Sightsleeping | Mittermeiers Hospitality

Hotels mit klarer Haltung

In dem viel besuchten fränkischen Städtchen Rothenburg ob der Tauber hat Christian Mittermeier nicht nur einen kulinarischen Fixstern, sondern auch zwei ganz unterschiedliche Hotels geschaffen: die charmante „Villa Mittermeier“ und das „Alter Ego“, in dem es zwanglos und kommunikativ zugeht

2 x Mittermeier

Wer durch Rothenburg spaziert, kann gar nicht anders, als immer wieder innezuhalten und hier eine herausgeputzte Fassade in leuchtendem Pastell zu bewundern, dort ein leicht windschiefes Fachwerkhaus oder drunter und drüber gebaute Balkone, die vor Blumen geradezu überquellen.

Lässig-perfekte Gastfreundschaft

Zwei charaktervolle Gebäude stehen gleich am Würzburger Tor, dem idealen Startpunkt für einen Altstadtbummel: die aus Muschelkalk- und Sandstein erbaute „Villa Mittermeier“ mit ihrer leuchtend roten Rundbogentür und 50 Meter weiter „Mittermeiers Alter Ego“.

Fast wie ein modernes Hexenhäuschen wirkt die Dependance in einer Gründerzeit-Villa mit spitzem Giebel und dunkler Fassade. Hier wie dort wartet hinter alten Mauern bis ins Detail durchdachte, lässig-perfekte Gastfreundschaft.

Gastgeber Christian Mittermeier ist gelernter Metzger und Koch, engagiert sich im Weinbau und in der Bienenzucht – und ist als Markenbotschafter für einen großen Hersteller von Küchengeräten zeitweise in der ganzen Welt unterwegs.

„Ein bisschen Soziologe, Architekt und Betriebswirt muss ich als Gastronom auch noch sein“, sagt er, „und in der Küche spielt die Biochemie mit hinein. Perfekt bin ich nirgendwo, aber mit Herz und Seele interessiert.“ Ein Mann mit vielen Talenten. Und einer, der gesellschaftliche Verantwortung nicht an der Hoteltür abgibt.

Auf der Website von „Mittermeiers Hospitality“ findet sich ein klares Bekenntnis gegen Rassismus, Homophobie und Rechtsextremismus. „Es ist mir wichtig, Haltung zu zeigen!“

Vertrauen als Prinzip

Wichtig ist ihm auch der Austausch mit den Kollegen der Jeunes Restaurateurs d’Europe, der Vereinigung europäischer Spitzenköche: „Da haben wir zuletzt die junge Gourmetszene in Kroatien unterstützt, was sehr spannend war.“

Doch nicht nur aus den positiven Eindrücken seiner Reisen in Europa, Südafrika, Malaysia, China oder Australien lernt der engagierte Gastgeber: „Veränderung geschieht ja aus Unzufriedenheit.“

Eine „Trust-Bar“ mit Weinen des eigenen Weinguts und feinen Snacks

Unzufrieden ist Mittermeier immer, wenn er das Gefühl hat, dass ihm als Gast kein Vertrauen entgegengebracht wird: „Das beginnt schon mit Kleiderbügeln, die im Schrank festgekettet sind.

Es nervt mich auch, wenn ich irgendwo einchecke und wegen der Minibar-Abrechnung gleich nach meiner Kreditkarte gefragt werde, obwohl ich damit online gebucht habe.“ In seinen Häusern möchte er den Gästen das genaue Gegenteil signalisieren.

So steht in „Mittermeiers Alter Ego“ eine „Trust-Bar“, an der sich jeder bedienen kann, von den Weinen des eigenen Weinguts „Tauberhase“ bis zu feinen Snacks.

Mischung aus WG und Hotel

Jeder Gast trägt seinen Konsum manuell oder über die App „hello guest“ des vollumfänglich digitalisierten Hotels ein. „Es funktioniert“, so Mittermeier. „Wenn ich den Gästen zeige, dass ich ihnen vertraue, handeln sie auch entsprechend.“

Damit stiftet er Gemeinschaft, wenn in der edlen bulthaup-Küche etwa das südkoreanische Pärchen auf Romantik-Urlaub mit jungen Amerikanern auf Europa-Tour am langen Tisch zusammensitzt: „Das ,Alter Ego‘ ist eine Art Mischung aus WG und Hotel.“

Geplant war das alles so nicht. Zwar ist Christian Mittermeier im ehemaligen Gasthof der Familie „zwischen Fritteuse und Büfett“ aufgewachsen, doch dann zog es ihn nach der Metzgerlehre zur Ausbildung zum Koch ins noble „Bareiss“ im Schwarzwald, wo er auch seine Frau Ulli kennenlernte.

Blutjung übernahmen die beiden ein Restaurant in Lörrach und machten es zur gefragten Gourmetadresse im Dreiländereck.

Regional bestens vernetzt

Fünf Jahre später ergab sich die Gelegenheit, die „Villa Mittermeier“ von den Eltern zu übernehmen. Schritt für Schritt verwirklichten die Mittermeiers ihr Hotel, „wie wir es eben cool finden“. Ulli, die heute wegen der beiden Kinder Teilzeit arbeitet, kümmerte sich um die Einrichtung und orderte viele Designerstücke von Herstellern aus der Umgebung – „weil wir gerne die Menschen hinter den Ideen kennen“.

„Ich möchte die Gäste überraschen und unterhalten!“

Das gilt genauso für die Küche der „Villa Mittermeier“. Viele Produkte kommen von Erzeugern aus der Umgebung, mit denen Christian bestens vernetzt ist, „und da darf die Karotte auch mal krumm oder zweibeinig sein“.

Dogmatisch sei er bei der Regionalität aber nicht: „Es geht mir immer um das beste Produkt.“ „Taste matters“ nennt er seine Vorstellung einer unkomplizierten, aber hochklassigen Gastlichkeit. Küchenchef Sascha Bungeroth kreiert lustvoll konzipierte Gerichte mit einem gewissen Twist. Denn das, sagt Christian, sei immer sein Ziel: „Ich möchte die Gäste überraschen und unterhalten!“

Auf einen Blick

  • 28 Zimmer in der Villa, 11 im Alter Ego
  • Einstellmöglichkeit für Fahrräder
  • Kostenfreie Parkplätze
  • E-Ladestation für Autos und E-Bikes
  • Doppelzimmer ab 90 €
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