Die zwei Meter hohen Grashalme von Magdalena in den Gläsernen Gärten
Perfekt imperfekt

Glaskünstlerin Magdalena Paukner führt mit ganz persönlicher Handschrift eine kunstvolle Tradition des Bayerischen Walds fort. Ein Besuch in Lindberg bei Zwiesel

Glaskünstlerin Magdalena Paukner

Es ist glühend heiß, orange Flammen schlagen aus dem Glasofen. Magdalena Paukner ist hoch konzentriert. Durch die Glasmacherpfeife bläst sie mit viel Gefühl Luft in einen flüssigen Glasklumpen. Wie durch Zauberhand entsteht eine glühende, glänzende Kugel. Mit speziellem Holzwerkzeug beginnt sie, die Form zu bearbeiten.

Nach einiger Zeit trennt sie die Glasmacherpfeife ab. Die dort entstandene Öffnung weitet sie mit einer Auftreibschere. Nichts darf schiefgehen, dieses heikle Material verzeiht keine Fehler. Geschafft! Aus dem ehemaligen Glasklumpen ist ein wunderschönes, schimmerndes Gefäß geworden.

Inspiration für ihre Glaskunst findet sie im Bayerischen Wald

„Jedes meiner Trinkgläser wird etwas anders: Eines hat eine größere Öffnung, ein anderes eine bauchigere Form, es gibt unterschiedliche Höhen und Größen. Das ist das Besondere und auch das Schöne an handgemachten Gläsern: Sie sind alle Unikate“, erklärt die Glaskünstlerin. Magdalena ist in Lindberg, einem kleinen Ort bei Zwiesel, aufgewachsen. Zwiesel und Glaskunst gehören im Bayerischen Wald einfach zusammen. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort „Fein Glas und gut Holz sind Zwiesels Stolz“.

Fahrbarer Glasofen als Lösung

Die Tradition des Glashandwerks wurden ihr in die Wiege gelegt. Sie ist die Nachfahrin eines Glasmachermeisters und sowohl ihr Vater als auch ihr Großvater waren Glasschleifer. Sie selbst entschied sich für eine Ausbildung an der Glasfachschule. „Bei der Arbeit mit heißem Glas ist der Funke wortwörtlich übergesprungen“, schwärmt die Glasmacherin. Anschließend arbeitete sie ein paar Jahre für den Glaskünstler Cornelius Réer. Die Kunden waren von ihren Arbeiten begeistert und nach einiger Zeit beschloss sie, sich mit ihrer Glaskunst selbstständig zu machen.

Ohne eigene Werkstatt mietete sie sich zunächst als Wanderglasmacherin bei verschiedenen Glashütten in ihrer Region ein – eine aufregende Zeit. Allerdings musste sie sich jeden Tag ihren Arbeitsplatz neu einrichten und sich auf verschiedenste Glassorten und Öfen einstellen. „Auch hatte ich nur begrenzt Zeit und konnte mich künstlerisch nicht so entfalten, wie ich es gerne getan hätte“, erklärt Magdalena.

Zusammen mit ihrem Lebensgefährten fand sie die perfekte Lösung: Sie bauten ihren eigenen fahrbaren Glasofen, einen sogenannten Studioglasofen. Dieser muss nicht durchgehend geheizt werden wie herkömmliche Glasöfen. „Ich kann ihn einschalten wie einen Grill und sogar in den Garten stellen, um mitten in der Natur zu arbeiten.“

Glaskunst: Detailverliebt und inspiriert

Magdalena arbeitet nicht nur am Glasofen. Viel Zeit verbringt sie vor einem weitaus handlicheren Gerät, dem Glasbrenner. Hier formt sie Blätter, Beeren und Blüten aus buntem Glas, die sie zu zarten, farbenfrohen Colliers, Ohrringen und Armbändern verarbeitet. „Ich nehme mir viel Zeit und verliere mich in meinem Tun.

Blätter, Beeren und Blüten aus buntem Glas

Die Detailverliebtheit macht meinen Schmuck aus“, erklärt die Künstlerin. Nicht nur ihr Glasschmuck spiegelt die Natur wider. Auf ihren Trinkbechern, Karaffen, Vasen und Schalen lassen sich etwa die feine Struktur von Moos oder die Fraßstruktur des Borkenkäfers erkennen. Inspiration für ihre Glaskunst findet Magdalena im Nationalpark Bayerischer Wald.

Die Detailverliebtheit macht meinen Schmuck aus


Gläserne Gärten von Frauenau

Ihr bekanntestes Objekt steht in den Gläsernen Gärten von Frauenau. Es heißt „Das Urkraut“ und stellt einen riesigen Schachtelhalm dar. Handlichere Objekte können Kunden bei Ausstellungen oder in ihrem Atelier besichtigen. Wer sich eines ihrer Schmuckstücke oder Gefäße gekauft hat, kommt meist wieder, hat Magdalena beobachtet.

Darum macht sie sich gleich wieder an die Arbeit. Sie nimmt ihre Glasmacherpfeife in die Hand – und schon formt sich ein weiterer Glasklumpen langsam zur Kugel: „Glas hat so eine Lebendigkeit, da weiß man beim Arbeiten nie ganz genau, was am Ende für ein Kunstwerk herauskommt.“

Magdalena macht aus der Glasbläserei eine Kunst

Frauenau beflügelt mich immer wieder, es ist ein richtiges Glasmacherdorf.“ Der Ort, in dem es seit 600 Jahren Glashütten gibt, liegt im Herzen des Nationalparks Bayerischer Wald. Neben dem dortigen Glasmuseum sind die Gläsernen Gärten die Attraktion des Orts.

„Auf 20.000 Quadratmetern Fläche stehen 31 Glasskulpturen, die eindrucksvoll zeigen, wie vielfältig das filigrane Material ist. Ich habe ,mein Urkraut‘ nach dem Vorbild des Schachtelhalms konzipiert, aus ineinander gesteckten Segmenten, die sich auseinanderziehen lassen. Gehalten wird das Ganze durch eine Metallkonstruktion im Inneren.“

Mehr über Magdalenas Glaskunst und die Gläsernen Gärten von Frauenau

Ihr bekanntestes Objekt „Urkraut“ stellt einen riesigen Schachtelhalm dar

... von Magdalena

Haus zur Wildnis
Besucht auch unbedingt den Nationalpark Bayerischer Wald mit dem Besucherzentrum Haus zur Wildnis und dem Tierfreigelände am Falkenstein. 

nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de

Bauernhausmuseum
Im Bauernhausmuseum in Lindberg erfahrt ihr, wie die Menschen hier früher gelebt haben. Die Ausstellung ist auf drei Gebäude mit verschiedenen Ausstellungsräumen aufgeteilt.

bauernhausmuseum-lindberg.de

Schachten-Wanderung
Zum Wandern empfehle ich die Große oder die Kleine Schachtenwanderung. Die Schachten sind weitläufige Hochlagen, die wie Almen wirken. Es gibt dort Hochmoore und Filze. Bei dieser Wanderung laufen Wanderer einen ganzen Tag lang die verschiedenen Schachten ab. 

arberland-bayerischer-wald.de

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