Doppelt beschäftigt: Als Kuhschellenschmied und Yogalehrer
1.000 Schläge und ein Ommm!

Der Schmied, der nach unten schaut: Kilian Trenkle ist Kuhschellenschmied in fünfter Generation und überzeugter Yogi. So sorgt er für den perfekten Bergsommer-Sound und entspanntes Salamba Shirshasana

Schellenschmied Kilian

„Das Geläut von Kühen gehört zum Allgäu einfach dazu“, schwärmt Schellenschmied Kilian Trenkle. „Was wäre denn ein Viehscheid ohne das bunte Läuten einer Kuhherde?“ Der Mittdreißiger sitzt am glühenden Feuer seiner Schellenschmiede in Pfronten-Heitlern. Von seinem Vater lernte Kilian Schellen zu schmieden und damit ein Allgäuer Traditionshandwerk. Und er hat Recht: Ohne den besonderen Klang der Kuhschellen (keine Kuhglocken!) wäre der Bergsommer auf den Allgäuer Almen nur halb so idyllisch.

„Beim Hummelbaur“ wird bereits in fünfter Generation geschmiedet. Dumpfe Hammerschläge erfüllen den Raum. Bedächtig, fast meditativ muss ein Schellenschmied arbeiten, damit seine Schelle den perfekten Klang bekommt.

Die besondere Schmiedetechnik hat der Großvater entwickelt

Der schönste Beruf der Welt

Kilian übt seinen Beruf mit besonderer Leidenschaft aus. Er ist allerdings nicht nur Schmied, sondern auch Yogalehrer. „Yoga ist meine weiche Seite“, lacht er. Yoga ist das komplette Gegenteil des archaischen, kraftvollen Schellenschmiede-Handwerks. Dieser Kontrast reizt Kilian: „Das Schellenschmieden habe ich mit Anfang zwanzig für mich entdeckt. Neben dem Yoga nimmt das Schmieden inzwischen mehr und mehr Zeit ein. Mich fasziniert es immer wieder aufs Neue, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen. Für mich ist klar: Schmied ist der schönste Beruf der Welt.“

Das Schmieden sei für ihn jedoch nie eine Verpflichtung gewesen, betont Kilian. „Nach dem Abi war ich eine Weile unschlüssig, was ich machen wollte.“ Erst arbeitet er als Produktdesigner und entwickelt einen Yoga-Kopfstandhocker. „Ich gab ihm den Namen FeetUp und begann, ihn über das Internet zu vertreiben“, sagt der bayerische Freigeist mit einem Schmunzeln.

Das Weidegeräusch wird perfekt, wenn Glocken und Schellen gemischt sind

1.000 Schläge und viel Glut

Rund 1.000 Schläge benötigt der Pfrontener, bis er aus zwei flachen Stahlblechen die beiden gewölbten Hälften der Schelle geformt hat, dann schweißt er die Naht. Diese Technik hat Kilians Großvater entwickelt. „Eines Tages hat mein Großvater ein altes Sägeblatt genommen. Es war abgenutzt, aber ihn hat der hochwertige Stahl interessiert. Als er die Feinheiten raushatte, wurde der Schellenklang mit diesem sehr guten Material unvergleichlich schön.“ Zum Schluss hängt Kilian den Klöppel ein, der dann ans Blech schlägt und dabei den charakteristischen Schellenklang erzeugt: „Das Weidegeräusch wird perfekt, wenn Glocken und Schellen gemischt sind.“

Shirshasana vor Alpenpanorama

Was unterscheidet Glocke und Schelle?

„Der Unterschied zwischen Glocke und Schelle? Das ist ganz einfach: Eine Glocke wird gegossen, eine Schelle wird aus Blech geschmiedet. Eine Glocke ist wie das Engelsgeläut. Das sind die feinen, hohen Töne. Die Schelle hat eher tiefe Töne, einen erdigen Sound.“

Der genaue Klang einer Schelle lässt sich nicht planen. „Der Klang einer Schelle entwickelt sich erst beim Schmieden. Jede Schelle ist Handarbeit, jede Schelle hat eine etwas andere Form und somit auch einen ganz individuellen Klang. Natürlich geht es bei der Schelle nach der Optik, aber viel wichtiger ist eigentlich der Klang“, erzählt Kilian.

Erfahrt mehr zu Kilians Yogahocker

Merke: "Eine Glocke wird gegossen, eine Schelle wird geschmiedet"

... von Kilian

Breitenberg
Die „Ostlerhütte“ liegt wunderschön auf dem Pfrontener Hausberg. Von dort genießt man einen einzigarten Ausblick auf das Pfrontener Tal und die Allgäuer Bergwelt.
 
huette-mit-herz.de

Kalbelehof Alpe
Zu Fuß oder per Rad geht es fast ohne Steigung von Pfronten-Ried gut fünf Kilometer die Vils entlang zur Kalbelehof Alpe, die inmitten der Allgäuer Alpenkulisse liegt. Im Sommer kann man sich in der Vils wunderbar abkühlen.
 
pfronten.de

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