Sightsleeping | Brauereigasthof Hotel Aying

Urlaub auf dem Dorf

Wer in einem Brauereigasthof einkehrt, weiß, worauf er sich einlässt: In Aying hat man die Wahl zwischen 11 hervorragenden Bieren. Dazu gibt es kreative, bayrische Küche. Ach, und schlafen kann man hier auch, vier Sterne hat das Hotel, einige Trilliarden weitere funkeln am Himmel über Bayern

Brauereigasthof Hotel Aying

Schon mit achtzehn wusste Angela genau, was sie wollte, nämlich den feschen Herrn Inselkammer aus dem Nachbarort Aying. Für die Liebe ließ sie sogar Konrad Lorenz und seine Graugänse sausen. „Verhaltensforschung hat mich fasziniert, ich stellte mir vor, wie ich als Mutter einer Schar Graugänse über die Wiesen des Forschungsinstituts Seewiesen tollte“, erzählt sie lächelnd und fügt hinzu: „Jetzt haben wir zehn Enkelkinder, etwa hundert Angestellte, einen Hund und rund um die Uhr Gäste. Da kommt allerhand an Verhalten zusammen, das man studieren kann.“

Seit 200 Jahren bestehen Brauerei und Wirtschaft in dem beschaulichen Dorf bei München, 1385 wurde der Gasthof erstmals urkundlich erwähnt. Familienbetriebe wie den der Inselkammers gab es in Bayern früher viele, heute bestimmen internationale Ketten den Markt. Gegen die wachsende Konkurrenz bestehen die Ayinger seit sieben Generationen, ihr heutiges Erfolgsrezept hört sich denkbar schlicht an: Zusammenhalten ist die eine Sache, nicht durchdrehen, sondern authentisch bleiben, die andere. „Man muss es einfach mögen, Gäste zu haben! Wie zuhause bei einer Einladung, da überlege ich mir, was gefällt meinen Freunden, was essen sie gerne, wie schaffe ich eine gemütliche und lockere Stimmung. Mehr tun wir auch nicht.“

Stubenmusi und High Tech

Natürlich untertreibt Angela Inselkammer da gewaltig. Um die vielen Aufgaben, die täglich als Chefin von Hotel, Restaurant und dem Bräustüberl mit Biergarten und als Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes auf sie einstürmen, vorzusortieren, streift sie jeden Morgen mit Hanni, ihrem schlauen Hund, durch den Wald. „Mein Mann Franz und ich sind leidenschaftlich für unsere Heimat engagiert, alles andere ergibt sich daraus“, umschreibt Angela Inselkammer die Kraft, die sie antreibt.

Mit „Alles Andere“ meint sie unter anderem: Eine hochmoderne Brauerei, die alle Zutaten in Bayern einkauft und ihr Brauchwasser über eine Verregnungsanlage auf den Feldern ausbringt, die Renovierung des Herrenhauses nach ökologischen Vorgaben und regionaler Einkauf, wann immer das möglich ist.

Auch die Kultur gehört dazu. Die Inselkammers fördern das lebendig gebliebene Dorfleben, das freut Gäste und Einheimische gleichermaßen. Unter dem höchsten Maibaum Europas wird gerne getanzt und gefeiert, zum Beispiel beim Bräu-Kirta über vier Tage. Ein Volksmusikabend im Festsaal, „Alle Neune“ in der historischen Kegelbahn oder ein Kurs im Kräuter sammeln nennen Touristiker „Resonanztourismus“, für die Gäste sind das einfach nur unvergessliche Urlaubstage. 

Das Zimmer von Ursula

Ein Bayern wie im Bilderbuch also? Im Sixthof, einem 300 Jahre alten Anwesen hat Franz Inselkammer ein Bauernhof – Museum eingerichtet. Wer hier oder im antiken Getreidekasten, dem Troadkasten feiert, darf sich wie in einer  Bauernfamilie „anno dazumal“  fühlen, das Essen wird in großen Schüsseln und Reindln mitten auf den Tisch gestellt. Feiner geht es im Festsaal zu, cooles Ambiente auch für Firmenfeiern bietet  der Schalander in der Brauerei oder der Sixthof Stadl mit seinem freigelegten Gebälk.

Unter dem Motto „Zu Besuch bei Freunden auf dem Land“ sind die Zimmer im Gasthof gestaltet. Bauernmalerei an den Betthäuptern, viel Gedrechseltes und Baldachine lassen auf recht stilsichere Freunde schließen. Im Herrenhaus wohnt man dann eher wie bei Landgrafen. Historische Kachelöfen, ein offener Kamin, Holzböden, Ölgemälde und feine Polstersessel gehören zur Ausstattung mancher Suiten und Zimmer. Die 14 luxuriösen Zimmer sind nach Ahnen der Familie benannt. Ursula zum Beispiel, geboren 1821, stand als Gastronomin und Bäuerin ihrem Mann zur Seite. Ob sie tatsächlich das Premium Zimmer mit dem historischen Kachelofen im Herrenhaus bewohnte? 

Eine Frage des Verhaltens

„So genau wissen wir das natürlich nicht,“ sagt Angela Inselkammer, „Wir haben die Zimmer einfach mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Durch diese Sorgfalt spüren unsere Gäste, dass sie wirklich willkommen sind, ebenso natürlich durch unseren Umgang miteinander. Viele unserer Mitarbeiter verbringen ihr ganzes Berufsleben in einem unserer Betriebe.“

Auch Angela hat ihre Entscheidung für Franz und sein Inselkammer-Reich nie bereut. Ihr Interesse an den ganz großen Fragen der Verhaltensforschung („Warum verhalten wir uns manchmal so seltsam? Ist das angeboren oder lässt es sich ändern?“) ist nicht erloschen. Dreißig Jahre Erfahrung im Umgang mit Familie, Personal und Gästen fasst sie auf ihrer Webseite mit einem Zitat von Oscar Wilde zusammen: „Nach einem guten Essen ist man bereit, jedem zu vergeben, selbst den eigenen Verwandten.“ Also nichts wie auf nach Aying, gut essen und schlafen. Auch wenn es gerade nichts zu verzeihen gibt.

 

Auf einen Blick

  • 48 Zimmer, davon 14 im Herrenhaus
  • Festsaal, Salettl, Troadkasen, Sixthof Stadl und historische Kegelbahn für Feiern
  • zwei Restaurants, eigene Biere
  • Brauereiführungen in der Ayinger Privatbrauerei
  • Kostenfreie Parkplätze
  • DZ/F ab 149 Euro
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