Der Glassklupturenpark in Frauenau bietet Installationen verschiedener Künstler
Arberland grenzenlos

Die Topografie im Bayerischen Wald kann nicht nur für Rollstuhlfahrer herausfordernd sein. Zum Glück lassen sich die schönsten Ausflugsziele auch mit Handicap problemlos erleben. Unterwegs zu hohen Gipfeln, durch Gärten aus Glas, bis tief hinab in die Welt der Maulwürfe

Lesezeit: 10 Minuten

Unbändige Freiheit am Großen Arber

Die große Freiheit ist nur noch ein paar Meter weit entfernt. Das Panorama, das sich an der Bergstation der Arber-Seilbahn öffnet, ist ja ohnehin schon spektakulär. Auf der gläsernen Aussichtsplattform jedoch, die sich von hier aus scheinbar geradewegs in den Himmel vor uns schiebt, fühlt es sich an, als würde man gleich abheben.


Nur ein paar Meter unterhalb des 1.456 Meter hohen Gipfels des Großen Arbers gelegen, bietet sich hier ein unvergleichlicher Blick über Berge und Wälder. Und das buchstäblich grenzenlos: „Bis weit in den Nationalpark Sumava im tschechischen Böhmerwald kann man schauen“, schwärmt Walter Kilger.

Die Aussichtsplattform an der Arber-Seilbahn

Seit dem Ende seiner Laufbahn als Leistungssportler im Rollstuhl-Tischtennis hat er zum Glück mehr Zeit, seine Heimat zu genießen. Und der höchste Berg des Bayerischen Waldes ist einer seiner Lieblingsplätze.

„Bei schönem Wetter mit entsprechender Fernsicht und bei einer guten Brotzeit, nahe dem Gipfelkreuz, fühle ich eine unbändige Freiheit!“ Außerdem wachse hier der legendäre Bärwurz, der traditionell nicht nur in der hochprozentigen Version beliebt ist, so Kilger. „Früher wurde er als Medizin eingesetzt, die gegen Gicht, Blasenleiden und Verdauungsprobleme hilft.“

Die Bergstation Großer Arber ist barrierefrei

Urlaubsgenuss für alle

„Im Arberland sind 86 Highlights nach Reisen für Alle gekennzeichnet

Hohe Gipfel, schon ganz dicht dran an den Wolken, tiefe Täler, durch die Luchse und Wölfe tapsen, und tolle Kräuter: Der Bayerische Wald ist herrlich wild – und das mit einer Topografie, die schon für Fußgänger herausfordernd ist.

Die gesamte Region des Bayerischen Waldes hat es sich zum Ziel gemacht, Urlaubsgenuss für alle zu ermöglichen. 86 Ausflugsziele, Restaurants und Unterkünfte im Arberland sind bereits nach „Reisen für Alle“ gekennzeichnet für ein unbeschwertes Erlebnis, Tendenz steigend.

Der Arbersee im Bayerischen Wald
Der Große Arbersee erweckt Freiheitsgefühle

Rundweg um den Arbersee

Ein weiteres Highlight liegt nur ein paar Straßenkehren vom Arber entfernt: Der Große Arbersee mit seinem dunklen Wasser, auf dem Seerosen im Bergwind surfen, und mit den knorrigen Fichten, die sich ans Ufer krallen, ist auch für Rollstuhlfahrer ein Erlebnis.

„Sogar der Rundweg um den Großen Arbersee ist für Rollstuhlnutzer mit elektrischem Antrieb oder fitte Rollstuhlfahrer möglich“, weiß Walter Kilger, der als Behindertenbeauftragter seiner Gemeinde Gotteszell bei seinen Ausflügen immer auch in der Mission Barrierefreiheit unterwegs ist.

Am schmucken Restaurant „Arberseehaus“ trifft er sich gern mit Freunden und lässt von der Terrasse aus den Blick über den See schweifen. „Und die Toilette ist für Rollstuhlfahrer erstklassig!“, schwärmt Kilger. Ein Thema, worüber Fußgänger sich selten Gedanken machen, ist besonders für Rollstuhlfahrer eben essenziell bei der Ausflugsplanung.

Das Restaurant Arberseehaus ist am Arbersee gelegen und bietet einen beeindruckenden Blick auf das dunbkle Wasser

Gute Zugänglichkeit, auch beim Freizeitvergnügen

Barrierefreiheit ist längst kein Anliegen, das nur eine kleine Randgruppe betrifft, weiß Kilger. Fast zehn Prozent aller Menschen in Deutschland sind schwerbehindert – mit einem Grad an Behinderung von mindestens 50. „Bei Menschen über 64 Jahren liegt der Anteil sogar bei fast einem Viertel.“

Unter Schwerbehinderung versteht man einen Grad der Behinderung von mindestens 50. Dazu gehört ein gültiger Schwerbehinderten-Ausweis. Gute Zugänglichkeit tut not, auch beim Freizeitvergnügen!

Easy – auch für Walter Kilger – geht unser Ausflug weiter, er führt von den hohen Bergen bis unter die Erde: Der begehbare Tunnel, der multimedial das Wurzelreich der Wälder erlebbar macht, ist nur eine der Attraktionen im „Haus zur Wildnis“, welches wir als Nächstes besuchen.

Das Besucherzentrum des Nationalparks Bayerischer Wald ist ebenso barrierefrei wie die Freigelände, wo sich Luchse, Auerochsen und Wildpferde tummeln.

Der Eingangsbereich des Haus zur Wildnis
Im Haus zur Wildnis

 „Für mich ein wunderbarer Ort, um die Fauna und Flora des Bayerischen Waldes hautnah zu erleben“, so Kilger. „Und selbst als Einheimischer bewundere ich jedes Mal den informativ und plastisch auf einer großen Platte dargestellten Bayerischen Wald mit all seinen Dörfern und Bergen und den dazugehörigen Höhenangaben.“ Besonders erfreulich ist, dass man hier auch bei schlechter Witterung einen schönen Tag verbringen kann.

Im Haus zur Wildnis

Zeitreise zum Glas

Geradezu märchenhaft wirken die Gläsernen Gärten am Glasmuseum in Frauenau. Dicke Schachtelhalme aus Glas wachsen hier am Bachufer der Flanitz empor, die Sonne glitzert tausendfach in der gläsernen Kunst. Auf den Arealen der Glashütten Poschinger und Eisch in der Bachaue entstand der weltweit erste Glasskulpturenpark mit 31 Installationen regionaler und internationaler Künstler. Aufgrund seiner jahrhundertealten Glasmacher-Tradition wird Frauenau das „Gläserne Herz des Bayerischen Waldes“ genannt.

Die Ausstellung drinnen im Museum geht weit darüber hinaus, sie ist eine Zeitreise zum Glas und verspricht einen wahren Rausch von Formen und Farben. Und das selbst noch bei vermeintlich profanen Dingen wie mundgeblasenen Schnupftabak-Fläschchen, von denen das Museum eine riesige Sammlung beherbergt. Beim Anblick ist Walter Kilger zwar nicht verschnupft, aber ein wenig neidisch, denn die kleinen Kunstwerke hat er als Lokalpatriot selbst mal gesammelt!

Glasmuseum Frauenau

Natürlich hat Kilger noch weitere Ausflugstipps parat, für die heute leider keine Zeit mehr bleibt. Etwa die Erlebnis-Allee im Grenzbahnhof von Bayerisch Eisenstein mit mehreren Museen, Ausstellungen und einer Kunstgalerie.

„Allein das Fledermauszentrum dort ist ein Highlight und es gibt eine tolle interaktive Ausstellung zum Großen Arber.“ Auch vom Kurpark in Bischofsmais schwärmt er: „Sehr schön mit einer schmalen Teerstraße versehen, alles sehr idyllisch eingebettet in die Gemeinde Bischofsmais. Bestens zu befahren mit Rollator und Rollstuhl!“

Wer von der gläsernen Glitzerwelt gar nicht genug bekommen kann und in Frauenau auf den Geschmack gekommen ist, dem empfiehlt Walter Kilger noch das Joska-Glasparadies in Bodenmais. Dort könne man Glasbläsern, Glasschleifern, Glasmalern und Graveuren nicht nur über die Schulter schauen, sondern es selbst versuchen.

„Schon toll, dort zu leben, wo andere Urlaub machen!“, freut sich Walter Kilger. Und er arbeitet daran, dass seine Heimat jeden Tag noch ein bisschen zugänglicher wird.

Mehr Infos unter arberland-bayerischer-wald-barrierefrei

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