Königliche Liebesaffären, heilende Moorbäder, eiskalte Kältekammern und ein Gesundheitsguru mit Vorliebe für Zigarren: Bayerns Heilbäder und Kurorte sind voller überraschender Geschichten
Wusstet ihr eigentlich, dass …
… Bad Brückenau einst das Liebesnest von König Ludwig I. und Lola Montez war?
Bad Brückenau liegt am Fuß der Rhön in Franken. Dank zahlreicher Mineralheilquellen kurte man dort schon im 18. Jahrhundert. Erst König Ludwig I. (1786 bis 1868) machte aus dem Ort ein Kleinod mit „seinen“ Bauten. Insgesamt 26 Mal hielt er sich in Brückenau auf. Der König ist schon ein Silver Ager, als er 1846 in München die 25-jährige irische Tänzerin Elizabeth Rosanna Gilbert alias Lola Montez kennenlernt und ihr verfällt.
Das Techtelmechtel gerät bald zum Skandal, sodass Bad Brückenau, 275 Kilometer weit weg von München, im Jahr 1847 zum idealen Fluchtort und Liebesnest avanciert. Angeblich soll Lola eine rote Laterne in ihr Hotelzimmer gestellt haben, wenn sie Sehnsucht nach seiner Majestät hatte. 1848 dankte der König ab, Lola floh in die Schweiz. Später zog sie weiter in die USA.
bad-brueckenau.de
… Sebastian Kneipp einer guten Zigarre nicht abgeneigt war?
Der Gesundheitsapostel aus Bayerisch-Schwaben ist berühmt für seine Kaltwassergüsse. Die von ihm entwickelten Kuren sollen das Immunsystem stärken oder Erkrankungen wie Herzschwäche, Krampfadern oder auch psychische Probleme lindern.
Der gemeinhin so auf Disziplin erpichte Pfarrer ließ auch mal die therapeutischen Zügel schleifen. Ihm wird das Zitat zugeschrieben: „Wer gar nicht raucht, tut am besten. Wenn aber ein gesunder Mann in einer freien Stunde, besonders bei einer Unterhaltung, eine Zigarre oder eine Pfeife raucht, so wird es ihm nicht schaden.“
Kneipp-Heilorte in Bayern
… ein Heilmittel-Trio Bad Steben einzigartig macht?
Bad Steben ist einer der wenigen Kurorte in Europa, an dem die Heilmittel Radon, Kohlensäure und Moor gleichzeitig vorkommen und genutzt werden. Diese Kombination (aber auch jedes Heilmittel für sich) fördert Entspannung und reduziert Entzündungen Schmerzen.
Gäste des Staatsbads genießen die Therme mit ihren Wasserwelten und Saunen oder lassen sich im Gesundheits- und Wellness-Zentrum verwöhnen. Wahrzeichen des Kurorts ist das 1837 von Leo von Klenze erbaute Badehaus. Bad Steben liegt in Franken, 20 Kilometer nordwestlich von Hof.
bad-steben.de
… schon 25 Minuten in Thermalwasser das Stress-Niveau senken?
Studien haben gezeigt, dass bereits 25 Minuten Baden in Thermalwasser Kortisol-Spiegel und damit das Stressniveau senken können. Noch mehr Heil-Power hat Thermalwasser, wenn es Mineralstoffe und Spurenelemente wie Schwefel, Kohlensäure, Kalzium oder Magnesium enthält.
Nach einer Woche Badekur in sulfidschwefelhaltigem Heilwasser gehen laut einer Studie Schlaflosigkeit und Schwächegefühl deutlich zurück. Ob im Glas oder Bad: Mehr als 20 bayerische Heilbäder und Kurorte bieten die Möglichkeit, sich von Heilwasser auf die Sprünge helfen zu lassen.
Mehr zum Heilwasser
… in Bad Gögging bereits die Römer baden gingen?
Das ostbayerische Heilbad liegt südwestlich von Regensburg an der Donau. Es verfügt über drei Naturheilmittel: Schwefelwasser, Moor und Mineral-Thermalwasser. Sie lindern Beschwerden bei Rheuma, Gelenkerkrankungen, Entzündungen und mehr.
Die Schwefelquellen wurden schon von den Römern genutzt. Etwa seit 15 vor Christus sind sie in der Region. Um das Jahr 80 errichtete die 4. Gallierkohorte zur Sicherung der Donaugrenze das Kastell Abusina. Und Kaiser Trajan ließ für seine Legionäre eine Therme bauen. An die antiken Badegäste erinnern unter anderem ein Museum und Überreste des Abusina-Kastells.
bad-goegging.de
… man sich nach Solebädern nicht abduschen sollte?
Sole („Salzbrühe“) aus natürlichen Quellen ist ein mineralstoffreiches und traditionsreiches Heilmittel zur ganzheitlichen Gesundheitsförderung. Man trinkt sie, inhaliert sie oder badet darin.
Solebäder wirken entzündungshemmend, durchblutungsfördernd und muskelentspannend sowie heilsam bei Hautproblemen, Gelenkbeschwerden oder zur Regeneration nach körperlicher Belastung. Solebäder entsäuern außerdem und bewirken einen ausgeglichenen pH-Wert der Haut. Wichtig: Nach dem Bad (nicht länger als eine halbe Stunde) nicht abduschen, nur sanft abtrocknen und mindestens 30 Minuten ruhen.
bad-reichenhall.de (PDF)
… in Bad Aibling das Moor wieder aufgepeppt wird?
Der Ort im Herzen des oberbayerischen Alpenvorlands ist das erste und älteste Moorheilbad Bayerns. 1845 wurde dort eine „Soolen- und Moorschlamm-Badeanstalt“ eröffnet. Seit der Eröffnung einer Therme 2007 darf sich Bad Aibling Bayerns jüngstes Thermalbad nennen.
Das Bad Aiblinger Moor weist einen optimalen Vertorfungsgrad auf und lässt sich gut abbauen. Nach seiner Nutzung für Moorbäder und -packungen wird das dann breiartige Moor wieder an die Natur zurückgegeben. Der Moorbrei enthält mehr Wasser als das Torf, so dass das Moor mehr Kohlenstoffdioxid aufnehmen kann, was gut für den Klimaschutz ist.
bad-aibling.de
… drei Minuten Kälte kleine Wunder wirken können?
Mehr als cool: In speziellen Kältekammern, wie etwa in Bad Füssing, Bad Aibling oder Bad Weißenstadt, herrschen Temperaturen von minus 110 Grad Celsius. Man betritt sie in Badebekleidung, aber mit Mund- und Ohrenschutz, Handschuhen, Socken und – wichtig! – festen Schuhen.
Zwischen zwei und fünf Minuten dauert der eisige Stopover. In dieser Zeit kühlt die Haut auf etwa zwei Grad ab, die Körpertemperatur bleibt fast konstant. Der Kälteschock lindert Schmerzen oder befreit ganz von ihnen. Dieser Effekt hält anfangs 30 Minuten an, bei wiederholten Anwendungen bis zu drei Monate. Kältekammern werden unter anderem bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen oder chronischen Schmerzen angewendet.
… Bad Kissingen klangvolle Rekorde hält?
Das Kurorchester Bad Kissingen zählt 13 festangestellte Profimusiker. Es ist damit das größte Kurorchester deutschlandweit. Gegründet wurde es im Jahr 1837. Die Bad-Band verfügt über ein Repertoire von 3.000 Musikstücken. Im Jahr 2012 schaffte es das Orchester mit insgesamt 727 Auftritten sogar ins „Guinness-Buch der Rekorde“.
Von der Wandelhallen-Drehbühne des berühmten Kurorts klingen neben Klassik auch Operetten-Hits, Walzer, Polkas, Musical-Medleys sowie Filmmusik-Melodien. Die Konzerte finden mehrmals in der Woche statt. Der Eintritt ist kostenlos.
bad-kissingen.de
… 20 Minuten im Moorbad einem Fieber entsprechen?
Kräuter, Bäume, Blätter, Samen und Wasser: Das alles ist im bayerischen Moor, einem hochwirksamen Gemisch aus über 350 Pflanzenbestandeilen. Ein Bad darin funktioniert als natürliches Detox, lindert Schmerzen und beugt Burn-Out vor. Der Gesundheits-Wumms kommt vor allem von der intensiven Wärme, die ein Moor-Vollbad dem Körper beschert.
Schon nach etwa 20 Minuten erhöht sich die Körpertemperatur um bis zu zwei Grad. Dieses Heilfieber bringt Immunsystem und Stoffwechsel auf Trab, reguliert den Blutdruck und durchblutet die Haut. Gelindert werden können auch Probleme an Knochen und Gelenken. Doch das ist nicht alles: Auf 252 Hormone und Inhaltsstoffe bringt es etwa das Aiblinger Moor, darunter vor allem die Huminsäuren, die den Körper entgiften und das Immunsystem stärken.
gesundes-bayern.de/moor
… Kneipp auch strapazierten Augen hilft?
Guter Tipp für Bildschirm-Arbeiter: Wenn die Augen schmerzen, einfach mal ein Augenbad probieren! Die geöffneten Augen für 10 bis 20 Sekunden in eine Schüssel mit sauberem kaltem Wasser tauchen, dabei ein wenig mit dem Lidern blinzeln und die Augen rollen. Das kann anfangs ein bisschen brennen, gibt sich aber. Am besten täglich machen.
Die Anwendung hilft gegen übermüdete, trockene und empfindliche Augen, auch bei Heuschnupfen. Und sie stärkt die Abwehrkräfte der oberen Atemwege und des Stirn-Nasen-Nebenhöhlenbereichs.
… es in Bad Bocklet eine „Stahlquelle“ gibt?
Die Heilquelle im fränkischen Bad Bocklet wurde 1725 entdeckt. Benannt wurde sie nach dem Architekten Balthasar Neumann, der ihre Fassung gestaltete. Bis zur Säkularisation 1803 wurde die Heilquelle ausschließlich vom Würzburger fürstbischöflichen Hof genutzt.
Ihr Wasser ist das am stärksten eisenhaltige Heilwasser in Deutschland. Eine weitere Eigenschaft ist der sehr hohe Gehalt an gelösten Gasen. Eine Trinkkur aus der Balthasar-Neumann- oder auch „Stahlquelle“ hilft bei Eisen- und Mineralstoffmangel, sie entgiftet den Organismus, stärkt das Immunsystem und aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers.
badbocklet.de