Die eine hat ihre Klarinette dabei, der andere seine Ziach. Beim offenen Musikantenstammtisch darf jeder vorbeischauen, der ein Instrument spielen kann oder Spaß am Singen hat. Mehr als 400 Gastwirtschaften in Bayern halten die schöne Tradition noch lebendig. Zuhörer sind herzlich willkommen! Und manchmal wird sogar getanzt
Musikantenstammtische
in Bayern: 13 Tipps
- Am Simsee: Hirzinger
- München: Hofbräuhaus
- Ammersee: Seehof
- Chiemgau: Hochfellnseilbahn
- Altmühl: Bräu-Toni
- Deggendorf: Zur Knödelwerferin
- Regen: 49gradnord Hüttendorf
- Frankenwald: Sportheim FC Hohenberg
- Aschaffenburg: Der Biersepp
- Feuchtwangen: Landgasthof Walkmühle
- Lautrach: Zum Rößle
- Oberstdorf: „Zum wilde Männle“
- Memmingen: Bruckwirt Ferthofen
Am Simssee: Hirzinger
Seit 2006 zeigt das Bayerische Fernsehen in unregelmäßigen Abständen die Sendung „Wirtshausmusikanten beim Hirzinger“ und hat die „bayerischen Jam-Sessions“ damit einem breiten Publikum bekannt gemacht. Da kann man allerdings nicht einfach so vorbeikommen, sondern muss Tickets reservieren (Termin-Infos und Kartenvergabe über br.de).
Aber auch sonst lohnt sich ein Besuch in der urigen Wirtschaft mit eigener Metzgerei und einem schönen Biergarten. Seit 1477 gibt es den Gasthof in Söllhuben nahe dem Simssee im Chiemgau, bis 1928 war hier eine Poststation eingerichtet. Und wer weiß, ob damals an langen Abenden nicht auch schon miteinander musiziert wurde …
München: Hofbräuhaus
Im weltweit bekanntesten bayerischen Wirtshaus spielen täglich mittags und abends zünftige Blaskapellen wie die Obermüller Musikanten, die Brauhaus Musikanten und diverse Gastkapellen auf, mitten in der Schwemme, im Sommer auch im etwas versteckt gelegenen Wirtsgarten oder als Stubenmusik oben im Bräustüberl (nur abends) – immer gratis und vor dem wohl denkbar internationalsten Publikum.
Wenn Rheinländer, Koreaner, Italiener und Amerikaner gemeinsam schunkeln, ist das Völkerverständigung pur. Sorgen, Nöte, Probleme? Schwoam ma’s obi! Eher etwas für Eingeweihte ist der offene Musikantenstammtisch an jedem ersten Montag im Monat von 19.30 bis 23.30 Uhr. Motto: Es wird musiziert, was auf den Tisch kommt, und manchmal kippt es auch in Richtung Schlager- und Partymusik. Hauptsache, jeder hat seinen Spaß dabei!
Ammersee: Seehof
Nach einem Spaziergang an Deutschlands mit rund acht Kilometern längster Seepromenade in Herrsching hat wohl jeder Lust auf eine Einkehr im Biergarten. Dafür bietet sich der Seehof mit direktem Seeblick an, gleich nebenan legen am Steg die Ausflugsschiffe der Ammerseeschifffahrt an und ab.
Schon seit vielen Jahren geht an jedem ersten Freitag im Monat auch immer der eine oder die andere mit einem Instrumentenkasten unterm Arm von Bord: Längst gehört der hiesige Musikantenstammtisch zu den beliebtesten der Region. Hotelgäste, die eines der Zimmer mit Balkon zum See haben, genießen Logenplätze mit Blick auf das musikalische Beisammensein im Biergarten. Dass manchmal die frechen Ammersee-Möwen ins Konzert mit einstimmen, macht das Erlebnis umso stimmungsvoller.
Chiemgau: Musik auf dem Berg
Ganz hohe Töne: An jedem ersten Montag im Monat laden die Hochfelln-Seilbahnen bei Bergen in ihrer Panorama-Gaststätte Hochfellnblick an der Mittelstation zum Musikantenstammtisch ein. Jeder, der zur musikalischen Unterhaltung beitragen möchte, ist herzlich willkommen.
Hinauf und hinab geht’s bequem per Seilbahn, auch barrierefrei: Seit Oktober 2025 ist die Gaststätte auf der Plattform „Reisen für alle“ zertifiziert. In 15 Minuten ist man oben und genießt eine herrliche Aussicht. Tipp: Mit der Chiemgau-Karte, die auch Urlaubsgäste in Ruhpolding oder Inzell erhalten, ist die Bahn einmal pro Urlaubswoche sogar kostenlos nutzbar.
Dietfurt an der Altmühl: Zum Bräu-Toni
Im Altmühltal im „Dreiländereck“ zwischen Oberbayern, Ostbayern und Franken lässt es sich wunderbar radeln und wandern. Ein zentraler Anlaufpunkt ist das liebenswerte Städtchen Dietfurt mit seinem traditionsreichen Gasthaus „Zum Bräu-Toni“, in dem man sich natürlich die köstlichen Bratwürste schmecken lassen kann, die hier aus Oberpfälzer Produktion auf den Tisch kommen.
Der Gastgarten mit Parkplatzblick ist nicht der allerschönste, aber nett und authentisch. Jeden dritten Mittwoch im Monat ist die Gaststätte Ziel von Hobbymusikern aus der Region, die für eine ganz spezielle Stimmung sorgen.
Deggendorf: Zur Knödelwerferin
Wirt Helmut Kurz ist ein Hansdampf in allen Gassen und hat das bodenständige Gasthaus „Zur Knödelwerferin“ in der Fußgängerzone seit 2011 zu einer Institution gemacht. Selber spielt er die Quetschn, wie er die Steirische Harmonika nennt, und sogar Dudelsack.
An jedem letzten Freitag im Monat lädt er sich „jeden ein, der ein Instrument spielen kann“. Besonders freut er sich, wenn auch ein paar Urlaubsgäste spontan mitmusizieren. Bei schönem Wetter findet der Musikantenstammtisch im Gastgarten draußen am historischen Stadtplatz statt.
Landkreis Regen: 49gradnord Hüttendorf
In gemütlichen Holzhütten übernachten, in der Wirtsstube oder im Biergarten etwas essen und an jedem zweiten Samstag im Monat dabei sein, wenn sich Musikanten aus der Region treffen und alle mal schauen, was an diesem Abend so passiert – das ist das Konzept von Wirtin Birgit Müller, die den Betrieb zu Coronazeiten übernahm und zu einem neuen Fixpunkt im Dorf Regenhütte der Gemeinde Bayerisch Eisenstein machte. Geöffnet ist das Lokal von Freitag bis Sonntag, in den bayerischen Ferien auch donnerstags.
Frankenwald: Sportheim FC Hohenberg
Hier taucht man wirklich in das Ortsleben ein – für reine Zuschauer vielleicht nicht so spannend, aber für jeden, der mitmusizieren oder einfach aus Herzenslust singen möchte, umso mehr. „Musik, Geschichten und gute Laune“ lautet das Motto beim Wirtshaussingen im Sportheim des FC Hohenberg in Marktleugast am ersten Freitag im Monat (außer feiertags) ab 19 Uhr.
Die Organisatoren haben ein Liederbuch vorbereitet, aus dem die Stücke gewählt werden, und in den musikalischen Pausen gibt es herzhafte Geschichten, Trinksprüche und auch mal einen Witz.
Aschaffenburg: Der Biersepp
Ganz im Norden des Freistaats hält „Der Biersepp“ bayerische Traditionen hoch. Ob bei einem Glas Frankenwein oder einem frisch gezapften „Schlappeseppel“ der traditionsreichen Aschaffenburger Brauerei, beim „Biersepp“ geht es herzlich und gemütlich zu.
Im Sommer öffnet auch der Biergarten, aber zur Wirtshausmusik versammelt man sich drinnen im Gewölbe, weshalb das beliebte „Rudelsingen“ auch nur im Herbst und Winter stattfindet. Kalli Koch gibt mit seiner Quetschn den Ton an, es werden Liedtexte verteilt, man kann aber auch Wünsche äußern. Am besten hat man vorher schon eines der deftigen fränkischen Schmankerl genossen.
Feuchtwangen: Landgasthof Walkmühle
Ein Beispiel für eines der mehr als 400 musikantenfreundlichen Wirtshäuser in Bayern, die keine festen Termine haben, aber jederzeit einer Musikerin oder einem Musiker eine Bühne geben! Im Landgasthof Walkmühle mit seiner kreativ-regionalen Küche sind sie im sommerlichen Biergarten sehr gerne gesehen.
Je nach Publikum entwickelt sich daraus eine richtig schöne, spontane Session, an der alle ihren Spaß haben. Falls nicht, genießt man im romantischen Mühlen-Restaurant einfach das gute Essen in entspannter Atmosphäre.
Lautrach: Zum Rößle
„Ehrlich, schwäbisch, gut“ heißt es im Traditionsgasthof Rößle im Unterallgäu. Seit 2019 lädt das Memminger Urgestein Klaus Eder hier jeden letzten Freitag im Monat ab 19 Uhr zum Musikerstammtisch, unterstützt von einer großen Gruppe Gleichgesinnter. Zehn bis 15 Mitstreiter schauen eigentlich immer vorbei, aber auch Neulinge sind herzlich willkommen.
Ein bisschen speziell ist das Liedgut aber schon: Gespielt werden alte, meist auch gesungene Volksweisen aus dem Allgäu, das ist für zuhörende Gäste eine ganz besondere Erfahrung. Dazu lässt man sich am besten eine Brotzeit mit saurem Käse oder schwäbische Maultaschen schmecken.
Oberstdorf: Da ist Musik drin!
In dem bekannten Kur- und Urlaubsort pflegen viele Wirtshäuser die Tradition der Stubenmusik, sehr häufig sind regionale Musiker zu Gast, die aus Spaß an der Freud‘ aufspielen.
„Zum wilde Männle“ etwa ist ein beliebter Treffpunkt der musikalisch interessierten Einheimischen sowie zahlreicher Gäste, die sich von handgemachten Klängen in gute Stimmung versetzen lassen. Fast jeden Abend wird die Ziach herausgeholt, es geht gemütlich und gesellig zu. Und wer mitsingen oder -schunkeln möchte, wird sicherlich nicht daran gehindert.
Memmingen: Bruckwirt Ferthofen
Regionale, kroatische und internationale Küche: Der „Bruckwirt“ im Memminger Ortsteil Ferthofen tischt Gerichte für jeden Geschmack auf, von der schwäbischen Bratspätzlesuppe bis zum äußerst fleischhaltigen „Bruckwirt-Teller“ mit Schafskäse und Djuvecreis.
Ebenso bunt gemischt sind das Publikum und die Hobbymusikanten, die an jedem ersten Sonntag im Monat hier eine Bühne bekommen. Darauf noch einen Slivovic! Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage, eine Kegelbahn gibt es auch.