Gib dir und dem Wasser einen Tritt!
Hüterin der Kneipp-Lehre

Cordula von der Ropp ist die leitende Ärztin im Sebastianeum in Bad Wörishofen, der einstigen Wirkungsstätte von Pfarrer Sebastian Kneipp, der vor 200 Jahren geboren wurde

Kneipp-Botschafterin Cordula von der Ropp

Der erste Schritt ist immer der schwierigste: Beim Eintauchen des Beins in das eiskalte Wasser schnappt man zwangsläufig erst einmal nach Luft – zwischen acht und 18 Grad soll die Temperatur liegen. Dann beginnt der Storchengang: das Bein ganz aus dem Wasser heben, den nächsten Schritt machen und wie der namensgebende Vogel durch das Becken staksen.

Das berühmte „Wassertreten“ ist meist die erste Assoziation, wenn von der Lehre von Sebastian Kneipp die Rede ist – und zurzeit ist der Name des Pfarrers wieder in aller Munde: Kneipp wurde vor 200 Jahren, am 17. Mai 1821, geboren.

Arbeitsplatz an Kneipps Wirkungsstätte

„Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr Kneipp seiner Zeit voraus war, was er schon ahnte und wusste“, so Cordula von der Ropp. „Mich fasziniert, dass der Ansatz, die Seele zu heilen und Stress zu minimieren, indem wir körperliche Beschwerden mit Naturheilverfahren lindern, Menschen schnell stabilisieren kann.“

Die promovierte Internistin ist die leitende Ärztin am Sebastianeum in Bad Wörishofen und damit die wichtigste Hüterin der Lehre Kneipps: „Ich habe einen sehr, sehr einmaligen Arbeitsplatz, denn in unserem Haus hat Kneipp die letzten sechs Jahre seines Lebens gewirkt.“ Sein Behandlungszimmer ist heute der Raum, in dem die Heilfastenden ihre Mahlzeiten einnehmen.

"Die Natur um uns herum hält so viel für eine gute Lebensführung bereit"

Die fünf Säulen der Kneipp'schen Lehre

Wasser, Ernährung, Bewegung, Kräuter und Ordnung

Kneipp kam im Alter von 34 Jahren nach Bad Wörishofen, wo er sein ganzheitliches Naturheilverfahren entwickelte. Mit im Gepäck hatte er schon einen Erfahrungsschatz mit Wasseranwendungen in der Donau, die ihn selbst zuvor von der Tuberkulose geheilt hatten.

Später erweiterte er seine Lehre um weitere Elemente: „Seine Ideen beruhen auf fünf Säulen“, erklärt von der Ropp, „Wasseranwendungen, Ernährung, Bewegung, Kräuteranwendungen und Ordnung, damit ist die Lebensführung gemeint.“

Prinzipien, die sich auch heute noch – angepasst an neue Erkenntnisse – in über 120 verschiedenen Anwendungen im Sebastianeum wiederfinden. Was damals als Pionierleistung begann, gehört heute zum Zeitgeist.

Blick auf die Natur

Die wichtigste Botschaft Kneipps sieht von der Ropp darin, das Einfache und das Naheliegende anzuwenden, um gesund zu bleiben oder gesund zu werden: „Da hilft uns der Blick auf die Natur, die wir ja überall direkt um uns herum finden. Sie hält so viel für eine gute Lebensführung bereit.“

Die Kneipp-Botschafterin erklärt, dass die Wirksamkeit insbesondere der Wasser-Aanwendungen bewiesen sei: „Die Durchblutung wird gefördert, der Stoffwechsel angeregt und der Blutdruck sinkt. Oft bessern sich Schmerzen erstaunlich schnell. Und auch das Immunsystem und die Psyche profitieren.“ Sie betont aber auch, dass Naturheilverfahren wie die von Kneipp nicht ganz so leicht wissenschaftlich überprüfbar seien.

„Ich bin überzeugt, dass Anwendungen nach Kneipp die moderne Medizin ideal ergänzen"

Schulmedizin und Naturheilkunde vereint

Kneipp stand deshalb damals im Brennpunkt des Konflikts zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde. Von der Ropp sieht das ganz unverkrampft und formuliert es bewusst etwas provokant so: „Wenn wir klassische Naturheilverfahren verordnen, sind wir klassische Schulmediziner."

Gerade in der Prävention und bei chronischen Erkrankungen helfen Bewegung, Ernährung, Ordnung, Hydrotherapie und Heilkräuter einfach sehr gut.“ Gleichzeitig arbeitet ihr Team im Sebastianeum aber auch, wie jede gut ausgerüstete internistische Praxis, mit Verfahren wie EKG, Ultraschall, Screenings und Lungenfunktionstests.

Glücksfall nach dem Medizinstudium

In ihrer Rolle als Kneipp-Botschafterin ist Cordula inzwischen tief verwurzelt. Dabei begann ihre berufliche Laufbahn ganz klassisch, mit der Kneippschen Lehre hatte sie während des Studiums und der zusätzlichen Ausbildung zur Krankenschwester zunächst nichts zu tun.

„Ich kam damit erst vor zwölf Jahren näher in Berührung, als im Sebastianeum eine Arztstelle ausgeschrieben war und ich mich bewarb. Rückblickend ein absoluter Glücksfall!“, sagt sie. „Ich war damals sehr schnell überzeugt, dass die Anwendungen nach Kneipp die moderne Medizin ideal ergänzen – und bin es bis heute.“

Wasseranwendungen sind fester Bestandteil der Kneipp-Therapie
"Ich bewege mich viel an der frischen Luft, meist 20.000 Schritte am Tag"

Kneipp ins Leben integrieren

Kein Wunder, dass sie die Lehre Kneipps auch in ihr Privatleben integriert, zum Beispiel das Thema Bewegung: „Ich bewege mich recht konsequent täglich zweimal eine Stunde draußen an der frischen Luft und komme meist locker auf 20.000 Schritte am Tag. Meine Familie lacht immer schon und ist der Meinung, dass ich nicht wegen des Hundes Gassi gehe, sondern der Hund freundlicherweise mit mir Gassi geht.“

Das sei ganz im Sinne Sebastian Kneipps, sagt sie: „Wir Kneipp-Expertinnen appellieren ganz stark an die Eigenverantwortung. Eine nachhaltige Änderung des Lebensstils kann nicht nur präventiv wirken, sondern auch heilen.“

Mehr zum Sebastianeum und den fünf Säulen von Kneipp unter sebastianeum.de und zu Bad Wörishofen unter bad-woerishofen.de

Die meisten Häuser in Bad Wörishofen bieten Schnuppergüsse an

... von Cordula

Einen „Schnupperguss“ ausprobieren
Die meisten Häuser in Bad Wörishofen bieten Schnuppergüsse an. Unbedingt ausprobieren, dann weiß man, wie es geht und kann das zu Hause besser umsetzen! Obwohl bei Kneipp alle an kaltes Wasser denken, haben die wenigsten schon  einen medizinischen Wechselguss erlebt.

Wanderung nach Hartenthal
Ich wandere gern hinüber nach Hartenthal, das vier Kilometer vom Bad Wörishofer Zentrum entfernt liegt. Von dort sieht man bei klarer Sicht bis zu den Ammergauer Alpen, zur Zugspitze und ins westliche Allgäu.

Spaziergang zur Mariengrotte
Die Grotte liegt wunderschön auf einer Anhöhe. Dort gibt es eine Bank zum Ausruhen und einen weiten Blick – der Ort hat eine besondere Ausstrahlung.

Kneipps Weihekirche in Ottobeuren
Hin und wieder besuche ich die Basilika in Ottobeuren, wo Sebastian Kneipp einst zum Priester geweiht wurde. Das ist eine große, stattliche Kirche, die zum Nachdenken einlädt. Eindrucksvoll ist es auch, dort ein Konzert zu erleben.
abtei-ottobeuren.de

Kräuterlikör aus der Kartause
Ein interessantes kulturelles Ziel ist die Kartause Buxheim bei Memmingen. Das geschnitzte Chorgestühl ist ein Kunstwerk von Weltrang. Und man kann dort den sehr feinen Kräuterlikör „Chartreuse“ nach einem Geheimrezept mit 150 Kräutern kaufen,  ganz kneippkonform!
kartause-buxheim.de

Entspannung beim Kurkonzert
Wenn ich nicht mit meiner Familie in den wunderschönen Allgäuer Bergen unterwegs bin, lausche ich im Sommer gerne den Kurkonzerten in Bad Wörishofen. Die sind wirklich sehr beliebt und international besetzt.
bad-woerishofen.de

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