Bauernhaus aus Seubersdorf: Ein Lieblingsort von Eva-Maria Papini
Barrierefreie Museen

Kultur ohne Hürden

19 Museen in Bayern haben sich auf den Weg gemacht, um interessante Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen zu schaffen. Das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim ist ein Vertreter des Netzwerks "Inklusive Museen"

Lesezeit: 5 Minuten

Museen inklusive in Bayern

Audioguides für Gäste mit Sehbehinderung, spezielle Angebote für Gehörlose, Broschüren in einfacher Sprache und Ausstellungen, in denen alle Sinne angeregt werden: Dies alles sind Angebote, die ermöglichen, dass auch Urlauber mit Einschränkungen Museen erleben können. Vieles davon kommt auch allen anderen Gästen zugute.

In Bayern haben sich 19 Museen zum Netzwerk "Museen inklusive" zusammengetan, um auf diesem Gebiet gemeinsam Fortschritte zu machen. Wir haben Eva-Maria Papini im Fränkischen Freilandmuseum getroffen. Die Museumspädagogin beschäftigt sich schon lange mit dem Thema und hat in Bad Windsheim viele tolle Ideen umgesetzt.

Die Museumspädagogin entdeckte nach ihrer Ausbildung – sie absolvierte zunächst eine Schreinerlehre und ein Kunstgeschichtsstudium – ihre Begeisterung für die Museumspädagogik. Nach mehreren Stationen und freiberuflichen Jahren arbeitet sie seit fünf Jahren in Bad Windsheim und ist überzeugt: „Ich habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt.“

Dort gefällt Eva-Maria Papini, dass sie mit so vielen, ganz unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten darf: „Wir haben ein großes Team an Museumspädagogen, bei uns sind Handwerker, Wissenschaftler und freiberufliche Mitarbeiter tätig. Wir arbeiten sehr kollegial zusammen und bringen deshalb richtig viel zustande.“ Gleichzeitig mag die Museumsexpertin die Begegnungen mit den Gästen und die Natur rund ums Freilandmuseum.

Eva-Maria Papini zeigt im Freilandmuseum Bad Windsheim die Wollverarbeitung

Eva-Maria Papini zeigt im Freilandmuseum Bad Windsheim die Wollverarbeitung

Die Ausstellung "Schäferei aus Hambühl"

Die Ausstellung "Schäferei aus Hambühl"

Schafswärme zum Empfang

Einige Gäste bekommen richtig leuchtende Augen, als sie die Schafe sehen. Eine kleine Herde kommt mit dem Guide zum Eingang des Fränkischen Freilandmuseums, um die Gruppe zu begrüßen und abzuholen. Die Besucherinnen und Besucher sind aus verschiedenen betreuten Wohngruppen und machen einen dreitägigen Ausflug. Sie erhalten eine auf sie zugeschnitten Führung, die besonders viele sinnlich erfahrbare Elemente enthält.

Die tiergestützte Vermittlung, zum Beispiel durch die Schafe, hilft ihnen, gut im Museum anzukommen und sich dort wohlzufühlen. Das Schafs-Empfangskomitee ist nur eines von vielen Elementen, mit denen die Experten im Fränkischen Freilandmuseum Gästen mit kognitiven Beeinträchtigungen zu einem erlebnisreichen Besuch verhelfen möchten.

„Wir haben festgestellt, dass sich auch Menschen mit Einschränkungen bei uns sehr wohl fühlen“, erzählt Eva-Maria Papini, die mit ihrem Team an speziellen, barrierefreien Angeboten arbeitet. „Wir haben ja zum Beispiel viele Tiere. Das finden gerade Gäste mit Lernschwierigkeiten sehr schön, mit Tieren kommen sie leicht in Kontakt. Was sie auch mögen: den direkten Kontakt mit der Natur bei uns und das Gefühl, dass man hier im Freilandmuseum in eine andere, langsamere Zeit eintritt.“ Ein Rundgang durch das Fränkische Freilandmuseum ist für Besucherinnen und Besucher wie eine Zeitreise durch 700 Jahre fränkische Alltagsgeschichte. Auf dem Gelände stehen über 100 historische Gebäude in einer Kulturlandschaft, wie es sie früher gab.

Malerisches Detail im Freilandmuseum Bad Windsheim

Malerisches Detail im Freilandmuseum Bad Windsheim

Auch, dass man im Freilandmuseum Handwerkern beim Arbeiten wie einst zusehen kann, gefällt vielen. Und viele Gruppen buchen auch Workshops, bei denen zum Beispiel gefilzt oder gebuttert wird. Papini weiter: „Wir sind rundum auf Menschen mit Einschränkungen eingestellt und ganz besonders auf Besucherinnen und Besucher mit kognitiven Beeinträchtigungen. Gleichzeitig können wir wegen der alten Häuser mit ihren Eigenheiten nicht komplett barrierefrei sein können. Ich habe aber den Eindruck, dass das auch niemand erwartet.“

Schnuppern, Pflücken, Probieren

Die Besuchergruppe ist mittlerweile bei den Kräuterbeeten angelangt. Die Gäste dürfen schnuppern und verschiedene Pflanzen pflücken und probieren. Die Riech-Beete sind für Eva-Maria Papini ein gutes Beispiel dafür, dass Angebote für Menschen mit Behinderungen am Ende allen zu Gute kommen. Denn sie wurden zwar insbesondere für seheingeschränkte Besucher und für an Demenz erkrankte Personen angelegt, erfreuen jetzt aber fast alle Gäste.

Broschüren in einfacher Sprache und Ausstellungen, wie in der „Schäferei aus Hambühl“ oder „Naturstein im ländlichen Franken“, bei denen man viel anfassen darf, das alles ist auch prima für Familien, ja eigentlich für alle Besucherinnen und Besucher. Und wenn Gruppen mit besonderen Anforderungen kommen, stellt das Museumsteam auch gern eine individuellen Führung zusammen, die dann hoffentlich genau passt und allen Spaß macht.

Exponte wie der „Naturstein im ländlichen Franken“ darf man anfassen

In über 100 Kursen lernt man alte Techniken wie das Mähen mit Sense

Um das Angebot immer weiter zu verbessern, arbeitet das Fränkische Freilandmuseum mit den anderen inklusiven Museen in Bayern und mit Behindertenverbänden zusammen. Die Arbeit macht Eva-Maria Papini viel Spaß: „Es ist ein schönes Erlebnis, Gruppen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen zu führen, weil man so viel zurückbekommt: ein Leuchten im Gesicht, eine große Zufriedenheit, viel Offenheit. Wir haben dabei aber auch das Gefühl, ihnen etwas geben zu dürfen.“

Zu den Lieblingsorten von Eva-Maria Papini gehören im Museum die Schäferei sowie das Bauernhaus aus Seubersdorf. Beides sind für sie ganz spezielle, besonders authentische Orte, wo man noch mehr als anderswo auf dem Gelände das Gefühl hat, dass die Zeit stehen geblieben ist, dass der Bauer oder der Schäfer gleich nach Hause kommen wird.

Viele Leute, erzählt Papini weiter, finden es im Fränkischen Freilandmuseum ja ohnehin so heimelig, dass sie fragen, ob man in den alten Häusern denn vielleicht auch übernachten könne. „Eher schwierig“, meint die Museumspädagogin lachend, „aber ich kann den Wunsch gut verstehen.“

Mehr Informationen zu den Museen inklusive

Eva-Maria Papini im Biergarten des Freilandmuseums

3 Tipps

... von Eva-Maria Papini

Wirshäuser auf dem Freilandmuseum Gelände
Für den kulinarischen Tipp muss man sich gar nicht aus dem Fränkischen Freilandmuseum bewegen: Ich empfehle unsere drei Wirtshäuser auf dem Gelände. Eine Museumsgaststätte mit Biergarten liegt, wie in einem fränkischen Dorf, direkt an einem Teich – das ist sehr idyllisch. 
freilandmuseum.de

Rothenburg ob der Tauber
Das etwa 20 Kilometer entfernte Rothenburg ob der Tauber. Die mittelalterliche Altstadt ist einfach wunderbar restauriert. Ein etwas spezielles Ziel ist dort das Käthe Wohlfahrt Weihnachtsdorf – ein unglaublich großer Laden, der sich über mehrere alte, historische Häuser erstreckt. Dort bekommt man Weihnachtsdeko aller Art, und zwar das das ganze Jahr über. Das ist schon einzigartig – wenn ich Besuch habe, nehme ich den oft dorthin mit. Das muss man einfach mal gesehen haben. 
rothenburg-tourismus.de

Europäisches Schulandheim Bad Windsheim
Das Europäische Schullandheim Bad Windsheim direkt am Museumsgelände ist bestens eingerichtet auf die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen. Außerdem ist es eine tolle Begegnungsstätte, von daher auch für Gruppen von Menschen ohne Behinderung ein toller Übernachtungstipp. Wir arbeiten eng mit dem Landschulheim zusammen. 
schullandheimwerk-mittelfranken.de

Museen in Gebärdensprache

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