Auszeiten sind auch für Sonnenberg sehr wichtig
Für Mensch und Natur

Als Abt des Klosters Plankstetten ist Beda Maria Sonnenberg auch Bibliothekar, Archivar, Novizenmeister und Religionslehrer. Wir haben ihn südlich von Neumarkt in der Oberpfalz besucht

Abt Beda Maria Sonnenberg

Um 4.40 Uhr beginnt der Tag von Abt Sonnenberg und folgt dann einem strengen Rhythmus: um 5 Uhr gemeinsames Gebet, anschließend in der Zelle Meditation und Bibel-Lektüre, um 6.25 Uhr Morgengebet, danach Eucharistiefeier.

Die eigentliche Arbeit fängt um 8 Uhr an. „Eigentlich ist es keine Arbeit, sondern ein Dienst“, sagt der Mittfünfziger. „Mit den Gaben des Vermittelns, Ausgleichens, Zuredens, Verhandelns versuche ich, unsere Gemeinschaft zusammenzuhalten und sie immer wieder auf die gemeinsamen Ziele auszurichten.“

Berufung und Beruf

Sonnenberg – grauer Haarkranz, markante Brille – ist der Abt der Benediktinerabtei Plankstetten und einer von 15 Mönchen. Der jüngste ist 24 Jahre alt, der älteste über 80. „Unsere Lebensaufgabe ist es, gemeinsam christlich zu leben.

Unsere Sorge gilt den Menschen, die zu uns kommen“, erklärt der Religionspädagoge und promovierte Theologe in seinem Büro mit Blick auf den Main-Donau-Kanal. „Als Kind habe ich mir gewünscht, an dieser Wasserstraße zu leben und zu arbeiten. Gott hat mir diesen Wunsch mit dem Eintritt in das Kloster erfüllt.“

Der Gesamtbestand der Bibliothek beträgt etwa 110.000 Bände

Dass er ein „Leben in einem kontemplativ-meditativen Rahmen“ führen wollte – so nennt er seine Berufswahl –, das wusste Sonnenberg schon mit 18 Jahren. Zwei Jahre später trat er ins Kloster Plankstetten ein, inspiriert durch das Augustinerstift in seiner Heimat Neunkirchen am Brand. Zum Abt wurde er 2007. „Ich habe das gar nicht angestrebt, sondern bin es durch Wahl des Konvents geworden“, sagt er bescheiden.

Als Abt, Bibliothekar, Archivar, Novizenmeister und Lehrer wird es nie langweilig

Fahrradpilgern zu Wallfahrtsorten

Als Leiter der 1129 gegründeten Abtei ist er viel mit Gesprächen und Besuchern beschäftigt, muss Anliegen prüfen und Ideen entwickeln. Als Seelsorger führt er Einzelgespräche mit seinen Mitbrüdern und hält geistliche Konferenzen.

Darüber hinaus ist er Bibliothekar, Archivar und Novizenmeister, Religionslehrer in zwei Schulen und Referent im klostereigenen Gästehaus. „Über zu wenig Arbeit kann ich mich nicht beschweren“, sagt der Multitasking-Experte.

Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, mit Übernachtungsgästen der Abtei auf Tour zu gehen, zum Beispiel bei Wanderexerzitien oder beim Fahrradpilgern, wo die Gruppe jeden Tag einen anderen Wallfahrtsort besucht und sich mit dem Heiligen, der an diesen Ort gewirkt hat, beschäftigt. Auf Instagram teilt Sonnenberg hin und wieder sogar Schnappschüsse mit seinem blauen Rennrad.

Workshops im Zeitgeist

Das Radeln ist nur einer von über 120 Workshops und Seminaren zu den Themenschwerpunkten Spiritualität, Gesundheit und Lebensführung sowie Kreativität.

Die Themen sind bunt gemischt und vom Zeitgeist inspiriert: Sie reichen von der Familienaufstellung über spirituelles Improvisationstheater, Räuchern mit einheimischen Pflanzen und gregorianischen Choral bis zum Bau einer „Zauberharfe“.

„Immer müssen sich die Mönche mit Eifer um das Schweigen bemühen“, lautet eine der Benediktinerregeln, nach denen die Mönche ihr Leben ausrichten. Und doch hat sich das Kloster ganz den Besuchern geöffnet.

„Die Kirche ist immer besuchbar, sie lädt zur Stille und zum Gebet ein“, sagt der Abt. „Besonders lohnend ist die Teilnahme an einer der Führungen am Sonntagnachmittag zu den Kunstschätzen aus der 800-jährigen Baugeschichte.“

Die Gästezimmer sind klösterlich schlicht eingerichtet

Auszeit im Kloster

Gäste können auch die Klosterbuchhandlung, die Klosterschenke und den Missionsbasar besuchen und im Gästehaus übernachten. „Auszeit im Kloster“ heißt ein Angebot, bei dem man am Leben der Mönche teilhaben kann. „Immer wieder werden wir gefragt, ob auch Frauen in unserem Kloster übernachten können. Selbstverständlich!“, sagt Sonnenberg.

Den Wechsel zwischen traditionellem Klosterleben und der Welt außerhalb sieht der Theologe für sich nicht als Spagat: „Eigentlich ist das gar nicht so schwer. Wichtig ist, immer in einer möglichst großen Offenheit das Leben anzugehen und sich für Menschen, ihre Fragen und Anliegen zu interessieren.“

Regional „in aller Munde“: Die Brote der Klosterbäckerei
Metzgermeister Maximilian Fertl ist ein echter Genusshandwerker

Nachhaltig aus Tradition

Der Hofladen der Abtei verkauft viele Produkte aus eigener Herstellung in Bioqualität. „Die Regel des heiligen Benedikt lehrt uns, den Lebensbedarf aus der unmittelbaren Nähe des Klosters zu decken, so sollten zum Beispiel teure Importe vermieden werden“, erklärt Sonnenberg. Deshalb entstanden schon vor mehr als 100 Jahren eigene Handwerksbetriebe wie eine Metzgerei, Bäckerei oder Brennerei.

Vor über 100 Jahren entstanden die eigene Metzgerei, Bäckerei und Brennerei

„Nachhaltigkeit war somit schon immer ein Thema in unserem Haus“, sagt der Abt. „Dazu gehört, sich auf unsere Region einzulassen, Lebensmittel selbst herzustellen und sich mit anderen Produzenten aus der Nähe des Klosters zu vernetzen.“

Vor einigen Jahren entstand in Kooperation mit dem Riedenburger Brauhaus eine eigene Klosterschenke – die Bayerische Staatsregierung honorierte dieses Engagement und zeichnete die Schenke aus, indem sie sie in die Liste „100 Genussorte“ aufnahm.

Jüngstes Beispiel für Nachhaltigkeit ist der Neubau Haus Sankt Wunibald. Er wurde  in Holzständerbauweise errichtet. Aus 2.000 Ballen Bio-Stroh von den klostereigenen Ländereien. 300 Fichten und Kiefern lieferte der Klosterwald.

Das umweltfreundliche sowie leicht und rückstandslos entsorgbare Dämm-Material entzieht der Atmosphäre nicht nur CO2, sondern sorgt auch für ein sehr gutes Raumklima. Drei Stockwerke hoch ist das aktuell größte strohgedämmte Haus Süddeutschlands.

Ruhe kehrt ein...

Klosternächte sind kurz

Der Tag im Kloster endet um 19 Uhr mit der sogenannten Komplet, dem kirchlichen Nachtgebet. Wenn dann keine anderen Termine anstehen, kehrt Beda Maria Sonnenberg an einen seiner Lieblingsorte zurück: „In meiner Zelle steht ein großer Sessel, in dem ich abends oft sitze und lese: Romane, Sachbücher oder Texte von Kirchenvätern.“ Nicht zu lange, denn die Nacht ist kurz – und der Wecker klingelt wieder um 4.40 Uhr.

... von Beda Maria Sonnenberg

Städte im Altmühl-Jura
Das Kloster Plankstetten und die Stadt Berching mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern innerhalb der vollständig erhaltenen Stadtmauer laden zum Schauen und Genießen ein. Sehenswert sind in der Region „Altmühl-Jura“ auch Beilngries, Greding, Dietfurt an der Altmühl, Breitenbrunn und Kinding mit ihren Stadtbefestigungen, Kirchen, Museen, Schlössern und Burgen.
berching.de

Rad- und Wanderwege
Der Altmühlradweg und der Altmühl-Panoramaweg zählen zu den touristischen Höhepunkten. Unser Benediktusweg zwischen Berching und Plankstetten verknüpft Wandern mit Besinnung. Die Landschaft am Main-Donau-Kanal hat zu jeder Jahreszeit eine besondere Ausstrahlung.
altmuehl-radweg.com

Nebentäler der Altmühl
Ein echter Geheimtipp sind die Nebentäler der Altmühl, zum Beispiel das Sulztal mit dem Radweg am Ludwig-Donau-Main-Kanal, der bis nach Nürnberg führt. Das benachbarte Tal der Breitenbrunner Laber ist abgeschieden und ruhig, es lässt sich sehr schön erwandern.
naturpark-altmuehltal.de

Wallfahrtskirche am Eichlberg
Es gibt eine Vielzahl wunderschöner Kirchen in der Region, einer meiner Favoriten ist die Wallfahrtskirche auf dem Eichlberg, die mit ihrer besonderen Ausstattung in die Meditation führt.
pfarrei-eichlberg-neukirchen.de

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