Weinkönigin Angelina Seiler 2026-27
Gold im Glas, Krone im Haar

Als Weinkönigin vertritt Angelina Seiler die fränkische Weinkultur auf Weinfesten, Events und Bühnen. Wir besuchten mit ihr Volkach und Stammheim und durften erleben, wie alkoholfreier Wein hergestellt wird

Lesezeit: 9 Minuten

Fränkische Weinkönigin Angelina Seiler

„Ich war so aufgeregt bei der Stichwahl zur fränkischen Weinkönigin! Meinem Traum, Weinkönigin zu werden, war ich ganz nahe gekommen! Ich konnte kaum glauben, dass ich nun im Abendkleid auf der Bühne des prächtigen Max-Littmann-Saales in Bad Kissingen saß und vor der 130-köpfigen Jury bestehen wollte. Und im Parkett saßen bestimmt tausend Leute!“

„Zum Glück fielen mir die Fragen der Jury leicht. Als die Entscheidung für mich gefallen war, flossen die Tränen“, erinnert sich Angelina Seiler. Die 21jährige Studentin hat eine überaus lebendige und offene Art. Sie holt die Erinnerung an diesen Abend gerne gemeinsam mit ihren Großeltern in Stammheim hervor.

Opas Scheurebe ist der Favorit

Selbstverständlich saß die ganze Familie im Publikum. „Es gehört zur Wahl, dass jede der drei Kandidatinnen und der Kandidat auf der Bühne ihren oder seinen Lieblingswein vorstellt“, freut sich Richard Niedermeyer, Angelinas Opa. Der Nebenerwerbswinzer freut sich: „Angelina hat sich meine Scheurebe ausgesucht!“

„Angelina hat sich meine Scheurebe ausgesucht!“

Einen Weinberg zu besitzen, gehört in Stammheim fast zur Grundausstattung: Der kleine Ort am Main ist als Weinbauort bekannt. Richard Niedermeyer trägt mit 1,5 Hektar Weinberg zum guten Ruf bei. In der kleinen Probierstube seines Anwesens mit Kellerei und Heckenwirtschaft präsentiert er ganz prominent den Königinnenwein. „Ich habe gleich Etiketten mit Angelinas Portrait drucken lassen!“

Der stolze Opa zeigt auf seinem Handy Fotos und Videos: die Enkelin als Kind im Weinberg, als Weinprinzessin im Dirndl und als Königin. Elisabeth Niedermeyer, die Oma, fällt ein: „Die Angelina war ein pflegeleichtes Enkelkind. Sie und ihr kleiner Bruder kamen mit zum Rebenbeschneiden, zur Traubenlese, aber auch zum Steineklauben“, erzählt sie. „Für einen Korb voller Steine gab es 50 Cent. Ich habe oft heimlich Steine dazu gelegt.“ 

Angelina Seiler mit ihren Großeltern

Weinfeste als Trainingsort

Frei über Wein zu sprechen und unbefangen mit Fremden umzugehen, lernte Angelina Seiler auf Opas Hofschoppenfesten. „Ich durfte die Gewinne vom Preisausschreiben verteilen. Mein Haarreif mit dem Schmetterling war in meiner Fantasie eine Prinzessinnenkrone“, sagt sie.

„Mit 13 habe ich die Weinproben in unserer Heckenwirtschaft abgehalten. Statt Silvaner hatte ich Apfelsaftschorle im Glas.“ Sie konnte es kaum erwarten, mit 18 Wein-Prinzessin von Stammheim zu werden. Dass sie mit 21 dann zur Königin über ganz Franken gewählt wurde, ist nicht nur Glück.

Was muss eine Weinprinzessin können?

Ihre positive Ausstrahlung ist die eine Sache, aber Angelina hat auch fleißig alles über Wein gelernt. „Jetzt darf ich ein Jahr lang repräsentieren, Menschen und andere Städte kennenlernen, Weinfeste feiern, es ist wie ein bunter, rasanter Traum, den ich von meinem Jahr als Prinzessin schon ein wenig kenne.“

"Weinfeste feiern, es ist wie ein bunter, rasanter Traum"

Für das Ehrenamt unterbricht sie gern ihr Studium der Digitalwirtschaft in Würzburg. Die schönen Begegnungen sind es ihr wert. Kinder fragen nach Autogrammkarten, nette ältere Passanten bitten um Selfies mit ihr. Es ergeben sich Gespräche mit Fremden, die sie auf der Straße erkennen. Auf den Weinfesten steht sie im Mittelpunkt.

„Ich kann nicht genug von Weinfesten kriegen, ich liebe das. Erst tritt die Blasmusik auf, später tanzen wir zur Partymusik auf den Bänken. Die Leute freuen sich, wenn sie mich mit meiner Krone tanzen sehen, ich bin eine volksnahe Hoheit. Alkohol vertrage ich übrigens kaum, höchstens zwei Gläser Silvaner, dann ist Schluss.“

Angelina im Weinkeller der Residenz Würzburg
Angelina Seiler mit ihren Großeltern

Alkoholfreier Wein? Wird immer besser!

Gut, dass der alkoholfreie Wein immer besser wird. Es gibt ein neues Verfahren, dem Wein den Alkohol zu entziehen und doch die Aromastoffe weitgehend zu erhalten. Annika Klenk ist Kellermeisterin bei der Winzergemeinschaft Franken für Premium- und Lagenweine in Repperndorf und weiß, wie das Verfahren funktioniert. Vor der nagelneuen Anlage der Kellerei gibt sie ihrer Freundin Angelina eine Einführung. Die Weinkönigin muss schließlich Bescheid wissen.

Zwischen den riesigen Tanks wirkt die computergesteuerte Anlage klein, aber das täuscht. „Wir können 500 Liter Wein in der Stunde entalkoholisieren!“, sagt Annika Klenk und legt los.

Nur so viel: Es ist kompliziert. Es ist die Rede von einer Gegenstromanlage, Membranen, Molekulargewichten, Aromen, die hin und her verschoben werden, Wasser, Alkohol, Zauberei eben. Am Ende entsteht alkoholfreier Wein, der wirklich schmeckt.

Angelina Seiler kennt Weine, die mit solchen Anlagen produziert wurden. „Sie kommen wirklich nahe an das Original heran“, bestätigt sie. Dann muss sie noch ein wenig mit Annika Klenk plaudern, sie herzen und knuffen. Die beiden strahlten gleichzeitig als Weinprinzessinnen von verschiedenen Orten und haben sich auf vielen Veranstaltungen getroffen.

Angelina Seiler im Entalkoholisierungszentrum

Angelinas Hobby? Showtanzsport

Die Welt rund um Volkach wirkt klein, wenn man mit Angelina Seiler unterwegs ist. Überall trifft sie Menschen, die sie kennt oder mit denen sie befreundet ist. Das liegt auch an ihrer Leidenschaft: Garde- und Showtanzsport. Mit vier Jahren brachte ihre Mama sie zum Tanzsportclub Volkach, über die Jahre gemeinsamen Trainierens und vieler Turnierfahrten festigten sich Freundschaften.

Inzwischen trainiert sie selbst den Nachwuchs. „Es ist erstaunlich, wie schnell die Kinder lernen, synchron zu tanzen“, lobt Angelina Seiler ihre Gruppe im Grundschulalter. „Beweglich sind die meisten sowieso, beim Tanzsport kommt Kraft dazu, die brauchen sie für Hebungen. Ausdauer ist wesentlich, sie müssen mindestens drei Minuten durchpowern.“

Angelina Seiler beim Garde- und Showtanzsport

Wie jedes Jahr studiert sie mit den Kindern eine neue Choreografie ein, die sie sich gemeinsam mit ihrer Co-Trainerin ausgedacht hat. Marsch oder Polka wäre die traditionelle Musik für Gardetanz, aber so streng sind die Regeln in der sportlichen Variante nicht. Die beiden suchen etwas aus, das ihnen gefällt.

„Man denkt an die glitzernden Kostüme, die Bühne, die Musik und den Applaus. Das ist die Belohnung, dahinter steckt aber ein Wahnsinns-Körpertraining. Garde- und Showtanz ist Hochleistungssport,“ betont Angelina Seiler.

Ein Leben ohne Tanz und Wein? Nein!

„Ein Leben ohne Tanzen mag ich mir nicht vorstellen. Mein Körpergefühl trägt mich, beim Training kann ich den Alltag vergessen. Ich lebe dann ganz im Moment, fliege mit der Musik.“

Und dieses Fliegen, den Applaus und die bunte Tanztruppe gibt sie für ein ganzes Jahr auf, um den fränkischen Wein königlich zu repräsentieren? Für die Antwort muss Angelina Seiler nicht nachdenken: „Klar. Gar keine Frage. Weinkönigin ist man nur einmal im Leben und es ist wunderbar!“

Angelina beim größten Bocksbeutel der Welt, einer begehbaren Skulptur bei Stammheim

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