Alexander Hergenhan (links): Schlittenbauer aus Leidenschaft
Bayern-Insider | Alexander Hergenhan

Richtig abgefahren

Alexander Hergenhan fertigt in der Rhön aus heimischer Esche jedes Jahr um die 150 traditionelle Holzschlitten nach alter Handwerkskunst. Sie sind aber auch in Pink oder Racing Black zu haben

Schlittenbauer Alexander Hergenhan

Sechs Uhr morgens an einem Frühlingstag. 40 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von fast 100 Prozent. Alexander Hergenhan steht in seiner kleinen Werkstatt am Ortsrand von Leubach vor einem alten, großen Wurstkessel mit kochendem Wasser. In dem Kessel reihen sich mehrere lange Holzstücke hochkant aneinander. Sie sind bis zur Hälfte mit Wasser bedeckt. „Das werden die Kufen für unsere handgefertigten Holzschlitten“, erklärt der Schlittenbauer. „Sie bleiben ungefähr eine halbe Stunde im Wasser, bis sie geschmeidig sind.“

Nur heimische Esche, die hält!

Das Holz hat Alexander ein paar Wochen vorher im Sägewerk im Nachbarort Sondheim geholt. „Für unsere Schlitten verwenden wir ausschließlich lokales Eschenholz.“ Die Stämme schaut er sich genau an, bevor er sie kauft. Er verarbeitet sehr gerades und astfreies Holz. „So werden die Schlitten robust und halten bis zu 50 Jahre.“

Nach 30 Minuten nimmt der Schlittenbauer vorsichtig zwei Kufen aus dem Kessel und biegt sie um eine Form herum. Damit sie halten, schlägt er links und rechts mit ein paar Nägeln ein Eisen auf das Holz. Auf die handgebogenen Kufen ist Alexander besonders stolz: „Die meisten Schlittenbauer pressen die Kufen maschinell. Bei uns ist jedes Kufenpaar handgefertigt und somit einzigartig.“

Die Kufen trocknen sechs Monate

Die Kufen bleiben für ein halbes Jahr in der Form und trocknen auf dem Dachboden, bis sie im Winter weiterverarbeitet werden. Sobald alle Kufen fertig sind, fertigt Alexander die restlichen Teile für seine Holzschlitten an. Dazu gehören Sitzlatten, Böcke und Laufeisen aus rostfreiem Edelstahl.

Die Böcke verbinden die Kufen und die Sitzlatten miteinander. Sie sind besonders aufwendig in der Herstellung“, erläutert der Schlittenbauer. „Ich fräse das Holz sehr genau und in mehreren Arbeitsschritten, damit sich die Böcke am Ende in die dafür vorgesehenen Zapfenlöcher stecken lassen.“ Das passiert im Winter, wenn die Kufen getrocknet sind.

Alexander baut jedes Jahr circa 150 traditionelle Holzschlitten

Alexander baut jedes Jahr circa 150 traditionelle Holzschlitten

Jeder Schlitten ist ein Unikat

„Von meinen Standardfarben verkauft sich Pink am besten“

Zum Schluss verleimt Alexander Hergenhan die einzelnen Teile miteinander und lackiert den Schlitten mit Klar- oder Farblack. „Von meinen Standardfarben verkauft sich Pink am besten“, berichtet der Schreinermeister. „Auf Wunsch fertige ich auch ganz individuelle Designs an, zum Beispiel in den Farben des FC Bayern oder mit persönlichen Gravuren.“

150 Schlitten produziert Alexander Hergenhan pro Jahr. Die meisten seiner Kunden sind aus Berlin und bestellen die handgefertigten Traditionsschlitten übers Internet. Hin und wieder kommen Kunden vorbei und holen ihre Schlitten persönlich ab. „Letztes Jahr kam einer extra aus Hannover“, erzählt Alexander begeistert. „Wenn ich sehe, wie die Leute sich freuen, macht mir das am meisten Spaß. Und gibt mir Kraft fürs nächste Jahr.“

Schlittenbauen ist Alexanders Ausgleich zum Vollzeitjob im Büro

Schlittenbauen ist Alexanders Ausgleich zum Vollzeitjob im Büro

Schlittenbau als Ausgleich zum Bürojob

Der gebürtige Franke hat die kleine Werkstatt 2012 von seinem Onkel übernommen und betreibt sie neben seinem Vollzeitjob im Büro. Die Liebe zum Holz liegt bei ihm in der Familie: „Mein Onkel und mein Opa waren Zimmerermeister und mein Uropa war Wagner. Er hat Wagenräder und große Transportschlitten hergestellt.“

Als die Nachfrage zurückging, haben sie auf Rodelschlitten umgesattelt. Alexander ist stolz, in die Fußstapfen seiner Vorfahren zu treten: „Ich habe die Werkstatt übernommen, weil mir das Handwerk gefällt und ich nicht wollte, dass die Tradition verloren geht.“

In der Werkstatt, die ein bisschen an die von Meister Eder und seinem Pumuckl erinnert, hat sich seitdem nicht viel verändert. „Mittlerweile gibt es vielleicht mehr Spinnweben und Staub als zur Zeit von meinem Opa“, lacht Alexander Hergenhan. Aber der Geruch nach Holz, den er so liebt, und die Qualität der Traditionsschlitten sind gleich geblieben.

Mehr über Alexanders maßgefertigte Schlitten vom „Black Racer“ bis zum Klassiker unter weber-schlitten.de

Alexanders Holzschlitten sind auch in Pink oder Racing Black zu haben

3 Tipps...

...von Alexander

Tolles Rodelerlebnis
In Franken gibt es in jedem Ort eine Schlittenpiste. Als Kinder waren wir öfter bei der „Thüringer Hütte“. Die Piste dort ist ein bisschen länger, es gibt ein Restaurant und früher wurde sogar auch ein Skilift betrieben. 
thueringer-huette.com

Spazieren im UNESCO-Biosphärenreservat
Der Erholungsort Markt Oberelsbach im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön ist empfehlenswert. Und dort unter anderem das „Haus der Langen Rhön“, wo man sich über die Fauna und Flora unserer Region informieren kann. Die Rhön ist ein vulkanisches Mittelgebirge mit einzigartigen Naturschätzen. Besonders schön ist zum Beispiel der Basaltsee oben am Berg oder das Kloster Kreuzberg.
biosphaerenreservat-rhoen.de

Unvergessliches Faschingstreiben
Fasching spielt bei uns eine große Rolle. Am 11.11. laufen wir zum Beispiel als Strohmänner verkleidet durch die Straßen. Da können Gäste gerne zuschauen. Alle zwei Jahre gibt es bei uns auch eine Maskenfastnacht. Jedes Dorf hier hat eigene traditionelle Masken, auch die Kostüme sind von Ort zu Ort unterschiedlich. Zur Maskenfastnacht treffen sich alle bei uns in Oberelsbach und dann laufen wir gemeinsam durch den Ort. Das ist ein buntes, lustiges Treiben.

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