Orangerie Ansbach
Fränkische Zeitreise

Braukunst, Bocksbeutel oder doch die Bratwurst? Bierland oder Weinland? Was ist denn eigentlich typisch fränkisch? Die Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte in Ansbach versucht eine Antwort auf diese Frage zu finden. Text: Ornella Rosaria Cosenza, Fotos: Bernhard Huber

Lesezeit: 11 Minuten

Ausstellung „Typisch Franken?“

Noch bis zum 6. November 2022 kann man in den barocken Räumlichkeiten der Orangerie im Hofgarten und in der Stadtkirche St. Gumbertus in Ansbach die aktuelle Landesausstellung besuchen, organisiert vom Haus der Bayerischen Geschichte.

Auf etwa 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche hat man die Möglichkeit, eine eigene Antwort auf die Frage „Was ist typisch fränkisch?“ zu finden. Dr. Rainhard Riepertinger, Projektleiter der Ausstellung, betont: „Franken und seine Geschichte sind sehr vielschichtig. Es wird bewusst keine konkrete Antwort auf die Frage gegeben. Das Publikum darf selbst entscheiden. Und es ist ja auch so, dass ein Unterfranke diese Frage anders beantworten würde als ein Oberfranke oder Mittelfranke.“ Wer dort also die eine Antwort sucht, wird sie nicht finden. Es gibt sie nicht. Stattdessen wird man an die Hand genommen bei einer Zeitreise durch die Kulturgeschichte Frankens.

Dr. Rainhart Riepertinger, Projektleiter der Landesaustellung
Teufelaufsatz in Form eines Modells des dänischen Linienschiffes

Vom Mittelalter bis in die Gegenwart

Etwa 150 Exponate bringen den Besuchern und Besucherinnen der Ausstellung die fränkische Geschichte und Vielfalt näher. Die Räume der Ausstellung befassen sich mit den neun Regionen Frankens. Dieser Aufteilung folgend wandert man durch die fränkische Geschichte und durch verschiedene Epochen.

Bismarck ließ in Bad Kissingen sein Gewicht regelmäßig öffentlich messen

Den Ausgangspunkt der Reise bilden die Markgrafen von Ansbach und ihre Leidenschaft für das Jagen, weiter geht es über Würzburg, Weißenburg und Windsheim, das Fichtelgebirge, Bamberg, Spessart und Aschaffenburg, Coburg und Nürnberg. Die letzte Station und das Ende dieser fränkischen Zeitreise bildet der mondäne Kurort Bad Kissingen, wo sich ehedem die „High Society“ aufhielt.

Prominente Beispiele: Kaiserin Sissi und Bismarck. Der Reichskanzler ließ bei seinen regelmäßigen Aufenthalten in Bad Kissingen sein Gewicht im Waaghäuschen an der Salinenpromenade öffentlich messen. Die Bismarck-Waage mit rotem, gepolstertem Sessel ist wohl eines der kuriosesten Objekte der Ausstellung.

Bismarck Waage in der Ausstellung

Zwischen Klischee und Identitätsfrage

In den sogenannten Franken-Fenstern werden gängige Klischees mit einem Augenzwinkern aufgegriffen, wie zum Beispiel die Rivalität zwischen Altbayern und Franken. Verbildlicht wird dies sehr treffend mit dem Aquarell „In jeder Ehe gibt’s mal Krach ...“ von Gina Anders – fränkischer Rechen und bayerische Raute sind und waren sich eben nicht immer einig …!

Besucher und Besucherinnen dürfen außerdem bei der Frage „Was ist typisch fränkisch?“ am Ende der Ausstellung selbst aktiv werden und einen Begriff auswählen, der für sie persönlich die fränkische Identität ausmacht. Dialekt? Fachwerk? Bratwurst?

„Die Frage, was man mit Franken verbindet, muss man für sich selbst entscheiden“, sagt auch Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte. Dafür liefert die Ausstellung genug Denkanstöße, Inspiration und Anekdoten.

Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte

Grundig und AEG: Erfolgsstorys aus Franken

Ein Radio, ein Fernsehgerät und eine Waschmaschine, alles im Retro-Look – nicht, weil das jetzt so modern ist, sondern weil diese Exponate wirklich aus der alten Zeit stammen. In dem Teil der Ausstellung, der sich mit Nürnberg beschäftigt, darf natürlich ein Name nicht fehlen: Grundig. Die Nürnberger Erfolgsgeschichte! Mit nur 22 Jahren gründete Max Grundig 1930 den Radio-Vertrieb Fürth (RVF), eröffnete sein Geschäft und führte eine Werkstatt.

Eine weitere fränkische Erfolgsstory: AEG. Die ursprünglich in Berlin gegründete „Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Electricität“ errichtete 1954 den Produktionsstandort für Haushaltsgeräte in Nürnberg. Der Rest ist Geschichte …

Waschmaschine

Ein stinkender Schuh?

Für Schmunzeln sorgt ein sehr abgenutztes, aber bedeutsames Objekt: der Adidas-Fußballschuh von Max Morlock aus den 1950er-Jahren. Ein stinkender Schuh in einer Ausstellung? Ja!

Dieses Schuhmodell trug maßgeblich zum WM-Sieg 1954 bei: Die vom Adidas-Gründer im mittelfränkischen Herzogenaurach designten Fußballschuhe mit speziellen Schraubstollen aus Nylon garantierten beim Finale von Bern auf dem nassen Rasen einen guten Halt und verhalfen so mit zum legendären Triumph.

Max Morlocks Adidas Schuh in der Ausstellung
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