Einige alte Bamberger Gemüsesorten wachsen im Bioland-Betrieb
Ingwer und Süßholz

Sebastian Niedermaier führt unweit der Bamberger Fußgängerzone eine Bioland-Gärtnerei. Wir haben uns bei ihm zwischen Knoblauch, Ingwer und Kurkuma umgesehen

Gärtner Sebastian Niedermaier

Gärtnern mitten im Weltkulturerbe aus Freude an der Tradition und am Experimentieren gleichermaßen – Sebastian Niedermaier führt einen Bioland-Betrieb unweit der Fußgängerzone von Bamberg. Schon seit dem Mittelalter wird in der Domstadt Gemüseanbau betrieben. Diese Gärtnerstadt gehört längst zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Im Gewächshaus wachsen die verschiedensten Sorten Tomaten: gelbe, dunkelrote, ja sogar gestreifte. Und die Wassermelonen, die draußen auf dem Feld vor der Stadtkulisse Bambergs wachsen, sind auch schon fast reif. Nach der Gärtnerausbildung und Wanderjahren auf der ganzen Welt ist der heute 32-jährige Sebastian Niedermaier in seine Heimatstadt zurückgekehrt und bewirtschaftet dort einen Betrieb, der einst seinem Urgroßvater gehörte. Das meiste Obst und Gemüse verkauft er in seinem Hofladen.

100 Prozent Eigenanbau

Niedermaier ist Gärtner aus Leidenschaft … und dies bereits in der 13. Generation. Seine Gärtnerei gehört zudem zum UNESCO-Weltkulturerbe Gärtnerstadt Bamberg. „Für mich bedeutet Tradition Feuer, nicht Asche“, erzählt uns der experimentierfreudige Bamberger, der einen guten Mix aus Alt und Neu versucht. Mit viel Erfolg!

„Bei uns ist eben alles ein bisschen anders“, berichtet er: „Wir bieten auch Abo-Kisten an, doch die holen die Kunden bei uns selbst ab. Wir verkaufen – auch im Hofladen übrigens – ausschließlich selbst angebautes Bioland-Gemüse und -Obst. Denn nur so kann ich meinen Kunden höchste Qualität garantieren.“

Für sein "Abo-Kistla" baut Sebastian über 60 verschiedene Pflanzen an

„Ich lagere unser Gemüse im Winter wieder wie einst in einer Erdmiete im Boden"

Schon vor Jahrhunderten exportierten die Bamberger Gärtner Gemüse und Samen ganz eigener Sorten weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Eine besondere Spezialität war das Süßholz, das gut auf den sandigen Böden wächst und das die hiesigen Gärtner als Süßungsmittel bis nach London und Venedig verkauften.

Das lohnt sich längst nicht mehr, aber um die Tradition des Süßholz-Anbaus weiterleben zu lassen, kultiviert Sebastian Niedermaier die Pflanze seit ein paar Jahren wieder in seinem Gewächshaus. Und er hilft dabei, alte Sorten wie den Bamberger Knoblauch oder den Bamberger Wirsing zu retten.

Gleichzeitig ist er aber auch ein junger Wilder, der sich immer wieder etwas Neues einfallen lässt: „Ich lagere unser Gemüse im Winter wieder wie einst in einer Erdmiete im Boden, baue für Bayern ungewöhnliche Pflanzen wie Wassermelonen, Ingwer und Kurkuma an. Außerdem gibt es bei uns immer wieder Impro-Theater und andere Kulturevents“, erzählt Sebastian Niedermaier, der aus Überzeugung auch Menschen mit Handicap beschäftigt und davon träumt, mal in einer Kooperation ein kleines, temporäres Pop-up-Deli aufzumachen. Dort würde er gern Sandwiches mit eigenem Gemüse anbieten.

Sebastian rettet alte Sorten wie den Bamberger Knoblauch

Bambergs gärtnerische Tradition kennenlernen

Für alle, die die Gärtnerstadt erleben möchten, hat er mehrere Tipps und den hier natürlich vorneweg: in seinem Hofladen vorbeischauen. Aber damit beginnt es erst. Es gibt in Bamberg das Garten- und Häckermuseum, einen Gärtnerrundweg, einen Aussichtsturm, von dem aus man in die Gartenstadt hineinschauen kann. Und natürlich Führungen, wie etwa mit Eat the World. Bei manchen Touren, die die Stadt anbietet, schauen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch im Hofladen von Sebastian Niedermaier vorbei.

Mehr über Sebastians Bio-Gärtnerei in Bamberg sebastian-niedermaier.de

Dominikanerstraße: Bambergs Altstadt ist seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe

... von Sebastian

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