Tür an Tür mit zeitgenössischer Kunst

Zum Traum vom perfekten Hotel gehören für die Gastgeberfamilie Hirschfelder unbedingt Kunstwerke. Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus ihrer Sammlung verleihen Lounge und Zimmern Charakter und regen interessante Gespräche an

art & business hotel in Nürnberg

Was brauchen wir, um uns wohlzufühlen? Diese Frage trieb Christian und Friederike Hirschfelder immer um, wenn sie im Urlaub in Hotels wohnten. Das Ehepaar stieg in guten und auch exquisiten Häusern ab, die beiden reisten in die Berge und ans Meer, in exotische Länder oder einfach quer durch Deutschland.

Oft sind es Dinge, die gar nichts oder wenig kosten, stellten die Hirschfelders fest, wie zum Beispiel herzliche Gastgeber – oder Leselampen am Bett. Vor allem aber Bilder von echten Künstlern vermissten sie in fast allen Unterkünften. Kreative, stilbewusste Menschen schmerzt schlechter Geschmack fast mehr als nachlässiger Service. Die beiden  Kunstliebhaber bekamen Lust, es anders zu machen. 

Ein Schatz wird gehoben

2007 wurde aus der Ferienlaune Wirklichkeit: In ihrer Heimatstadt Nürnberg stand ein marodes Hotel in bester Innenstadtlage zum Verkauf. Als Immobilienunternehmer und Architekten sahen die Hirschfelders in dem heruntergekommenen Gebäude aus den 70er-Jahren einen Schatz, den es zu heben galt. Bilder und Skulpturen verschiedener Nürnberger Künstler hatten sie seit Jahren auf Auktionen und bei Atelierbesuchen gesammelt, das Wichtigste für ihren Traum vom eigenen Hotel war also schon da. 

Auch über das Design hatten sie oft gesprochen: Modern, zurückhaltend und klar sollte es sein, um der zeitgenössischen Kunst, die sie präsentieren wollten, einen Rahmen zu geben. Nachdem die Idee ihren Raum gefunden hatte, zogen sich Christian und Friederike Hirschfelder etwas in den Hintergrund zurück, Sohn Ferdinand kümmert sich jetzt um das „Baby“ seiner Eltern.

...so konnte ich in meine Heimatstadt Nürnberg zurückkehren

Schon bald holte er eine Hotelleiterin dazu, die damals noch Stephanie Scheuerecker hieß. „Im Arbeitsvertrag stand nicht, dass ich meinen Chef heiraten müsse“, sagt Stephanie Hirschfelder lächelnd. „Aber so kam es...“ Fünfzehn Jahre lang hatte sie vorher deutschlandweit in der Hotellerie Erfahrungen gesammelt, die sie nun im familieneigenen „art & business hotel“ einbringen kann.

Individuelle Wünsche

„Ich war so glücklich über das Angebot, so konnte ich in meine Heimatstadt Nürnberg zurückkehren und noch dazu in ein Privathotel“, schwärmt Stephanie Hirschfelder. „Hier darf ich viel mehr entscheiden, in Kettenhotels sind hingegen die Abläufe festgelegt.“

Nun freut sie sich, auf individuelle Wünsche der Gäste eingehen zu können. Ein Stammgast findet zum Beispiel in seinem Zimmer immer eine Yogamatte vor, die sie kurzerhand für ihn gekauft hat, als er sich erkundigte, wo er in Nürnberg so etwas bekommen könne.

„Schon beim Check-in lernen wir unsere Gäste ein wenig kennen: Familien, die ihren Kindern das mittelalterliche Nürnberg zeigen wollen, Geschäftsleute, die es gerne unkompliziert haben, Schleckermäuler, die wegen unseres legendären Frühstücks immer wieder kommen“, beschreibt Stephanie Hirschfelder das bunt gemischte Publikum im „art & business hotel“.

Nürnberg, die perfekte Stadt

Als junges Mädchen erträumte sie sich ihr Leben im Hotel als eine Art ewigen Urlaub in wunderschönen, fernen Ländern, denn so hatte eine Fernsehserie den Beruf einer Hotelfachfrau dargestellt. Stephanie Hirschfelder ist froh, dass solche romantischen Vorstellungen sie dazu gebracht haben, ihren Traumberuf zu ergreifen.

Noch zufriedener ist sie darüber, dass alles ganz anders ist. „Ich reise gerne, aber ich will gar nicht dauernd an irgendwelchen exotischen oder glamourösen Orten leben, ich bin ein heimatverbundener Mensch. Ich liebe Nürnberg, es ist die perfekte Stadt!“

Ferdinand und Stephanie Hirschfelder leben im Stadtviertel St. Johannis in einem der Fachwerkhäuser, die den Charme von Nürnberg ausmachen. Oper, Theater, coole Geschäfte, der Lieblingsitaliener im Kreuzgassenviertel, das Klassik-Open-Air im Sommer und natürlich die Kaiserburg – auch vom Hotel aus ist alles zu Fuß zu erreichen.

Die  Sightseeing-Tipps der Gastgeberin sind zur Zeit auf Kinder zugeschnitten, ihr Sohn ist sechs Jahre alt. „Unser Tiergarten ist wunderschön und der Playmobil-Funpark steht natürlich auf jeder kindlichen Wunschliste“, rät sie. „Ich persönlich liebe den barocken Hesperidengarten mit dem nostalgischen Café für eine Pause im täglichen Trubel.“

Gespräche über Kunst

Die Gäste des „art & business hotels“ entspannen gerne im Innenhof des Hotels unter einer großen Platane. Mit der „Falkenfrau“, einer Holzskulptur von Christian Rösner, und einer Bronzestatue von Uhr Buley kommen die Gäste gut klar. An einer rohen Betonwand aber regt ein Bild von Norman Rabe Gevekoth zu lebhaften Diskussionen an.

Sind da verschlungene Körper zu sehen oder ein menschliches Herz? Oder einfach Form und Farbe? Der Künstler selbst nennt die rote Figur auf Blau kryptisch „Sturz der Henne“. Die Gastgeber des art & business hotels schaffen es immer wieder, Gäste durch kontroverse Standpunkte über Kunst miteinander ins Gespräch zu bringen. Wie schön.

Auf einen Blick

  • 49 Zimmer
  • Parkmöglichkeiten am Hauptbahnhof (3 Minuten Fußweg)
  • Weinverkostung
  • DZ/F ab 90 Euro

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