Toni in seiner Werkstatt in Klais
Jacklschutzer und Pfoadara

Zwischen Heilig Drei Könige und Faschingsdienstag ziehen wilde Männer durch Mittenwald, die Gesichter hinter kunstvollen Masken versteckt. Einige der dort zu sehenden Larven hatte der junge Holzbildhauer Anton Ostler in der Hand

Holzbildhauer Anton Ostler

Maschkera gehen ist ein traditioneller Fasnachtsbrauch im Werdenfelser Land. In Mittenwald erleben Gäste dieses urige Spektakel ganz authentisch. Zwischen dem Heiligedreikönigstag und Faschingsdienstag treffen sich immer montags, dienstags und donnerstags die Maschkera zum Gungln, also zum Singen und Tanzen im Wirtshaus. Am Unsinnigen Donnerstag findet ein großer Umzug statt.

Feine Masken für wilde Kerle

Runde Wangen, glatter Teint und ein Schnauzbart, von dem kein Härchen absteht – so manierlich sehen die traditionellen Fasnachtsmasken aus Mittenwald aus. Sie sind mit kunsthandwerklichem Geschick aus feinem Holz gearbeitet und werden deswegen auch „Geigenbauerlarven“ genannt. Hinter den Masken stecken wilde Gesellen, die Maschkera. Einer von ihnen ist der Kunststudent und Holzbildhauer Anton „Toni“ Ostler.

Einige der Masken, die die Mittenwalder Maschkera tragen, hat er geschnitzt. „Ich habe als Kind ein paar Schnitzeisen gefunden und im Schuppen zu schnitzen angefangen. Da ich keine teure Larve bekommen habe, habe ich begonnen, mir selbst eine zu machen.“ Und damit hat er nicht mehr aufgehört. Mittlerweile ist der ausgebildete Holzbildhauer so geschickt, dass er plant, von seiner Leidenschaft zu leben.

Närrisches Treiben der Maschkera

Das närrische Treiben beginnt nach dem Gebetsläuten um acht abends. Die Maschkera legen ihre Kostüme und Masken an und verabreden sich zur Gungl in einer Wirtschaft. Meistens passiert das ganz spontan. Dort singen, tanzen und blödeln sie herum oder führen kleine Sketche auf.

Dabei werden auch politische Blamagen oder Fehlverhalten in der dörflichen Gemeinschaft aufs Korn genommen. Maschkera gehen ist schon immer eine spontane Zusammenkunft. Vereine oder Garden? Unbekannt, mit Ausnahme eines kleinen Organisationskomitees für den Umzug am Donnerstag.

Schellenrührer, Jacklschutzer, Geröllratscher

"Die meisten Gewänder beruhen auf jahrhunderte-alten Traditionen"

Der Höhepunkt des wilden Spektakels ist der Unsinnige Donnerstag, andernorts Weiberfasnacht genannt. Kaum ist der letzte Glockenschlag des Mittagsläutens verklungen, springen zwölf Gestalten in Gebirgstracht den Markt hinunter: die sogenannten Schellenrührer.

Auf ihrem Rücken tragen sie große Glocken, ihre Gesichter verbergen sie hinter kunstvoll geschnitzten Holzmasken. Sie bilden den Auftakt für einen ganzen Zug kurioser und uriger Gestalten: Jacklschutzer (vom Wort Jackl für den Schmiedehammer), Geröllratscher, Pfoadara, Untersberger Mannlan.

„Die meisten Gewänder beruhen teilweise auf jahrhundertealten Traditionen; es kommen aber auch hin und wieder neue Figuren hinzu“, erklärt Anton Ostler.

Mühlradl: Ein nicht ganz ungefährlicher Spaß
Das gemeinsame Ziel: Den Winter und die Dämonen austreiben

Doch wozu dient dieses ganze fröhliche Spektakel eigentlich? „Früher sollten die Maschkera den Winter und die Dämonen austreiben – ein heidnischer Brauch also. Da es eine Mordsgaudi war, hat sich das Maschkera-Gehen bis in unsere Zeit erhalten, in der wohl niemand mehr an Dämonen glaubt“, erklärt Anton Ostler.

Keine Frauen erlaubt? Na ja …

Am wildesten treiben es die Maschkera auf dem Mühlradl. Bei dieser Gruppe ist auch Ostler dabei: „Das Mühlradl, bei uns Mührale, ist ein Baumstamm, auf dem zwei Wagenräder montiert sind. Darauf sitzen vier Personen, als Männlein und Weiblein gekleidet.

Davor laufen noch 20 bis 24 Leute, die an Seilen und Stangen diesen Baum durch den Ort ziehen – im Sprint. Die Räder drehen sich dabei wie irre.“ Ganz ungefährlich ist das nicht: „Es ist zum Beispiel schon vorgekommen, dass bei einem der Gurt gerissen und er im hohen Bogen durch die Luft geflogen ist“, berichtet der Künstler.

Doch wer steckt hinter den Masken? „Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass nur Männer Maschkera gehen. Aber vergesst nicht, dass es ein Maskenbrauch ist, bei dem es darum geht, nicht erkannt zu werden. Es ist schon öfter vorgekommen, dass Frauen sich unter die Maschkera gemischt haben“, schmunzelt Anton Ostler.

Mehr über Maschkera in Mittenwald unter alpenwelt-karwendel.de

Holzbildhauer „Toni“ Ostler: Tief im Werdenfelser Land verwurzelt

... von Toni

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