der Burg Kipfenberg eine der schönsten in der ganzen Gegend.

Im märchenhaften Bau mit seinen romanischen und gotischen Teilen und dem Hexenturm aus dem 13. Jahrhundert kann man im Kerzenschein heiraten und nebenan in der Vorburg im „Römer und Bajuwaren Museum“ tief in die Geschichte eintauchen.

Der Schwerpunkt des Museums liegt auf der Darstellung der Römerzeit in der Provinz Raetia, des Aufbaus und Falls des Limes, der Völkerwanderungszeit und des Aufstiegs der Bajuwaren. Anlass zum Aufbau des Museums war das germanische Kriegergrab aus dem 5. Jahrhundert, das nahe Kipfenberg entdeckt wurde.

Der Krieger von Kemathen...


... war ein germanischer Söldner im Dienste der römischen Armee. Die Rekonstruktion dieses Urbayern mit seinen üppigen Grabbeigaben ist das Highlight unter den Exponaten. Wie es sich so lebte am Nordrand des Imperiums, zeigt das Museum in liebevoll gestalteten Themenräumen. Dabei können kleine und große Besucher auch in Römerrüstungen schlüpfen.


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