Infernalisches Peitschenknallen gehört zum Wolfaustreiben
Bayern-Insider | Hanse Wenzl

Lass‘ knallen!

Hanse Wenzl lebt im Bayrischen Wald. Wenn er mit seinen Leuten am Wochenende vor Sankt Martin das Wolfauslassen zelebriert, geht es mit XXL-Glocken und Peitschenknallern infernalisch zu

Hirte Hanse Wenzl

Das Wolfauslassen, auch Wolfaustreiben genannt, ist ein Hirtenbrauch aus einer Zeit, in der Wölfe und Bären durch den Bayerischen Wald streiften. Um die wilden Tiere abzuschrecken, wurden den Kühen Glocken umgehängt und die Hirten schnalzten beim Abtrieb mit Geißeln in die Luft, was einen lauten Knall erzeugte. Die Hirten feierten damit auch das Ende eines erfolgreichen Weidejahres.

Ohrenbetäubender Lärm. Ein lauter Peitschenknall. Dröhnendes Glockengeläut. Einmal im Jahr herrscht im beschaulichen Ort Langdorf im Bayerischen Wald Ausnahmezustand. Am Wochenende vor dem St. Martinstag im November wird dort der Wolf ausgelassen.

Mit dem Brauch feiern die Hirten das Ende eines Weidejahres

Mit dem Brauch feiern die Hirten das Ende eines Weidejahres

Ganz schöner Knall

Etwa 50 Männer und Frauen ziehen nachts durch den 2.000-Einwohner-Ort und bringen riesige Glocken zum Schallen. Dabei geraten sie ordentlich ins Schwitzen, einige der Glocken wiegen mehr als 20 Kilogramm. Das Wolfauslassen ist ein lautstarkes Spektakel und ein einzigartiger und ursprünglicher Brauch, der nur in einigen Orten des Bayerischen Waldes noch gelebt wird.

Johann „Hanse“ Wenzl führt als Hirte die Wolfauslasser-Gruppe an. „Mein Großvater hat den Brauch in Langdorf wiederbelebt“, erklärt Hanse. „Davor hat es das lange nicht mehr in der Art gegeben.“ Er selbst macht beim Wolfaustreiben mit, seitdem er zwölf Jahre alt ist.

Schwere Glocke, große Ehre

Bei Einbruch der Dunkelheit geht es los. Die Langdorfer Wolfauslasser treffen sich beim Rathaus und die Glocken werden verteilt. „Es ist eine Sache der Ehre, dass man sich eine möglichst große Glocke nimmt“, schmunzelt Hanse. Dann läutet sich die Gruppe ein: „Wir stellen uns im Kreis auf und finden den gemeinsamen Rhythmus. Unsere Jüngeren lernen so außerdem, wie es geht“, erklärt Wenzl.

„Mein Großvater hat den Brauch in Langdorf wiederbelebt

Das Rathaus ist die erste Station des eigentlichen Wolfauslassens: der Bürgermeister empfängt die Gruppe. Hanse, der Hirte des Wolfes, sagt einen Hirtenspruch auf: „Midn Messer dastocha, midn Schlegl dahaud, dass se koa Wolf mea eina draut.“

Mit lautem Gedröhn und Peitschengeknall geht es vom Rathaus in Dreier- bis Vierer-Reihen weiter durch den Ort. Etwa um 1.00 Uhr nachts geht die Tour zu Ende.

Einige der Glocken wiegen über 20 Kilogramm

Einige der Glocken wiegen über 20 Kilogramm

Eine einmalige Feierlichkeit

Die Menschen in Langdorf identifizieren sich mit dem Brauch ihrer Vorfahren und halten so die Tradition des Wolfauslassens am Leben. Besucher bekommen bei dem Event einen authentischen Einblick, was Bayern und seine Menschen ausmacht. Die Wolfauslasser freuen sich über ein großes Publikum: „Jeder ist uns willkommen“, sagt Hanse. „Vor allem am Anfang sind immer recht viele Leute da. Im Jahr 2015 waren es etwa 100 Zuschauer am Rathaus.“ Viele laufen ein Stück mit. Vor allem für Kinder ist das Läuten und das Peitschenknallen ein großer Spaß.

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